Archiv
15. Oktober 2012

Wo wird gesammelt?

Schwarmfinanzierung heisst die neue Art der Mittelbeschaffung. Aber für welches Projekt eignet sich welche Crowdfunding-Plattform? Ein Überblick.

Je nach Projekt und den angesprochenen Kreisen lohnt sich Crowdfunding auf ganz verschiedenen Online-Plattformen, mit Schweizer oder internationaler Ausrichtung.

www.kickstarter.com : Das erste Portal für Schwarmfinanzierung bleibt bisher das grösste und thematisch breiteste, mit weltweiter Beachtung. Allerdings fällt es lokalen bis regionalen Ideen mit primär eben solchen Spendern hier schwer, genügend Aufmerksamkeit zu erhaschen. Für Spektakuläres mit internationaler Verwendung aber ideal, und die Kickstarter-Leute beginnen nationale Ableger in Europa zu betreiben.
www.indiegogo.com : Der heute wohl grösste Widersacher von Kickstarter, auch mit entsprechend Sparten- und Branchen-übergreifenden Profil.
www.artistshare.com : Eine der im Kulturbereich am stärksten unter Finanzierungsproblemen leidende Branche ist die Musik. Deshalb gab es schon sehr früh eine darauf ausgerichtete und lange Zeit recht erfolgreiche Site, die Bands die Plattenaufnahme ermöglichen sollte.
www.startnext.de : Eine mittelmässig erfolgreiche deutsche Site, speziell vor allem darum, weil hier die Unterstützenden die Höhe des Beitrags frei wählen können. Man findet beim nördlichen Nachbarn weitere konkurrierende Anbieter wie www.inkubato.com , die auf den medialen Sektor ausgerichtete www.pling.de oder www.visionbakery.com (vor allem mit Projekten aus der kreativen Szene).
www.c-crowd.com : Geht es um mittel- bis langfristige Geschäftsideen, neue Firmen(teile) oder soziale Projekte mit gewisser Ausstrahlung, kommt man an dieser speziell auf derartiges ausgerichteten Site nur schwer vorbei. Selbst sonst nur teils abgesicherte Aktienkapitalerhöhungen kommen hier bisweilen zustande.
www.100-days.net : Die Schweizer Site von Handwerk- und Technikideen über Kultur bis zu Sozialem bis zu Start Ups- sowie andere Firmenvorhaben. Innerhalb der Schweiz der thematisch breiteste Anbieter.
www.wemakeit.ch : In der Schweiz am ehesten spezialisiert auf Projekte, die es sonst kaum schaffen würden. Grosser Anteil an Sammelaktionen im kulturellen Bereich, vorab Kunst, Film und Theater.
www.projektstarter.ch : Noch kleinere Alternative zu Wemakeit.ch im Kulturbereich, ideell näher beim grossen paten Kickstarter.com.

Generell ist wichtig, dass bei Crowdfunding ein Scheitern eine realistische Perspektive bleibt (und bedacht werden muss!), denn nirgends schaffen es schon die Hälfte der Projekte bis zum Sammelziel. Zentral ist das Ansprechen der Zielgruppen zuerst einmal über den eigenen Bekannten- und Freundeskreis, weshalb gerade Social Medias wie Facebook zu Beginn für den ersten Aufmerksamkeits-Kick sorgen sollten. Drittens gilt es vor Beginn immer dgenau die Bedingungen der Plattform zu studieren: Wie lange darf gesammelt werden, wie viel zieht der Site-Betreiber bei erfolgreichen Sammlungen für sich ab? Denn Konkurrenz besteht nicht nur zwischen den Projekten, sondern auch unter den Plattformen, in Deutschland etwa sind schon etliche wieder vom Verschwinden bedroht.

Autor: Reto Meisser