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12. Juni 2014

WM-Schlagabtausch: Yvette vs. Reto

Zur Fussballweltmeisterschaft in Brasilien gibt's nicht nur eine Meinung, sondern mindestens zwei. Diese vertreten Migros-Magazin-Redaktorin Yvette Hettinger und Online-Redaktor Reto Vogt. Wie ist Ihre?

Weltpokal, Schlagabtausch
Yvette gegen Reto im WM-Schlagabtausch - wer holt den Pokal? (Bild: iStock Photo).

Von: Yvette Hettinger
Datum: Montag, 14. Juli 2014, 14.30 Uhr
An: Reto Vogt
Betreff:Re: JAAAAAAAAAAAAAAA!!

Lieber Reto

Wahre Worte, mein Lieber. Deutschland ist verdienter Weltmeister (auch wenns nicht mein ursprünglicher Favorit war). Und dies sind meine persönlichen Freuden, Früste und Fragen zu dieser WM:

Top
- Die Schweizer Jungs im Spiel gegen Honduras.
- Benaglio im Tor: Ruhig und zuverlässig.
- Ochoa im Tor: Hektisch und zuverlässig.
- Rodriguez’ rettende Grätsche ins Goal im Spiel gegen Honduras.
- Opa Klose bei seinem 16. WM-Tor.
- Opa Klose in inniger Umarmung mit Schweinsteiger.
- Opa Klose in inniger Umarmung mit Schürrle.
- Opa Klose in inniger Umarmung mit einem Funktionär.
- Schweinsteiger mit Tränen in den Augen.
- Deutsche Spieler, die nach dem 7-1-Sieg ihre brasilianischen Kollegen trösten .
- Inler im superengen Shirt.
- Messi im Sprint aufs Tor, den Ball am Fuss angeklebt.
- Beni Thurnheers letzter WM-Kommentar: Ohne Ähs und Öhs, dafür mit charmanten kleinen Verwechslungen.
- Behrami beim Grätschen, Spurten und Rollen und sein Kommentar dazu: «So spielt Valon.»
- Samaras, der nach dem versenkten Penalty den ivorischen Goalie tröstet.

Flop
- Holland beim Beine Abhacken im kleinen Finale.
- Griesgram Messi nach der Medaillenverleihung.
- Robben als sterbende Schwalbe.
- Robben beim Foulen.
- Suarez ohne Maulkorb.
- Belgische Herablassung gegenüber dem Schiri.
- Sinn- und endloses Schiri-Bashing.
- Die rote Karte an Italien im Spiel gegen Uruguay.
- Die französischen Shirts mit den lächerlichen weissen Kräglein .

Fragezeichen:
- Ist Schweinsteiger noch blond oder schon grau?
- Warum wurde das Stadion nach dem Finale mit grauenhaftem Sound beschallt?
- Warum hat Messi den goldenen Ball bekommen?
- Wie geht’s Kramer?
- Wieso tritt Sepp Blatter nicht freiwillig zurück?
- Stimmt das Gerücht, dass Südkorea auch an dieser WM war?
- Wer kann einen Spieler wie Pirlo ersetzen?
- Wird es jemals abgesehen von Buffon einen Fussballer geben, der einen Clip im Haar tragen und trotzdem gut aussehen kann?
- Wann gibt’s eigentlich einen Eckball?

Ja, ich bin auch nicht böse, dass die WM vorbei ist.

Frohe Grüsse
Yvette

Von: Reto Vogt
Datum: Montag, 14. Juli 2014, 09.30 Uhr
An: Yvette Hettinger
Betreff: JAAAAAAAAAAAAAAA!!

Servus Yvette

Weltmeister. Weltmeister! Wir sind Weltmeister!! Nach ein paar Stunden Schlaf sind zwar die Freudentränen getrocknet und der Puls hat sich wieder einigermassen beruhigt. Aber wenn ich an Götzes grandioses Goal zurückdenke, flattert der Magen und hühnert die Haut noch immer.

Ich denke auch gerne an andere Dinge zurück...

- An Tiki-Taka-Fussball, der endlich nicht mehr belohnt wurde! (Muss so bleiben!)
- Kampfbetonte, sich aufopfernde Mannschaften wie Chile, Mexiko, Costa Rica und Kolumbien.
- Die Demütigung Brasiliens.
- Und die von England, Spanien, Portugal sowie Italien.
- Wie Spielsituationen von Photoshopkünstlern im Netz aufgenommen wurden.
- Der Schalk von Thomas Müller in seinen Interviews.
- Stimmung in meiner Lieblingskneipe mit dem schönen Motto «WM gucken ohne Schnickschnack».

Nichtsdestotrotz regten mich auch einige Dinge auf...

