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05. März 2012

Wohl behütet durch die Karibik

Trotz des Unglücks der «Costa Concordia»: Kreuzfahrten erfreuen sich grosser Beliebtheit. Wir liessen uns auf der «Ruby Princess» durchs türkisfarbene Wasser der Karibik schaukeln und nach Strich und Faden verwöhnen.

Bahamas
Grosse Feriengefühle: Die «Ruby Princess» vor den Bahamas.

Princess Cays, St. Martin, St. Thomas und Grand Turk: Vier Inseln der Karibik und über 4100 Kilometer in nur acht Tagen. Das ist mit einem Kreuzfahrtschiff möglich — in diesem Fall mit der «Ruby Princess».

Zwischen Oktober und April bringt das Schiff Sonnenhungrige im Wochenrhythmus von Florida aus in die Ostkaribik und wieder zurück. 3100 Gäste sind neben uns an Bord, als das 290 Meter lange Riesenschiff in Fort Lauderdale ablegt. Mit dabei ist auch der gebürtige Deutsche Dirk Brand, der als General Manager Herr über das schwimmende Hotel ist. Seit das Kreuzfahrtschiff, das der amerikanischen Reederei Princess Cruises gehört, 2008 erstmals ausgelaufen ist, sorgt er zusammen mit über 1000 Angestellten für das Wohl der Passagiere.

«Ich liebe meinen Beruf», sagt Brand. Seit 14 Jahren arbeitet der 43-Jährige auf See. Damals erhielt er das Angebot, auf dem seinerzeit weltgrössten Kreuzfahrtschiff «Grand Princess» zu arbeiten. Er dachte nicht lange nach, liess die Hotellerie an Land hinter sich. «Ich war Single, liebte grosse Schiffe und erhielt die Gelegenheit, die Welt zu entdecken.»

Dank «Traumschiff» zum Traumjob

Einer von Brands Untergebenen ist Günther Kopf aus Österreich. Als Kind liebte er die Fernsehserie «Traumschiff». «Bereits damals war für mich klar, dass ich später auf solchen Schiffen arbeiten will.» Mit 22 Jahren heuerte Kopf in Hamburg an. Danach arbeitete er sich Schritt für Schritt nach oben.

Platz für 4500 Menschen: Die Ruby Princess» vor Anker.
Platz für 4500 Menschen: Die Ruby Princess» vor Anker.

Auf der «Ruby Princess» ist er als Food-and-Beverage-Manager für das leibliche Wohl der Gäste zuständig. 21 Tonnen Essen und Trinken werden während einer Kreuzfahrt pro Tag verbraucht. Günther Kopf rechnet vor: «Das ist etwa so viel wie für eine Stadt mit 10'000 Einwohnern, allerdings sind wir an Bord nur gut 4000 Leute inklusive der Angestellten.» Das reichhaltige und im Preis inbegriffene Angebot rund um die Uhr regt den Appetit der Passagiere kräftig an. Der 41-jährige Kopf sagt: «Bei solchen Zahlen kann sich wohl jeder vorstellen, welche Organisation und Logistik notwendig ist.»

Klar, dass es den Verantwortlichen da nie langweilig wird. Hotel-Manager Brand erzählt: «Meine Tage sind ausgefüllt und sehr abwechslungsreich.» Er liebt den Kontakt zu den Gästen, erkundigt sich nach dem Wohlergehen seiner Leute und beobachtet das Geschehen auf den 19 Decks. «Nichts ist schlimmer, als erst am Ende einer Kreuzfahrt zu erfahren, was für manche Gäste nicht in Ordnung war», sagt der Deutsche auf einem Kontrollgang.

Zu kontrollieren gibt es viel: mehrere Restaurants und Bars, ein Theater, ein Kino, ein Casino, eine Bibliothek, ein Fitnesscenter und ein Spa. Unterhaltung rund um die Uhr, falls erwünscht.

Hotel-Manager Dirk Brand (rechts) und Food-and-Beverage-Manager Günther Kopf arbeiten vier Monate auf dem Schiff, haben im Anschluss dafür zwei Monate Urlaub.
Hotel-Manager Dirk Brand (rechts) und Food-and-Beverage-Manager Günther Kopf arbeiten vier Monate auf dem Schiff, haben im Anschluss dafür zwei Monate Urlaub.

Während des Auslaufens stehen Dirk Brand und Günther Kopf auf dem Pooldeck, inmitten der Passagiere. Ihre weissen Uniformen reflektieren das Sonnenlicht. Die mehrheitlich amerikanischen Gäste an Bord winken anderen Schiffen zu, fotografieren und gönnen sich den ersten Cocktail — voller Vorfreude auf die weissen Strände und das klare Meerwasser. Im Hintergrund wird die Skyline von Fort Lauderdale immer kleiner, vor dem Schiff öffnet sich der Atlantik.

