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13. April 2015

Wohnen in der Zukunft – schon heute

Weil sich immer mehr Haushaltsgeräte ans Internet anschliessen lassen, erledigen sie ihren Job plötzlich automatisch. Fluch oder Segen? Fünf Fakten und fünf Thesen zum Internet der Dinge. Und: Was sich künftig fernsteuern lässt («Haushalt per Handy steuern»).

Smart heisst nicht intelligent

Smart heisst nicht intelligent
Smart heisst nicht intelligent (Bild: Hersteller).

1. Smarte Kaffeemaschinen, Zahnbürsten und Waagen sind eine Erfindung der Hersteller. Sie bezeichnen die Geräte nur so, damit sie sich besser verkaufen. Dabei bedeutet diese Intelligenz nichts anderes, als «mit dem Internet verbunden».

2. Ob intelligent oder nicht: Im Jahr 2020 werden laut dem Netzwerkbauer Ericsson über 50 Milliarden Geräte weltweit aufs Internet zugreifen. In der Schweiz baut Swisscom sogar ein eigenes Mobilfunknetz für Kaffeemaschinen & Co.

Die Funktionen der intelligenten Zahnbürste sind nur via Smartphone verfügbar (Bild: Hersteller).

3. Allerdings funktionieren viele sogenannt smarte Geräte nur bei einer bestehenden Verbindung zu einem Android-, Windows- oder iPhone, das auf dem Bildschirm die Bedienelemente zeigt.

4. Ausserdem beschränken sich die meisten Funktionen auf Social Media. Das ist für Facebook- und Twitter-Fans sicher nett, bietet aber abgesehen vom Austausch mit Freunden – der notabene auch so stattfinden kann – keinen Mehrwert.

Der Tado Smart Thermostat weiss wer zu Hause ist und temperiert entsprechend
Der Tado Smart Thermostat weiss wer zu Hause ist und temperiert entsprechend (Bild: Hersteller).

5. Es lässt sich nicht abstreiten, dass sich dies in Zukunft ändern wird. Schon heute erkennt ein Thermostat, ob sich ein gekoppeltes Smartphone in der Nähe befindet, und kann dementsprechend die Temperatur regeln. Weitere Automatismen werden folgen.

Was bedeutet das?

1. Ohne Vertrauen gehts nicht. Dieses würde unter anderem ein für mindestens ganz Europa einheitliches Datenschutzgesetz schaffen, dessen Anwendung von einer unabhängigen Organisation kontrolliert wird. Das fehlt derzeit.

Facebook darf kein Datenmonopol aufbauen.
Facebook darf kein Datenmonopol aufbauen.

2. Die Nutzung des «Internets der Dinge» generiert Daten – Kaffeekonsum, Gewichtsentwicklung, etc.. Wenn diese nur wenige Firmen besitzen und kontrollieren, entstehen Datenmonopole. Das ist gefährlich und muss verhindert werden.

Wenn die Menschheit die Nähmaschine überlebt, überlebt sie auch das Internet der Dinge
Wenn die Menschheit die Nähmaschine überlebt, überlebt sie auch das Internet der Dinge (Bild: Hersteller).

3. Durch technischen Fortschritt geht die Welt nicht unter. Genau so wenig wie die Erfindung des Autos oder der Nähmaschine das Ende der Menschheit bedeutete, wird das Internet der Dinge dafür sorgen.

4. Medienkompetenz ist eine wichtige Eigenschaft, um vernünftig mit internetgebundenen Gegenständen umzugehen. Dazu gehört auch, bewusst darauf zu verzichten und sich nicht davon leiten zu lassen.

Toaster mit WLAN, das ist der ganz grosse Hit der Zukunft
Toaster mit WLAN, das ist der ganz grosse Hit der Zukunft (Bild: Hersteller).

5. Und wenn Sie sich fragen, warum Sie vom Bett aus den Toaster bedienen sollen, dann ist die Antwort so simpel wie bestechend: «Weil Sies können!» Wer die Vorzüge eines vernetzten Haushalts kennengelernt hat, will nicht mehr darauf verzichten.

Oder doch?

Ihre Meinung interessiert uns. Was halten Sie vom «Internet der Dinge»? Diskutieren Sie in den Kommentaren!

Autor: Reto Vogt