- Die bewusste Zensur von Fernsehbildern durch die Fifa.
- Messis Wahl zum Spieler des Turniers (Nur so: Torwart Neuer spielte mehr Pässe als Messi ).
- Dass nicht Thomas Müller diesen Preis erhielt.
- Die ganzen backenbemalten und rückspiegelbeflaggenden Menschen in der Schweiz.
- König Sepps Selbstbeweihräucherung.
- Wutbürger, die nach einem schlechten Spiel auf ihre Mannschaft fluchen, und sie beim nächsten Sieg wieder hochleben lassen.
- Dass jetzt der Fussballfan und der Fussball als Solches in weiten Teilen der Gesellschaft wieder als störend empfunden wird.

Kurz: Wir haben den Pokal, aber zum Glück ist das Turnier vorbei.

Weltmeisterliche Grüsse
Reto

Von: Reto Vogt
Datum: Freitag, 7. Juli 2014, 17.30 Uhr
An: Yvette Hettinger
Betreff:Re: Es zählt doch nur eins...

Liebe Yvette

Sieben Tore. Sieben Tore! In einem WM-Halbfinale. Gegen Brasilien. In Brasilien. Ich bin immer noch ganz aus dem Häuschen. Auch nach zwei Tagen und zwei Nächten wirkt das Resultat immer noch sehr unwirklich ...

Noch viel unwirklicher ist allerdings, was unsere Statistikfreunde vom Weltfussballverband an ihrem Abakus zusammenchügelen: Dort steht tatsächlich schwarz auf weiss, Brasilien stelle die beste Verteidigung und den besten Angriff. Nach einem Spiel, das diese Nationalmannschaft 7-1 verliert, wirkt das wie blanker Hohn und lässt nur einen Schluss zu: «Traue nie einer Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast!»

Etwas Aussagekräftiges lässt sich im Zahlenwust doch noch finden. Es wird schuhgenau aufgezeichnet, wie viele Kilometer jeder Spieler zurücklegt hat : Unter den zwölf Weitgeranntesten findet sich kein einziger Brasilianer, dafür fünf Holländer, vier Deutsche und drei Argentinier. Vielleicht hätte etwas mehr Laufbereitschaft geholfen, nur sechs statt sieben Tore zu kassieren. Und je nachdem sogar noch ein Zweites zu erzielen... Oder ist das jetzt etwas gar ketzerisch?

Aber leider funktionieren selbst gut gefälschte Statistiken nur rückwärtsgerichtet und verraten nicht, wer Weltmeister wird. Deshalb heissts abwarten, Gerstensaft trinken und sich an einen schönen Sommerabend im Juli 1990 erinnern...

Scbwarz-rot-goldene Grüsse
Reto

Was während dem Spiel zwischen Brasilien und Deutschland auf den Handys von Yvette und Reto passierte...