Baden im türkisfarbenen Meer

Am nächsten Morgen erreicht das Schiff das erste Ziel: das Resort Princess Cays auf den Bahamas. Mit Booten werden die Gäste an Land gefahren. Liegestühle stehen auf dem weissen Strand des reedereieigenen Orts bereit.

«Nebst grossen Schiffen liebe ich warme Gefilde, weshalb ich vor einigen Jahren nach Spanien gezogen bin», sagt der gross gewachsene, braun gebrannte Dirk Brand. Während einer Kreuzfahrt versucht er möglichst viel an Land zu gehen, ebenso ein Bad im türkisfarbenen Meer zu nehmen. Von den angelaufenen Inseln gefallen ihm St. Martin und vor allem Grand Turk am besten. «Grand Turk ist eine kleine, friedliche Insel mit Stränden, die für Karibikgefühle sorgen.»

Auf Grand Turk schwingen sich Dirk Brand und Günther Kopf am liebsten aufs Velo und fahren quer über die Insel in den Norden, zu den urtümlichen Stränden rund um den Leuchtturm. Grand Turk, rund elf Kilometer lang und zwei Kilometer breit, gehört zur Gruppe der Turks- und Caicosinseln und liegt rund 350 Kilometer südöstlich der Bahamas. Die Inselgruppe ist vom drittgrössten Korallenriff der Welt umgeben und somit ein Paradies für Taucher und Schnorchler. In Cockburn Town, der verschlafen wirkenden Hauptstadt von Grand Turk, gibt es einige wenige Gästehäuser; grosse Hotels sind auf der Insel nicht zu finden. Auf den Strassen herrscht nur wenig Verkehr. Mehr Leben entwickelt sich zwischen den farbigen Häusern nur, wenn ein Kreuzfahrtschiff anlegt und Tausende von Touristen an Land strömen.

Deutlich touristischer ist die Insel St. Martin, die zu den Kleinen Antillen gehört. Sie ist in ein französisches und ein niederländisches Gebiet unterteilt und als zollfreies Einkaufsparadies beliebt. Zu den schönsten Stränden der Insel gehört die Baie Orientale an der Nordostküste, eingebettet in eine sanfte Hügellandschaft. Die Baie lädt zu ausgedehnten Spaziergängen auf feinem, weissen Sand oder einer Partie Beachball ein.

Seit ich Vater bin, fällt mir der Abschied schwerer.
Hotel-Manager Dirk Brand.

Ein weiteres Shoppingparadies und wohl bekanntestes Ziel unserer Kreuzfahrt ist die Insel St. Thomas, die zur Gruppe der Amerikanischen Jungferninseln gehört. Zahlreiche Buchten, grüne Hügel und weisse Strände prägen das Bild. Auch in den hübschen Gassen der Hauptstadt Charlotte Amalie lässt sich das Leben geniessen. Nach der Fahrt mit der Kabinenseilbahn Skyrider zum Paradise Point eröffnet sich ein beeindruckender Ausblick über den Hafen und die Stadt.

Brand und Kopf erholen sich zu Hause

Dirk Brand und Günther Kopf arbeiten jeweils vier Monate am Stück. Danach fahren sie für zwei Monate nach Hause. Nach der Hektik des Arbeitsalltags geniessen die beiden die Ruhe im Kreis ihrer Freunde und Familien. «Zu Hause in Österreich mag ich es gemütlich und lade gerne Freunde zum Essen ein», erzählt der 41-jährige Single Kopf. Seine Heimat dauerhaft zu verlassen, das käme für ihn nicht in Frage: «Österreich ist mein Hafen, ich schätze die Lebensumstände und mag die vier Jahreszeiten.» Als die Passagiere nach acht Tagen das Schiff verlassen, geht auch Kopf — in seine zwei Monate dauernden Ferien.

Kopf und Brand sind überzeugt, dass sie aufgrund ihres Arbeitsrhythmus mehr Zeit für ihre Familien und Freunde haben, als wenn sie an Land arbeiten würden. Brand sagt, er geniesse seine zwei Monate in vollen Zügen und könne sicher sein, dass er nicht vom Arbeitgeber gestört werde. Doch: «Seit ich einen kleinen Sohn habe, fällt mir der Abschied schwerer.» Seine Familie könne ihn aber bei jeder Gelegenheit auf dem Schiff besuchen.

Die Journalistin reiste ab Fort Lauderdale auf Einladung von Princess Cruises.

Autor: Sandra Kohler

Fotograf: Sandra Kohler