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13. August 2012

Zauberhaftes Donauland

30 Kilometer zieht sich die Wachau durch Niederösterreich. Wer die für ihren Wein- und Aprikosenanbau berühmte Donaulandschaft entdecken will, macht das am besten ganz entspannt mit dem E-Bike.

Österreichische Gastfreundschaft: Manchmal nutzen Musiker den Balkon des Stifts Dürnstein als Bühne und begrüssen Gäste, die mit dem Ausflugsdampfer die Donaugemeinde erreichen, mit einem Ständchen.

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Die Wachau entdecken

Gleichmässig surrt der kleine Motor, während links und rechts die Landschaft vorbeifliegt: das braungrün schimmernde Wasser der Donau, Burgen, Schlösser, Weinberge. Ganze 2800 Kilometer lang ist der Donauradweg insgesamt. Eine seiner schönsten Abschnitte führt durch die Region Wachau-Nibelungengau-Kremstal in Niederösterreich, immer nahe der Donau entlang, bergauf, bergab. Das kann anstrengend werden für Radfahrer. Doch wer die etwa 30 Kilometer lange Flusslandschaft zwischen dem 5000-Seelen-Städtchen Melk und der Kulturstadt Krems mit dem E-Bike erkundet, bewältigt auch die Anhöhen spielend und wird mit einem sagenhaften Blick über das Donautal belohnt.

Entlang steiler Weinterrassen und malerisch gelegener Dörfer

An elf Stationen in der Wachau kann man die motorisierten Velos mittlerweile ausleihen. Eine von ihnen ist der Donaucamping in Krems. «E-Bike fahren ist kinderleicht», erklärt die Campingplatzleiterin Elisabeth Dafert gerade einer Touristengruppe. «Sie wählen zwischen drei Antriebsstufen, je nachdem wie viel Unterstützung Sie beim Treten brauchen. Und los gehts!» Zum Beispiel auf dem Donauradweg Richtung Dürnstein, dem touristischen Zentrum der Wachau, vorbei an steilen Weinterrassen und malerisch gelegenen Dörfern.

Etwa 20 Minuten dauert der Aufstieg von Dürnstein zur Ruine Dürnstein. Wer oben angelangt ist, wird mit einem atemberaubenden Blick über die Donau belohnt.
Etwa 20 Minuten dauert der Aufstieg von Dürnstein zur Ruine Dürnstein. Wer oben angelangt ist, wird mit einem atemberaubenden Blick über die Donau belohnt.

Man sieht ihn schon von Weitem, den blau-weissen Glockenturm, das Wahrzeichen Dürnsteins, der die Ziegeldächer überragt und zum Augustiner-Chorherrenstift gehört. Zu seinen Füssen legen im Halbstundentakt Ausflugsschiffe an und spülen an Wochenenden Hunderte von Besuchern an das malerische Ufer.

Mehr Ruhe geniesst man da vom gegenüberliegenden Donauufer aus. Und dazu den schönsten Blick auf Dürnstein. Ein kleines Motorboot bringt Fahrer samt Velo auf die andere Seite. Weiter geht es dann auf dem Donauradweg bis St. Lorenz, wo Velofahrer wiederholt die Uferseite Richtung Weissenkirchen wechseln. Von hier sind es nur noch wenige Kilometer bis zur Winzergemeinde Spitz. Wie ein Kragen legt sich die 1700-Seelen-Gemeinde um den Tausendeimerberg, einen Weinberg, der in guten Jahren den Winzern bis zu 1000 Eimer Wein eingebracht haben soll — und dem Berg seinen Namen. Von der Donau schlängelt sich die Marktstrasse bergauf, vorbei an Lesehöfen, am barocken Aggsteinerhof und an alten Steinbrunnen, in denen sich Ausflügler die Füsse kühlen. Denn es kann heiss werden, in dem für seinen Wein- und Aprikosenanbau berühmten Landstrich. An manchen Sommertagen bis zu 37 Grad. Dann säumen bunte Sonnenschirme das sandige Ufer der Donau. Kinder toben im kalten Nass und Ausflügler wie Einheimische suchen Schatten unter hohen Bäumen, die an manchen Stellen bis ans Wasser reichen. Postkartenidylle pur.

Wohl dem, der sich nach solch einem Tag nicht in den Rückreisestau einreihen muss, sondern einfach nach Hause radeln kann.
Wohl dem, der sich nach solch einem Tag nicht in den Rückreisestau einreihen muss, sondern einfach nach Hause radeln kann.

Wohl dem, der sich nach solch einem Tag nicht in den Rückreisestau einreihen muss, sondern einfach nach Hause radeln kann. Patrick Friedrich weiss, wie es ist, dort zu leben, wo andere Ferien machen. Der 32-jährige Schweizer ist vor acht Jahren nach Österreich gegangen, seit April ist er Küchenchef des wiedereröffneten Weinguts und der Pension Hutter in Krems sowie einer von zwei Geschäftsführern des Hauses. Aufgewachsen in Basel, wusste Patrick Friedrich schon früh, was er werden wollte: Koch. Wie sein Vater. Und in die weite Welt hinaus. Österreich sollte sein Sprungbrett sein. Nach Südafrika, Neuseeland, in die USA. «Ein Jahr wollte ich bleiben. Jetzt sind es schon acht», erzählt er und lacht. Als ihm die Geschäftsführung des Weinguts angeboten wurde, habe er nicht lange gezögert. «Es ist ein unglaublich schöner Ort, mitten in den Weinbergen mit Blick über Krems», sagt er und schaut sich zufrieden in seiner Weinlaube um.