20:44 Reto: Schon gesehen? Kawumm!
20:45 Yvette: Brutal, aber so wird’s wohl kommen.
21:24 Uuuuund, aufgeregt? Wo schaust du das Spiel?
22:16 R: Soeben daheim angekommen und die Glotze angemacht. Schon 1-0, läck Bobby, das ging ja zackig.
22:18 Y: Ich wollte gerade schreiben, dass bis zum ersten Tor höchstens noch drei Minuten vergehen – so überlegen ist Deutschland.
R: Tatsächlich. Wenn dieser Pass ankommt, dann tschäderets schon wieder...
22:19 Y: Auch nicht schlecht, der Luiz...
R: Zu wenig! Brasilien kommt kaum vors Tor.
22:22 Y: Hummels wieder der Hammer bis jetzt.
R: Der hat doch gar nix zu tun! Bewundere lieber die deutsche Offensive. Dieser Kroos hat einen Fuss aus Gold.
22:24 Der pure Wahnsinn. Nur noch 6.
22:27 Y: 6 was?
R: Tore. Bis zum zweistelligen Ergebnis!
Y: Dream on. Aber zwei machen sie noch.
KLOSE! Rekord!
22:29 R: Wer hat noch nicht...
Ich war ja heute Abend noch beim Testspiel Winterthur gegen Spartak Moskau. Winti war besser als dieses Brasilien.
22:31 Y: Winterthur besser, das glaubst du doch selbst nicht!
R: Moll, schau hin, was auf dem Rasen passiert.
Y: Jesses Gott...
22:32: R: Der ist in etwa der einzige, der den Sambas noch helfen kann.
Aber wirklich unglaublich. Das 3-0 war der Genickschuss für Brasilien.
22:33 Siegerbier ist offen! Xundheit!
22:35 Y: 5-0, ich glaubs ja nicht. Ein Schlachtfeld.
22:37 Neymar dreht sich sicher im Spitalbett um.
22:45 R: Deutschland wird massiv Tempo rausnehmen in der zweiten Halbzeit.
Bankrotterklärung von Brasilien. Könnte 7-0 stehen.
22:46 Y: Mhm, mir tun die Leid.
22.47 R: Die Zuschauer ja, und das Land. Aber die Kicker nicht!
22:48 Y: Herzlos!
R: Ach, hätten sie sich mal angestrengt. Oder sich wegen einem Tor nicht aus dem Konzept bringen lassen.
22:53 Y: Oioioi. Ob die alle wieder lebend aus der Pause zurückkommen?
22:58 R: Wird nicht mehr viel passieren in Halbzeit zwei.
22:59 Y: Na ja, ich würd auch Feierabend machen, wenn ich die Deutschen wär.
23.05 R: Denk an das Video zurück.
Y: Ja, genau so läufts grad. Brutal.
23:06 R: Sowas hats echt noch nie gegeben.
Y: Also, wenn Du das sagst...
R: In einem so wichtigen Spiel dermassen verprügelt... nää, das gabs noch nie.
23:09 Y: Peinlich, diese gelben Schwalben.
R: Krass, der Neuer.
23:10 Y: Na ja, der Neuer hat ja nix zu tun...
...fast nix, sorry.
23:11 R: Jetzt 2 – 3 mal sackstark.
Y: Okay, stimmt.
23:18 Boah, Klose, 36 Jahre, vier WMs.
23:20 R: Yep, kein Blinder.
Y: Und auch nicht lahm, hihi.
Y: Und auch kein neuer, nach all den Jahren, höhö.
23.23 R: Unsympathisch, die Brasilianer... Fouls, Schwalben...
Y: ...und Blutgrätschen... Echli gruusig.
23:29 R: Ist schon frech, was die bieten, die Sambatänzer.
Y: Die pure Verzweiflung.
23:30 Auch Schürrle darf einmal, sagt der Beni.
23:31 R: Nach einem 1-0 Rückstand so auseinanderzufallen ist schon krass.
23:32 Y: Wer wird wohl als erstes gelyncht? Cesar?
Scolari?
23:33 R: Cesar kann nix dafür.
Y: Egal. Neymar?
23:34 R: Neymar ist der ärmste von allen. So siehts aus, wenn die Kollegen für ihn spielen.
Läck Bobby, da bin ich sprachlos.
Y: Sogar Du?!
23:37 R: Ja, das ist der füdleblutte Wahnsinn.
23:38 Y: Autsch, 7-0.
23:41 Hat so ein Stadion auch einen Hinterausgang für die Spieler?
So etwas wie einen Geheimausgang?
23:42 R: Sie müssen ja nochmals spielen, die armen Teufel.
Da könnten sie auch 11 Gürteltiere aufstellen.
23:43 Y: Ich sag nur: 1950, Uruguay.
R: Da bin ich zu jung.
23:44 Y: Aha, und ich nicht?!
Ich hab dafür ein gutes Gedächtnis!
23:45 R: Das ist auch was.
Y: Ja gäll. Ausser man ist grad Brasilianer. Dann möchte man jetzt ganz schnell vergessen.
23:46 R: Wohl wahr.
23:51 Verrückte Sache das.
Y: Das Ehrentor. Es sei ihnen gegönnt. Nett von Boateng.
23:53 Uff. Fertig. Bin ganz erschöpft.
Herzig, wie die Deutschen trösten.
R: Ja, fand ich auch.
23:55 Y: Ja, dann freuen wir uns auf Samstag!
R: Sonntag...
Samstag is' wurscht.
23:56 Y: Äh ja, Sonntag.
23:57 So viele Tränen... Darum der Regenwald!
00:00 R: Höhö.
Y: Gute Nacht!
R: Sleep well.

Von: Yvette Hettinger
Datum: Montag, 7. Juli 2014, 14.30 Uhr
An: Vogt, Reto
Betreff:Re: Es zählt doch nur eins...

Lieber Reto

Du glaubst also wirklich, ich hätte geweint, als unsere Jungs wieder nach Hause reisen mussten? Lass Dir gesagt sein: Ich habe in den letzten drei Wochen wesentlich mehr Männertränen gesehen und mehr kummervolle Männer- als Frauenmienen. Die Textnachricht «Ich versuche gerade, nicht zu weinen» kam letzten Dienstag von einem Freund. Und nein, es war nicht, weil das Bier alle war. Die Schweiz hatte gerade verloren.

Weisst Du was? Mir gefällt das. Ich mag es, wenn Männer Emotionen zeigen. Was mir hingegen auf den Geist geht: Wenn sie glauben, Fussballdiskussionen seien nichts fürs zarte Geschlecht. Kürzlich war ich in ein reizendes Gespräch mit zwei Männern verwickelt. Gute Stimmung, viel Gelächter. Bis das Thema Fussball aufkam. Zack, war ich Luft für die Herren der Schöpfung. Mein Kommentar zu der wundervollen Einlage Behramis jedenfalls verhallte ungehört. Dasselbe passiert mir manchmal auch im Büro (nein, ich nenne keine Namen!) oder zu Hause mit meinem Sohn. Vielleicht bin ich ja selber Schuld, weil mein Fussballfokus eher visueller als inhaltlicher Natur ist. Oder weil ich die Corner-Regel erst seit ein paar Wochen kenne und nicht immer ganz sattelfest bin, wenns ums Offside geht. Na und? Ist ein schönes Tor etwa weniger schön, weil ich nicht sofort erkannt habe, dass vorher eben KEIN Abseits war?

