Archiv
24. November 2016

Zauberhafter Advent

In der Schweiz gibt es viele schöne Adventsbräuche, die zum Teil bis ins Mittelalter zurückreichen. Zehn Prominente präsentieren ihre Favoriten.

Laternliweg auf der Schwägalp
Auf dem Laternliweg auf der Schwägalp AR. (Alle Bilder PD/zVg)

Schwägalp AR

LATERNLIWEG (Bild: oben): 21.11.2016 bis 18.3.2017
Jeweils Do, Fr und Sa nach dem Eindunkeln. Zwischen Weihnachten und Neujahr jeden Abend, Talstation Säntis-Schwebebahn
www.saentisbahn.ch

Nicolas Senn (27) wohnt in der Nähe von Gais AR und zählt zu den talentiertesten Hackbrettspielern der Welt. Er hat den Laternliweg zweimal besucht.

«Eigentlich dachten wir, dass der Laternliweg beim Berghotel ‹Säntis – das Hotel›­ etwas für Kinder und Ältere sei. Trotzdem besuchte ich ihn vor zwei Jahren mit Freunden. Es war ein gemütlicher Winterabend im Schnee. Wir spazierten durch den Wald und staunten: Auf dem von vielen Fackeln gesäumten Weg gab es auch eine Punschstation.

Nicolas Senn (27)
Nicolas Senn (27)

Wir wanderten bis zur Passhöhe auf der Schwägalp, kehrten dort ein und bestellten eine heisse Schoggi und Punsch. Es ist ja nicht ganz alltäglich, dass man durch die Nacht geht. Die am Wegrand aufgehängten Petrollaternen und die vielen Fackeln lassen romantische Gefühle aufkommen. In der heutigen hektischen Zeit ist das ein eindrückliches Erlebnis.
Jeweils am Freitag und Samstag führt der beleuchtete Laternliweg bis zum Gasthaus auf der Passhöhe. Für den Spaziergang benötigt man rund 40 Minuten.»

Ihr liebster Brauch?
Gehen Sie gerne an Advents- oder Weihnachtsmärkte? Oder was ist Ihr liebster Brauch in der Adventszeit? Erzählen Sie davon ganz unten in den Kommentaren und diskutieren Sie mit anderen Leserinnen und Lesern.


Saint-Ursanne JU

Weihnachtsmarkt in Saint-Ursanne
Weihnachtsmarkt in Saint-Ursanne

WEIHNACHTSMARKT:3.12. und 4.12.
www.marches-noel.org

Andreas Gross (64) ist Politikwissenschaftler und Alt-Nationalrat. Er wohnt unter anderem auch in Saint-Ursanne JU und ist ein grosser Fan des dortigen Weihnachtsmarkts.
«Ich bin einer, der oft unterwegs ist, lebe an vielen Orten zwischen Bern, Basel, Strassburg, Zürich und dem Jura. Doch seit bald 20 Jahren kehre ich, wenn immer möglich, am Abend nach Saint-Ursanne zurück. Saint-Ursanne ist kein Dorf, sondern ein mittelalterliches Städtchen, das seine einzigartige Ambiance zu erhalten wusste.

Andreas Gross (64)
Andreas Gross (64)

Der Weihnachtsmarkt ist eines der Lichter in der kühlen, dunklen Zeit. Es duftet entsprechend, und der Glühwein wärmt, wo man sonst nur schnell ins Haus hastet. Der Markt ist noch nicht von Geld und Shoppingwahn geprägt; die Besinnlichkeit ist nicht verkitscht, die Atmosphäre stimmig.

Ab und zu kaufe ich hier Kerzen, Backwaren, einen Nikolaus für den Weihnachtsbaum sowie einen Tannenkranz für die Haustüre.
Seit Jahrzehnten habe ich mit meiner Tochter elsässische Weihnachtsmärkte besucht: Am schönsten ist wohl der Markt in ­Kaysersberg – aber Saint Ursanne kommt ihm relativ nah.»

Lausanne

LAUSANNE LUMIERES:24.11. bis 31.12.
www.festivallausannelumieres.ch

Léa Sprunger
Léa Sprunger

Léa Sprunger (26) aus Lausanne ist Leichtathletin und liebt die Vorweihnachtszeit in ihrem Wohnort.
«Normalerweise bin ich im November und Dezember im Trainingslager in Südafrika.
Wenn ich wieder zurück in Lausanne bin, gehe ich nach dem Eindunkeln gern spazieren. Dann bewundere ich die beleuchteten Gebäude und die Kunstinstallationen des Festivals Lausanne Lumières in der Innenstadt. Ich mag es auch, dass überall Kerzen aufgestellt sind. Das Licht im Dunkeln sehe ich als Hoffnung für neues Leben.

Besonders schön finde ich den Palais de Rumine und das Quartier du Flon im Herzen meines Wohnorts.
Für mich bedeuten diese Momente des Innehaltens, dass wir kurz vor Weihnachten und einem neuen Jahr stehen. Das verbinde ich mit einem positiven Lebensgefühl.»

