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18. Mai 2015

Wohneigentum als Vermögensanlage?

Die Frage an Markt-Analyst Albert Steck von der Migros Bank: Wie gut eignet sich Wohneigentum als Vermögensanlage? Kann ich damit die schrumpfenden Zinserträge kompensieren?

Entwicklung Vermögenspreise seit 1978
Entwicklung Vermögenspreise seit 1978 (indexiert): Schweizer Aktien liegen weit voraus. Die Landpreise schneiden fast so gut ab wie Schweizer Obligationen.

Wohneigentum ist ein ganz besonderes Gut: Zum einen erbringt es direkt einen Konsumnutzen, indem ich darin leben kann.
Wie jeder Gebrauchsgegenstand verliert ein Haus mit der Zeit an Wert, nur etwas langsamer als zum Beispiel ein Auto. Als Faustregel gilt, dass innerhalb von 40 Jahren eine Wertminderung von rund 40 Prozent eintritt – sofern keine umfassenden Renovationen erfolgen.

Zum andern aber hat eine Immobilie, die ich selber bewohne, auch den Charakter eines Investitionsguts. Der wichtigste Faktor für die Wertentwicklung ist dabei der Landpreis, der im Gegensatz zum Gebäude keiner Altersentwertung unterworfen ist. Somit stellt sich für jeden Wohneigentümer die Frage, wie sehr sich der Grundstückbesitz als Vermögensanlage eignet.

Die Grafik (oben) liefert Ihnen dazu eine gute Übersicht: Seit 1978 haben sich die Landpreise in der Schweiz mehr als vervierfacht. Das sieht zunächst nach einer horrenden Preissteigerung aus. Doch aufs Jahr umgerechnet beträgt der Zuwachs lediglich knapp vier Prozent. Und der reale Preisanstieg, unter Berücksichtigung der Inflation, erreicht gerade noch zwei Prozent. Vergleichen wir diese Wertentwicklung nun mit den wichtigsten anderen Anlagekategorien: Schlechter abgeschnitten als Land hat das Gold. Negativ fallen zudem die starken Wertschwankungen des Edelmetalls ins Gewicht.

Eine wunderbar konstante Rendite haben Obligationen erzielt. Eine Anlage im Jahr 1978 hat ihren Wert glatt verfünffacht – und dies notabene ohne nennenswerte Rückschläge. Doch wegen der historisch tiefen Zinsen werden Obligationen in den kommenden Jahren nur noch sehr bescheidene Erträge abliefern.

Der klare Gewinner in diesem Performancevergleich sind die Aktien: Pro Jahr haben die Schweizer Börsenkurse mehr als sechs Prozent zugelegt. Wie die Grafik zeigt, waren die beiden letzten Börsenkrisen zwar heftiger als der Einbruch bei den Landpreisen in den 90er-Jahren.
Dafür aber haben die Aktien ihre Verluste deutlich schneller wieder aufgeholt.

Fazit: Nimmt man die historische Entwicklung zum Massstab, so ist die Wertsteigerung von Land durchaus attraktiv. Und solange der Boden ein knappes Gut bleibt, werden die Wohneigentümer auch künftig von steigenden Landpreisen profitieren können. 

Aktuell auf Blog.migrosbank.ch: So beeinflusst der Landwertanteil Ihr künftiges Immobilienvermögen. Und deshalb hat die Grafik mit dem Landpreis eine logarithmische Skala.

Autor: Albert Steck