Da lob ich mir die Frauen von heute: Vor zwei Wochen traf ich eine meiner dienstältesten Freundinnen nach einem halben Jahr wieder. Wir hatten wahrlich genug damit zu tun, uns über unsere Leben aufzudatieren. Aber das erste Thema war: Der Match vom Vorabend. Oder dann letzten Freitag, ich gratulierte per SMS einer ehemaligen Arbeitskollegin zum Geburtstag. Sie antwortete: Falls Du morgen noch nichts vorhast, wir treffen uns um 17 Uhr zu Bier, Wurst und Fussball. Das einzige Mal übrigens, dass ich ein Spiel in einer Beiz geschaut habe, war logischerweise mit einer Freundin. Es wundert mich auch nicht, was ich heute in einer Pendlerzeitung lese: Sämtliche Werbung, die im Dunstkreis der WM geschaltet wird, ist auf männliche Konsumenten zugeschnitten.

Deshalb muss ich hier jetzt mal ein grosses Dankeschön an Dich loswerden, Reto: Ich finde es extrem fortschrittlich von Dir, Dich hier mit mir über die WM auszutauschen – auch wenn wir meist unterschiedlicher Meinung sind. Ausser wenns darum geht, wer Weltmeister wird, gäll.

Es grüsst
Frau Hettinger

Von: Reto Vogt
Datum: Freitag, 4. Juli 2014, 17.15 Uhr
An: Hettinger Yvette
Betreff:Es zählt doch nur eins...

Hossa Yvette

Schön, dass du wieder lachen kannst! Frauentränen trocknen amigs ziemlich schnell, wenn die nächsten strammen Wädli nur einen Fingertipp auf die Fernbedienung entfernt sind, nicht wahr? Wobei das Fussballerbeine-Herzaubern die letzten zwei Tage ja ausserordentlich schlecht funktioniert hat. Es fanden gar keine Spiele statt! War das für dich Horror oder hast doch noch eine andere Beschäftigung gefunden?

Ehrlich gesagt fand ich selbst die fussballlose Zeit doch etwas trist. Ganz unerwartet eigentlich. Aber jetzt, wo es gerade spannend geworden wäre, brauchen die Kicker erstmals eine Pause. Völlig unnötig. Das ist wie bei spannenden Krimis im Fernseher oder früher beim Lesen im Bett: Entweder kommen zweihundertdrölfzillionen Minuten Werbung oder Mamas Schlaf-jetzt-doppeltes-Ausrufezeichen. Beides im dümmsten Moment. Genau wie jetzt an der Weltmeisterschaft. Kurz vor dem Ende wird ebendieses hinausgezögert.

Wobei ich dieses Ende wohl anders interpretiere als du. Ich bin nicht flexibel und suche mir jeweils eine neue Mannschaft, wenn die Lieblinge die Segel streichen. Für mich ist jedes Turnier fertig, wenn die Schweiz und Deutschland ausgeschieden sind. Das erste hat sich ja traurigerweise bereits erledigt, das zweite folgt vielleicht schon heute Abend. Ich habe kein Flair für holländische, brasilianische, kolumbianische, französische, argentinische oder belgische Fussballer. Und für die aus Costa Rica ebensowenig.

Ich wüsste nicht, weshalb mich ein Sieg dieser Mannschaften interessieren oder gar freuen sollte. Abgesehen von ein paar ferientechnischen Besuchen habe ich zu keinem dieser Länder einen Bezug. Es gibt weder eine Verbundenheit durch irgendwelche entfernten Verwandten, noch überzeugt abgesehen vom belgischen Bier und von argentinischen Steaks das Kulinarische auf irgendeine Art und Weise. Und nein, bevor du mir die Geschlechterfrage um die Ohren haust, «beim Frauenfussball wäre das nicht anders!»

Zumindest nicht viel.

Teutonische Grüße, schließlich soll mein Ende noch ein bisschen warten.
Reto

Von: Yvette Hettinger
Datum: Donnerstag, 3. Juli 2014, 13.45 Uhr
An: Reto Vogt
Betreff:Re: Zum Leben zu wenig...

Lieber Reto

Grausam ist das richtige Wort für das letzte Spiel der Schweizer Nati. Traurig und bitter treffen es auch. Enttäuscht hingegen bin ich nicht, im Gegensatz zu vielen anderen. Mir tun nur unsere Jungs Leid. Sie haben so sehr gekämpft, wirklich schön gespielt (und dabei auch immer gut ausgesehen, muss auch mal gesagt sein) und niemals aufgegeben, bis zur letzten Sekunde. Dann haben sie einfach Pech gehabt. Ich verbeuge mich vor einer Mannschaft, die so diszipliniert, frisch und selbstbewusst aufgespielt hat, ohne jemals überheblich zu werden. Sie haben uns in den letzten zwei Wochen viel Freude geschenkt. Danke, Jungs!