Zürich

SINGING CHRISTMAS TREE
SINGING CHRISTMAS TREE

SINGING CHRISTMAS TREE:24.11. bis 23.12.
An der unteren Bahnhofstrasse
www.singingchristmastree.ch

Der Entertainer Pino Gasparini (70) aus Zürich ist langjähriger Sänger der Pepe Lienhard Band. Er hat den ‹Singing Christmas Tree› ­mitgestaltet.

Pino Gasparini (70)
Pino Gasparini (70)

«Für den ‹Singing Christmas Tree›, der jeweils in der Nähe des Zürcher Hauptbahnhofs stattfindet, habe ich mit 30 bis 40 Kindern fünf Mal geprobt. Die Musik kommt von der Band, dazu singen die Kinder live mit.
Es ist ein wundervoller Anlass. Die singenden Kinder strahlen Freude aus, was sich auf die Zuschauer überträgt. Auch mein langjähriger Weggefährte Pepe Lienhard besucht den Anlass regelmässig und schätzt den schönen Brauch, der das Weihnachtsfest festlich einläutet.»

Heiligenschwendi BE

WEIHNACHTSWEG:vom 1. Advent bis 6.1.2017
www.heiligenschwenditourismus.ch

Volksmusikstar Christian Duss (48) ist Mitbegründer der Mundartgruppe ChueLee und wohnt in Faulensee BE. Den Weihnachtsweg in Heiligenschwendi BE besucht er jedes Jahr.
«Der Weg mit seinen vielen Fackeln und Ständen ist wunderschön gestaltet. Die Krippen befinden sich auf dem Rundweg in Speichern und Scheunen – stimmungsvoll dekoriert mit schön ausgeleuchteten Figuren.

Christian Duss
Christian Duss

Es ist eine wahre Freude, diesen Weg zu begehen. Und wenn es Schnee hat, ist das Ganze noch stimmungsvoller. Ich besuche den von Fackeln beleuchteten Weihnachtsweg jedes Jahr mit Freunden, halte für einen Glühwein und Schenkeli an oder esse Kuchen und Weihnachtsguetsli. Das alles ist kostenlos. Geld kann man via Kollekte spenden. Es tut einfach gut, einmal abzuschalten.
Immer wenn ich hier bin, kommen Kindheitserinne­rungen hoch – an jene Zeit, als wir auf Stroh­ballen sitzend aufs Christkind warteten.»

Küssnacht am Rigi SZ

KLAUSJAGEN
KLAUSJAGEN

KLAUSJAGEN:5.12., 20.15 Uhr
www.klausjagen.ch

Max Heinzer (29) aus Immensee SZ gehört zu den weltbesten Degenfechtern und nahm schon als Fünfjähriger am Klausjagen teil.
«Ich bin in Immensee aufgewachsen. Dort geht man schon als Primarschüler ans Klausjagen. Am Vorabend des Samichlaustags erstrahlt das Dorf Küssnacht SZ am Vierwaldstättersee im Schein von rund 250 riesigen Bischofshüten aus Karton (Iffelen genannt), die von innen mit Kerzen beleuchtet sind. Diese kunstvoll verzierten und farbig leuchtenden Kunstwerke werden von Männern getragen, die den Heiligen Nikolaus auf seinem Gang durch das vollständig verdunkelte Dorf begleiten.

Max Heinzer (links vorne)
Max Heinzer (links vorne) nahm schon im Vorschulalter am Klausjagen teil.

Ich bin einer der rund 200 Hornbläser, gehe jeweils am Schluss des Umzugs und blase den Takt. Es sind ausschliesslich Männer, die an diesem Umzug teilnehmen. Mir gefällt dieser uralte Brauch sehr, mit dem wir die Wintergeister verjagen. Dann steht das ganze Dorfleben still.

An den riesigen Iffelen haben manche Männer das ganze Jahr lang gearbeitet. Wenn dann zusätzlich mehrere hundert Männer, begleitet von Tausenden von Zuschauern, schwere Kuhglocken (Trichlen genannt) läuten, beeindruckt mich das stark.
Der Job des Hornbläsers ist der einfachste. Das passt mir, denn ich befinde mich jeweils im Dezember mitten in der Turniersaison und muss mich ein wenig schonen.»

Rheinfelden AG

WEIHNACHTSFUNKELN
WEIHNACHTSFUNKELN

WEIHNACHTSFUNKELN:25.11., 16.30 Uhr

SEBASTIANI-BRUNNENSINGEN:24.12., 23 Uhr; 31.12., ab 21 Uhr

www.rheinfelden.ch

Philippe Gerber (42) aus Rheinfelden AG ist Radiomoderator bei SRF 3 und nimmt regelmässig an den Adventsbräuchen in seinem Wohnort teil.
«Ich komme ursprünglich aus Allschwil BL, wohne aber mit meiner Familie seit 2008 in Rheinfelden AG. Den Reigen der Adventsbräuche eröffnet das Weihnachtsfunkeln. Das ist ein schönes Zusammensein in der Altstadt, mit festlich geschmücktem Baum, wo die Stadtmusik spielt und die Weihnachtsbeleuchtung offiziell eingeschaltet wird. Den Höhepunkt bildet der leuchtende Sechsspänner mit den Pferden der Brauerei Feldschlösschen. Die Kinder staunen, und für die Erwachsenen gibt es Gratisbier.

