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09. März 2015

Younow: Live aus dem Kinderzimmer

Die Plattform Younow ist bei Kindern und Jugendlichen sehr beliebt, bei unvorsichtiger Nutzung aber brandgefährlich. Eltern müssen ihrem Nachwuchs helfen, sich zu schützen.

Younow gefährliche Plattform für Kinder
Vor allem Mädchen geben bei Younow zu viel von sich Preis (Illustration: Supertotto/2Agenten)

Komplimente hat jeder gern: «Du bist so hübsch, deine Augen sind wunderschön.» Sätze wie diese sind für viele Menschen der Anreiz, die neue Internetplattform Younow (bewusst nicht verlinkt, d. Red.) zu nutzen. So holen sie sich Selbstvertrauen und peppen ihr Ansehen unter Freunden auf.

Vor allem junge Menschen zeigen bei Younow.com live im Internet, wie sie im Bett liegen, am Schreibtisch sitzen oder das Znüni essen. Und erklären dabei ihr Leben. Sie erzählen von der Schule, von Hobbys oder vom Streit mit ihrem Schatz. Mit jeder Sendeminute kommen weitere Zuschauer hinzu, manchmal sind es über 800. Sie müssen sich weder registrieren, noch ihr Alter angeben.

Wers tut, bleibt trotzdem anonym und kann die Sender der Kids abonnieren oder ihr «Fan» werden. Je mehr Fans, desto besser. Schliesslich nimmt die Attraktivität durch eine bessere Platzierung am Bildschirm zu, was noch mehr Zuschauer und Fans anzieht. Ausserdem können sich Jugendliche direkt miteinander vergleichen.

Die Anzahl Fans als neue Währung auf dem Pausenplatz.

In ihren Sendungen beantworten vor allem Mädchen, aber auch Buben Fragen, die Zuschauer auf ihrer Tastatur eintippen. «Wie alt bist du?», «Wo wohnst du?», «Wie heisst du richtig?» oder «Machst du eine Lehre?» Auf den ersten Blick ist das harmlos – doch das täuscht.

Schliesslich weiss niemand, wer sich hinter den Pseudonymen verbirgt oder was diese mit den persönlichen Informationen vorhaben. Bereits wenige Angaben genügen, um mit Google und Facebook die genaue Wohnadresse der Kamerakinder herauszufinden, sie persönlich zu kontaktieren oder schlimmstenfalls gar zu besuchen.

Nebst Komplimenten und Fragen zur eigenen Person erhalten Kinder und Jugendliche nicht selten auch direkte Aufforderungen: «Küss deine Freundin!» oder «Zeig mir den BH!». Denn wie praktisch auf jeder Plattform, die hauptsächlich von jungen Menschen genutzt wird, tummeln sich auch bei Younow Pädophile, die Unschuldige gefährden und missbrauchen.

Dialog mit Kindern enorm wichtig

Ausprobieren, sich präsentieren, Grenzen ausloten: Für Teenager ist Younow reizvoll. Das ist nachvollziehbar und verständlich. Aber Eltern sind für deren Schutz verantwortlich und müssen ihnen mögliche Gefahren aufzeigen.

Dialogbereitschaft und ernsthaftes Interesse sind dafür der bessere Weg als ein Verbot. Denn Younow ist unter einer Prämisse ungefährlich: Wer es nutzt, muss die anonymen Kontakte genau gleich behandeln wie fremde Menschen im echten Leben – und keine persönlichen Informationen verraten oder nackte Haut zeigen.

Autor: Reto Vogt