Die Kehrseite dieser Freude: Es bleibt eine Leere. Welche Spiele gucke ich jetzt noch? Gucke ich überhaupt noch? Unsere Mannschaft ist draussen, die schönen Italiener ebenfalls und Mexiko mit dem süssen, heldenhaften Sandwichverkäufer Ochoa im Tor auch.

Aber nach dem Spiel ist vor dem Spiel, also lass uns nach vorne schauen, es gibt noch ein paar Dinge, auf die wir uns freuen dürfen:

- Deutsche Kampfsäue wie Schweinsteiger oder Neuer .
- Mertesacker im TV-Interview.
- Klose mit seinen posttoralen Saltos.
- Schweissglänzende Männernacken aller Couleurs.
- Der schnelle Arjen Robben im windschlüpfrigen Liibli.
- Weitere windschlüpfrige Liibli.
- Die Französische Mannschaft beim Singen der Marseillaise.
- Muskulöse Männerbeine in Action – und in Zeitlupe.
- Messi beim Toreschiessen.
- Messi bei der Passabgabe.
- Messi bei der Passannahme.
- Jogi Löw im Wet-Look.
- Das Fachsimpeln im Büro jeweils am Morgen danach.
- Dass wir Ronaldo mit seiner gegelten Haarpracht nicht mehr sehen müssen.
- Das kühle Blonde vor dem TV, noch ganze acht Spiele lang.

In dem Sinne ein fröhliches Prost
Yvette

Von: Reto Vogt
Datum: Mittwoch, 2. Juli 2014, 14.15 Uhr
An: Hettinger Yvette
Betreff:Zum Leben zu wenig...

Liebe Yvette

Fussball kann echt grausam sein, nicht wahr? Eines der besten Natispiele der letzten 20 Jahre nahm ein enorm bitteres Ende. Ich denke da nicht mal an das Tor – nein, das kann gegen eine Mannschaft mit Lionel Messi immer passieren. Das traurigste am gestrigen Abend war die Erkenntnis, dass mehr möglich gewesen wäre. Bloss eine leicht effizientere Chancenauswertung, ein leicht besserer Kopfball kurz vor Schluss, und ...

Aber lassen wir den Konjunktiv beiseite. Wenn Katzen Pferde wären, könnte man die Bäume hinaufreiten. Was haften bleibt ist ein hervorragender Eindruck, den die Mannschaft hinterlassen hat. Ein Vergleich mit dem letzten WM-Achtelfinale vor acht Jahren gegen die Ukraine ist hahnebüchen. Selbst Tag und Nacht sind sich ähnlicher als die beiden Spiele. Ottmar Hitzfeld hat im letzten Spiel seiner Karriere die optimale Taktik gefunden.

Leider ist ihm das in seiner Amtszeit nur sehr selten gelungen. Ich denke da an die gescheiterte Qualifikation für die Europameisterschaft 2012. Oder an das Ausscheiden nach der Vorrunde bei der Weltmeisterschaft 2010, das er allein zu verantworten hat. Ich denke ausserdem an total trümmlige Qualifikations– und Freundschaftsspiele wie die Heimniederlage gegen Luxemburg, ein 0-0 auf Malta, das Gewürge in Vaduz oder die Pleite gegen Rumänien.

Hitzfeld hat es nicht geschafft, seine Mannschaft auf vermeintlich kleine Gegner einzustellen. Nur gegen Topnationen zeigte die Nati ihr wirkliches Potential. Gegen Argentinien, Brasilien, Deutschland, England, Frankreich, Italien und Holland erreichte die Schweiz insgesamt drei Siege und vier Unentschieden bei nur vier Niederlagen. Eigentlich beeindruckend– nur macht diese Bilanz all' die Grottenkicks nicht vergessen.

Wie viel Schuld trägt die Mannschaft? Sind die Spieler nur bereit alles zu geben, wenn sie im grossen Schaufenster des europäischen Fussballs spielen, und so bei Topklubs auffallen können? Strengen Sie sich weniger an, wenn sie auf Malta um die goldene Ananas kicken? Ich befürchte es. Denn diese Mannschaft muss auch mit einem Trainer von Ex-Weltformat in der Lage sein, eine Qualifikation in einer enorm leichten Gruppe lockerflockig zu schaffen, und darüber hinaus noch in Qualispielen einen hervorragenden Eindruck zu hinterlassen.