Philippe Gerber
Philippe Gerber

Wirklich stolz bin ich aufs Sebastiani-Singen. Wenn es in Rheinfelden still und dunkel wird, treten zwölf schwarzgekleidete Männer aus der Sankt-Martin-Kirche auf und besingen in einem Rundgang sechs Brunnen der WakkerStadt.
Dieser Brauch geht zurück auf die letzte grosse Pestepidemie 1541. Die zwölf Männer der Bruderschaft haben ein Gelübde abgelegt: Jedes Jahr, in dem die Stadt von der Pest verschont bleibt, singen sie als Dank am Brunnen.
Denn einst glaubte man, dass die Pest über das Brunnenwasser verbreitet wird. Die Prozession jährt sich zum 475. Mal – und noch immer wird dasselbe Lied gesungen.»

St. Gallen

WEIHNACHTSMARKT St. Gallen
WEIHNACHTSMARKT St. Gallen

WEIHNACHTSMARKT:24.11. bis 24.12.
www.st.gallen-bodensee.ch/de/weihnachtsstadt

Beat Antenen (61) wohnt in St. Gallen, ist TV- und Eventprofi sowie Teilzeittheologe. Am 4. Adventssonntag predigt er in der Kirche St. Laurenzen im Gottesdienst.

Beat Antenen (61)
Beat Antenen (61)

«St. Gallen hat eine schöne Altstadt mit eindrücklicher ­historischer Bausubstanz. Hier befindet sich auch der Weihnachtsmarkt, wo während der Adventszeit rund 700 Sterne funkeln.
Wer am Bahnhof ankommt, gelangt zu Fuss oder mit Tramlinien 1, 3, 4, 7 und 11 bis zum Marktplatz mit seinen stimmigen Ständen, wo man sich zum Glühwein und zu vielen anderen Spezialitäten trifft. Ganz in der Nähe befinden sich der Stiftsbezirk mit der Kathedrale, Teil des Unesco Weltkulturerbes, sowie die Kirche St. Laurenzen. Hier predige ich seit 25 Jahren jeweils am 4. Adventssonntag, dieses Jahr also am 18. Dezember. In der Regel finden sich gegen 1000 Besucher ein.»

Seengen / Lenzburg AG

Chlauschlöpfe in Seengen
Chlauschlöpfe in Seengen

CHLAUSCHÖPFE:ab 26.11. in Seengen und am 4.12., 13.30 Uhr, in Lenzburg AG
www.chlauschloepfe.ch

Fabian Bösch (19) aus Engelberg OW ist Slopestyle-Weltmeister und mit dem Chlauschlöpfe quasi aufgewachsen.
«Ich wohnte früher in Lenzburg AG und habe das Chlausgeisseln, das jeweils in der Zeit von November bis Dezember bei einbrechender Dunkelheit stattfindet, viele Male miterlebt. Mit dem Chlauschlöpfen soll der Samichlaus in seiner Höhle geweckt werden. Weil dies etwas länger dauert, besucht er die Kinder im Bezirk Lenzburg nicht am 6. Dezember, sondern erst am zweiten Donnerstag im Dezember.

Fabian Bösch
Fabian Bösch

Das Geisslechlöpfe ist auch ein Wettkampf: Mein Vater wurde sogar Regionalmeister, meine Mutter beherrscht das im Gegensatz zu mir auch.
Ich finde das Chlauschlöpfe einen coolen Brauch und fände es schön, wenn wir in Engelberg einen ähnlich stark verankerten Anlass hätten.»

Baar ZG

Lichterweg in Baar
Der Lichterweg

LICHTERWEG:ab 25.11.
www.lichterweg-baar.ch

Der gebürtige Walliser Sven Furrer (45) lebt seit 12 Jahren in Baar ZG und bildet mit René Rindlisbacher das Duo Edelmais. Er besucht den Lichterweg regelmässig.
«Seit dem Lehrerseminar, das ich in den 90er-Jahren absolviert habe, ist Zug meine zweite Heimat. Rund 15 Fussminuten von meinem Wohnort entfernt breitet sich der Lichterweg aus. Ich sehe ihn oft, weil ich nach meinen Vorstellungen nachts unterwegs bin. Ich bin ihn auch schon mit unseren vier Kindern gegangen.

Sven Furrer (45)
Sven Furrer (45)

Für mich ist der Lichterweg eine willkommene Entschleunigung vom oftmals hektischen Alltag. Man geht durch die nächtliche Idylle einen steilen Hang hoch – auf einem Weg, der von unzähligen LED-Lämpchen beleuchtet ist. Ich finde es wunderschön. Am liebsten ist mir, wenn gar nicht so viel Betrieb ist, was natürlich nicht im Sinn der Organisatoren sein kann.»

Autor: Reto E. Wild