Die selbst gemachten Cremeschnitten sind legendär

Einige Jahre hat der Gault-Millau-Koch in Wiener Spitzenrestaurants gearbeitet und viel gelernt, wie er sagt. Aber er wollte raus aufs Land. Hier könne er so kochen, wie er es möchte: regional, saisonal, einfach und gut. Für Hobbys bleibe dem Jungunternehmer leider nicht viel Zeit. Dabei hat er letztes Jahr mit dem Golfen angefangen. Sein Tipp für Gäste: «In Lengenfeld, etwa zehn Kilometer nördlich von Krems, gibt es einen guten Golfplatz.» Und wo geht er in der Wachau gerne essen? «Es gibt viele gute Adressen. Zum Beispiel den Loibnerhof in Unterloiben. Dort hat es einen grossen Garten mit alten Obstbäumen, unter denen man wunderbar sitzen und regionale Weine geniessen kann. Auch die selbst gemachten Cremeschnitten sind legendär.» Ähnlich gut wie die Schaumrollen der Konditorei Hagemann in der Kremser Altstadt. Eine Sünde aus Blätterteig und Eischneeschaum. Hier frühstückt Friedrich samstags manchmal, bevor er auf dem Wochenmarkt am Pfarrplatz einkauft.

Gault-Millau-Koch Patrick Friedrich kauft gerne regional ein, wie auf dem Kremser Wochenmarkt bei Verena Köcher.
Gault-Millau-Koch Patrick Friedrich kauft gerne regional ein, wie auf dem Kremser Wochenmarkt bei Verena Köcher.

«Sind das hier Fleisch- oder Ochsenherztomaten?», fragt Patrick Friedrich und hält die dunkelroten Tomaten in die Höhe. «Fleischtomaten. Das Ochsenherz ist herzförmiger», sagt Verena Köcher von der Gärtnerei Köcher. Da muss die Marktfrau nicht lange überlegen. Jeden Samstag kommt sie frühmorgens aus dem nahegelegenen Rohrendorf nach Krems und baut ihren Stand auf. «Backwaren, Obst, Käse, auf dem Wochenmarkt können sich Touristen wunderbar für die nächste Ausflugstour mit Verpflegung eindecken», sagt Friedrich.

Auf 450 Meter Höhe thront Stift Göttweig über den Weinreben

Zum Beispiel für einen Ausflug auf die andere Donauseite mitten durch die Weinberge rund um den Göttweiger Berg. Wer nicht strampeln möchte, schaltet den Motor als Unterstützung ein und geniesst den Blick auf die sich scheinbar endlos aneinanderreihenden Weinstöcke, urige Weinkeller und natürlich Stift Göttweig, das auf der 450 Meter hoch gelegenen Seehöhe über allem thront.

Ein kleines, leichtes Motorboot bringt Velofahrer von Dürnstein ans andere Ufer der  Donau: Jetzt den Fahrtwind geniessen und mit den Fingern durch das kühle Wasser gleiten – herrlich!
Ein kleines, leichtes Motorboot bringt Velofahrer von Dürnstein ans andere Ufer der Donau: Jetzt den Fahrtwind geniessen und mit den Fingern durch das kühle Wasser gleiten – herrlich!
In seinen Gärten bewirtschaftet Harald Aufreiter überwiegend alte Aprikosensorten. Dass diese besser schmecken, davon ist der Bauer überzeugt.
In seinen Gärten bewirtschaftet Harald Aufreiter überwiegend alte Aprikosensorten. Dass diese besser schmecken, davon ist der Bauer überzeugt.

Harald Aufreiter (39) aus Krems-Angern fährt oft hoch zum Benediktinerstift. Nicht wegen der Schönheit des Klosters oder des tollen Ausblicks. «Hier oben hege und pflege ich meine Kleinen», verrät er, während er die schwere, hölzerne Gartenpforte aufschliesst. In dem Klostergarten züchtet Aufreiter alte Aprikosenbaumsorten, wie die Klosterneuburger Marille. Insgesamt bewirtschaftet Familie Aufreiter etwa 1000 Aprikosenbäume auf vier Hektar Land rund um Krems-Angern, deren Früchte zu Likören, Bränden, Marmeladen und Nektar verarbeitet und im eigenen Hofladen verkauft werden. Und noch etwas hat sich der Aprikosenbauer für Touristen ausgedacht, den Wachauer Marillen-Erlebnisweg durch seine Marillengärten.

Am schönsten ist es hier am späten Nachmittag, wenn es kühler wird und die Bäume lange Schatten werfen, verrät Harald Aufreiter. Und wer vom langen Tag erschöpft ist, schaltet auf der anschliessenden Fahrt zurück ins Hotel einfach den Motor ein.

Autor: Evelin Hartmann

Fotograf: Rainer Riedler/Anzenberger