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30. Juni 2014

Zehn Dinge, die Sie über das «Eidgenössische» wissen müssen

Das Migros-Magazin erklärt Formationen, Outfit oder Fahnenschwingen – damit Sie fit fürs «Eidgenössische» sind.

1. Der Event

Alle drei Jahre treffen sich die Jodler, Alphornbläser und Fahnenschwinger während dreier Tage zum Eidgenössischen Jodlerfest. Zum ersten Mal fand dieser Mega-Event 1924 in Basel statt. Über 1000 Liedbeiträge werden jeweils von einer Jury bewertet.

2. Die Preise

Lob ist der Preis: In allen drei Sparten gibt es Bewertungen – von Klasse 1 «sehr gut» bis 4 «ungenügend», bereits eine 3 gleicht einer mittleren Katastrophe, denn in vielen Regionen werden die Resultate der örtlichen Chöre in der Woche nach dem «Eidgenössischen» jeweils veröffentlicht.

3. Der Gesang

Jodeln kann man, wenn man den Übergang von der Brust- in die Kopfstimme und zurück mühelos schafft. Das kann theoretisch jeder, praktisch ist es aber schwierig, den richtigen Ton zu treffen, denn der Registerwechsel ist mit grossen Intervallsprüngen und Tonumfängen verbunden.

4. Die Formationen

Die Jodelchöre singen unbegleitet. Der vierstimmige Chor beschränkt sich auf das Singen der Textstrophen, der gejodelte Refrain wird von Jodlern und Jodlerinnen übernommen. Solovorträge allein, zu zweit, zu dritt oder zu viert werden mit dem Akkordeon oder Schwyzerörgeli begleitet.

5. Das Outfit

Jodler tragen eine Tracht mit beispielsweise kurzärmligen Samtjacken mit Bordüren und Stickereien – den sogenannten Chüjermutz – und Hüte. Langjährige Jodler sind erkennbar an den vielen Festabzeichen von vergangenen Anlässen, die sie an ihren Hut stecken. Frauen tragen eine Tracht, bestehend aus Rock, Schürze, Bluse, Mieder und zuweilen auch Haube. Auch Besucher in Lederhosen oder Dirndl sind gern gesehen, auch wenn diese Outfits nicht zum Schweizer Brauchtum gehören.

6. Die Revolution

In diesem Jahr gibt es mit der Kategorie «Freie Vorträge» erstmals eine Plattform für spezielle oder gar experimentelle Darbietungen. Alle akustischen Begleitinstrumente ohne elektronische Verstärkung sind zugelassen. Man darf gespannt sein.

7. Das Alphorn

Wie viele Töne dem Alphorn zu entlocken sind, ist abhängig von den Fähigkeiten des Bläsers. Profis schaffen die Töne vom 2. bis zum 16. Ton der Naturtonreihe. Mit diesen wenigen Tönen etwas Melodiöses zu schaffen, ist eine grosse Herausforderung und erfordert regelmässige Übung.

8. Das Fahnenschwingen

Wie die Alphornbläser sind auch die Fahnenschwinger schon seit den Anfängen ein fester Programmpunkt beim «Eidgenössischen». Ziel ist, einen Teil der rund 90 möglichen Schwünge möglichst perfekt auszuführen und sich dabei möglichst nicht von der Stelle zu bewegen. Bis zur Reglementsreform 2009 war Fahnenschwingen ein reiner Männersport, unter anderem weil man dazu Tracht trägt und die Unterschwünge zwischen den Beinen mit Rock und Schürze nicht möglich sind. Inzwischen sind auch Frauen in spezieller Hosentracht zugelassen.

9. Der Festumzug

Der Festumzug findet am Sonntagnachmittag statt und bildet einen der Höhepunkte des «Eidgenössischen». An der Parade nehmen in diesem Jahr rund 60 Vereine aus der ganzen Schweiz sowie drei Jodlerklubs aus Übersee teil. Allein zum Umzug werden rund 40 000 Besucher erwartet.

10. Das Verhalten

Alkohol gehört zum Jodeln wie Zigaretten zu Cowboys. Sich ins Koma zu saufen, ist allerdings verpönt. Man trinkt mit Mass, was den ungezwungenen Umgang untereinander und das Zusammenfinden für ein spontanes Ständchen fördert. Übrigens: Jodler duzen sich aus Prinzip.