Das Potential hat die Mannschaft, das wissen wir nicht erst seit gestern Abend. Und mit Vladimir Petkovic hat sie endlich wieder einen modernen Trainer, der ein modernes System spielen lässt. Eine Qualifikation für die Europameisterschaft in Frankreich 2016 ist das absolute Minimalziel. Ich erwarte auch überzeugende Auftritte gegen San Marino, Litauen und Estland... und die erstmalige Viertelfinalteilnahme.

Item, genug gejammert. Danke für dieses Spiel gegen Argentinien, Ottmar. Es ist das, was für immer in positiver Erinnerung bleibt. Vladimir, machs nicht gut, machs besser! Das dürfte dir nicht allzu schwer fallen ...

Gespannte Grüsse
Reto

Von: Yvette Hettinger
Datum: Dienstag, 1. Juli 2014, 14.15 Uhr
An: Vogt Reto
Betreff:Re: Schilbär und Co.

Olà Reto

Du hast ja keine Ahnung, was Du verpasst! Die Kommentatoren beim Schweizer Fernsehen sind Kult. Am meisten Freude macht mir Gilbert, die Frisur, Gress, den Du so liebevoll Schilbär nennst. Nicht, dass ich irgendetwas von dem verstehen würde, was er vor sich hin nuschelt. Aber Sätze wie «Die Fransosensindsähnärvös», «Mansche Spiele könne da ausm Rhythmus komm» oder «’Ört mal auf, so eine Scheiss rauszuschwatzen» klingen doch so charmant! Gut, gestern war es eine etwas gar geballte Ladung, zumal die belgische Goalie-Legende Jean-Marie Pfaff das Spiel mitanalysierte. Zuerst dachte ich ja «Oh, cool, jetzt haben sie Rod Stewart ins Studio geholt», doch dann öffnete Rod den Mund und sprach nicht Englisch, sondern – Kauderwelsch: «Die Eigenabwehr kommt unter Drück su stehen» und «Ich klaube dass die Hazard bei Belgien macht das au was Benzema jetzt mach.» Ähm... ja, alles klar.

Da lob ich mir die Analysen vom ehemaligen Fräulein Sutter, sind sie doch tadellos verständlich und mindestens so scharf wie sein heutiges Aussehen. Ebenfalls immer erhellend für mich: Der Schiedsrichterexperte Carlo Bertolini. Glasklare Erläuterungen, mit einem ungeheuer liebenswerten Akzent vorgetragen. Etwas weniger klar ist mir, warum Bertolini so weit weg von der Diskussionsrunde steht (und ja, eben nicht einmal sitzt), und zwar so, dass Hüppi und Salzgeber jeweils über ihre Schulter schreien müssen: «Das ist doch eine Frage für unseren Experten!». Da hilft es auch nicht, dass dieser Experte in fast jeder Runde wiederholt: «Der Schiedsrichter ist etwas zu weit weg.»

Ganz besonders liebe ich es übrigens, wenn diese weissen Pfeile und orangen Kreise auf die einzelnen Spielszenen gemalt werden. Sogar ich als bekennende Fussballbanausin sehe dann, warum die Abwehr nicht funktioniert hat oder weshalb die Sturmspitze nach der Halbzeit umgebaut werden sollte. Du siehst, Reto, ich lerne enorm viel dank SRF 2: Dass es so etwas wie Raum- oder Manndeckung gibt. Dass man Rasierschaum auch für anderes brauchen kann als zum Autoverschmieren. Dass die Offside-Regel keineswegs so einfach ist, wie ich dachte. Dass in Belgien weisse Socken immer noch salonfähig sind. Dass Andy Egli Stil hat: Er trägt lieber gar keine Socken als weisse.

Wie du richtig sagtest, macht zwar der Schilbär noch keinen Sommer, aber Randy Andys Füsse und Carlos Italianità eine gelungene WM-Übertragung.

Frohe Grüsse
Yvette

Von: Vogt Reto
Datum: Montag, 30. Juni 2014, 14.44 Uhr
An: Hettinger Yvette
Betreff:Schilbär und Co.

Hi Yvette

Endlich kommt etwas Leben in die Bude! Seit die mit ein paar Ausnahmen öden Gruppenspiele vorbei sind, gehts in Brasilien endlich um etwas: Top oder Flop, siegen oder fliegen, Jubel oder Tubel?! Die Spannung ist das Salz in der Suppe, wenn die Würze kein Herzblut sein kann. Denn mir ist es schlussament herzlich Wurscht, ob jetzt Frankreich gegen Nigeria weiterkommt oder Belgien gegen die Amis rausfliegt Solche Spiele sind nur dann sehenswert, wenn eine Mannschaft leidenschaftlich kämpft, Wille zeigt oder vermeintliche Favoriten knapp vor dem Ausscheiden stehen – Hauptsache es fällt mit Schlusspfiff eine Entscheidung.

Wenn ich den Fernseher einschalte, will ich den Ball rollen, den Schweiss tropfen und notfalls auch etwas Blut spritzen sehen. Leider fokussiert sich k(aum) eine TV-Station auf die 90 Minuten Fussball, sondern begleitet die schönste Nebensache der Welt mit Rundumberichterstattung, die langweiliger kaum sein könnte, und zu allem Elend oft auch noch länger dauert als das Spiel selbst. Phrasendreschende Spieler, orakelnde Experten, fehlerkorrigierende Ex-Schiedsrichter ... schlimmer geht’s kaum noch. Wenigstens tritt kein Blödelgärtner mehr auf wie vor einigen Jahren, aber ein grosser Trost ist das nicht. Solange im Studio Relikte aus den 70er-Jahren gilbertgressen dürfen, bleibt die Glotze bis zum Anpfiff aus.

Ich muss mir kein Spiel vor- und nachanalysieren lassen, um am nächsten Tag im Büro eine Meinung zu haben. Die kann ich mir schon selbst (ein)bilden. Auch die Erklärversuche von Kommentatoren, die zu jedem unpassenden Moment Statistiken von Spielern und Ländern herunterleiern können, gehen weit über die Grenze des Erträglichen hinaus. Wohl weil mittlerweile viele Zuschauer so denken wie ich, bieten Bezahlfernsehstationen die Option «Stadion-Ton» an. Sie ermöglicht es, die Atmosphäre im Stadion ins Wohnzimmer zu lassen und jegliches Gebrabbel der Erklärbären auszuschalten. Nur bringt das bei einer Weltmeisterschaft nichts, weil es da keine Atmosphäre gibt. Aber das Thema hatten wir ja schon... Item, ich behaupte nicht, dass ich besser kommentieren könnte. Aber zumindest schweigen könnte ich besser.

Stille Grüsse, auch an Schilbär
Reto

Von: Vogt Reto
Datum: Donnerstag, 26. Juni 2014, 12.19 Uhr
An: Hettinger Yvette
Betreff:Re: Stille Nacht

Hallo Yvette

Leider ist das so. In vielen Köpfen herrscht reines Schwarz-Weiss-Denken, was die Leistung der Schweizer angeht. Die Stimmung wechselte nach jedem der drei Gruppenspiele von «Wir kommen locker weiter», über «Die unfähigen Trottel fliegen am besten sofort heim», bis zum übergeschnappten «Wir werden Weltmeister!» Nüchtern betrachtet hat die Schweiz eine sehr ordentliche Gruppenphase gespielt. Schön, dass sie mit einem hohen Sieg gegen Honduras endete und die Mannschaft sich nach dem weniger guten Spiel gegen die Franzosen rehabilitieren konnte. Jetzt gilts, die Stimmung in ein schönes Achtelfinale mitzunehmen. Ein solches Spiel gegen Argentinien ist für alle Beteiligten ein einmaliges Erlebnis. Und wenn die Jungs mit etwas Risiko nach vorne spielen, liegt vielleicht sogar eine kleine Überraschung drin…

Schweigsam wars bei mir dagegen nicht. Kurz nach dem Schlusspfiff düsten zahlreiche Autos hupend durch Winterthur. Sie fuhren so schnell nach Spielende los, als hätten die Männer den letzten Schluck des Biers auf die 90. Minute getimt, fünf Minuten vorher Frau/Mutter/Sohnemann in die Garage geschickt, um die Karre schon mal anzuwärmen, damit sie sich pünktlich zum Schlusspfiff reinsetzen können. Völlig unnötig, sinnbefreit und total daneben! Mich stört nicht der Lärm, gewiss nicht. Aber ganz unabhängig von der erhöhten Belastung für die Natur frage ich mich schon, weshalb man seine Freude angetrunken, Auto fahrend und Fahne schwenkend kundtun muss?! Es war so gemütlich in der Beiz: frisches Bier, gemütliche Stimmung, sehr nette Begleitung. Bei jedem Tor ausgelassener Jubel und anschliessend ein Schluck aus dem grossen Glase, an dem man sich den Abend lang sicherheitshalber festhielt.

Alles andere ist für mich aufgesetzt. Ein versuchter Ausbruch aus dem Alltag, bevor man am nächsten Tag in der Firma wieder ein paar Schachteln falten muss (und dort selbstverständlich das Erlebte brühwarm erzählt – darum macht man es ja, nid wahr?!). Wer sich an der Weltmeisterschaft solche Freiheiten rausnimmt, ärgert sich meistens über andere, die das tun, wenn nicht per Zufall die Schweizer Nati gewonnen hat. Jeder Nati-Fan sollte sich hinter die Ohren schreiben, dass auch vor und nach einer WM Fussball gespielt wird und dass es in der Super League jedes Wochenende fünf Mannschaften gibt, die Siege feiern können. Auch die Fans dieser Teams haben es verdient, drei gewonnene Punkte ausgelassen zu feiern. Ich sehe keinen Grund, warum die Toleranzgrenze bei einem Länderspiel anders liegen sollte, als wenn zum Beispiel YB gegen GC gewinnt.

Genug der mahnenden Worte. Der Sieg wurde gefeiert und er wurde zu Recht gefeiert. Über die Art und Weise kann man sich streiten. Scheinbar ist es im Moment gross in Mode, sich in ein Gefährt zu setzen - ma foi! Aber dann dürfen das die Deutschen, Brasilianer, Holländer und Franzosen auch. Bitte, einfach nicht die Argentinier… Gäu, wenigstens dort sind wir uns einig?

Tolerante Grüsse
Reto

Von: Yvette Hettinger
Datum: Donnerstag, 26. Juni 2014, 12.19 Uhr
An: Vogt, Reto
Betreff:Stille Nacht

Lieber Reto

So, jetzt sagen sie alle nichts mehr, die Miesepeter. Das Shaqiri-Bashing nach der Schlappe gegen Frankreich? Vergessen. Das Prädikat «ungenügend» für die restliche Mannschaft? Vergangenheit. Die Hitze auf dem Feld in Manaus? Hat da Hitzfeld mal was gesagt? Nö, oder?

Und jetzt: Schweigen total! Jedenfalls bei mir zu Hause. Einen einsamen Feuerwerkböller irgendwo draussen in der Nacht habe ich gestern Nacht vernommen, und das nach dem grandiosen 3-0 gegen Honduras! Ansonsten: Nichts. Keine Autohupen, kein Geklatsche aus offenen Fenstern, keine feiernden Nachbarn. Ehrlich gesagt, die plötzliche Stille nach dem Ausschalten des Fernsehers hat mich ein wenig einsam mit meiner Freude zurückgelassen.

Wo sind wir da eigentlich? Vermutlich bin ich umzingelt von Expats, die allesamt auf die USA, Deutschland oder Holland setzen. Die einzigen Lebenszeichen kamen während des Spiels von einem Freund, einem England-Franzosen, der seit zehn (in Worten zehn!) Jahren in der Schweiz lebt. Seine WhatsApp-Meldungen hatten sinngemäss den Inhalt: «Ich glaube, mein Handy spinnt, es sagt, die Schweiz führt 1-0.» Dann: «Shaqiri... ein urschweizerisches Geschlecht, oder?» und, nach der Aktion Mehmedi–Inler-Drmic-Shaqiri-Goal: «Ein Interessanter genetischer Cocktail, die Schweizer Mannschaft!». Ja, ja, schon gut, Mitfreuen klingt anders.

Zum Glück ist kurz nach Mitternacht mein Sohn vom Public Viewing nach Hause gekommen. Etwas aufgedreht, das T-Shirt nass vom Bier, das ein (anderer!), ausgeflippter Fan verschüttet hatte, das Gesicht mit roten und weissen Streifen beschmiert. Selten hat mich ein leicht derangiertes Aussehen so getröstet.

Ich hoffe, Du hast den Schweizer Triumph nicht gar so alleine geniessen müssen wie ich, Reto. Sag mir bitte, dass Du einer Beiz warst, in der die Erde gebebt hat! Dass Alkohol und Tränen in Strömen geflossen sind und Du die ganze Nacht kein Auge zugetan hast wegen dem Lärm auf der Strasse. Sag mir, dass doch noch eine Handvoll Schweizer sich gefreut hat gestern Nacht.

Bange Grüsse

Yvette

Von: Vogt Reto
Datum: Montag, 23. Juni 2014, 17.58 Uhr
An: Hettinger Yvette
Betreff:Re: Hauptsache Fan

Servus Yvette

Gewiss, gewiss. Sobald eine Fussball-Weltmeisterschaft läuft, ist in jedem Land die Begeisterung für den schönen Sport zu spüren. Nur schade, dass man sie nur alle zwei Jahre während drei bis vier Wochen spürt. Zwischen den Turnieren wird über die Fans geschimpft und Stadien werden zu den gefährlichsten Orten des Landes hochstilisiert – dabei passiert an jedem Spieltag in der Super-League-Saison nichts anderes als an einer Weltmeisterschaft: Menschen freuen sich auf das bevorstehende Fussballspiel. Einzelne überborden dabei zwar etwas, aber die wirklich gefährlichen Situationen im Rahmen eines Sportanlasses der letzten zehn Jahre lassen sich an einer Hand abzählen.

Ich kann mich nicht so recht mit den fahnenbehangenen Balkonen und den eingepackten Aussenspiegeln anfreunden. Für mich sind solche Aktionen aufgesetzt und künstlich. Authentische Fans von Nationalmannschaften gibt’s bei Weltmeisterschaften kaum. Wer sich dazuzählen will, sollte mindestens die Qualifikationsspiele seiner Mannschaft gesehen haben - die Heimspiele im Stadion oder noch besser: zu Auswärtsspielen reisen. Doch selbst bei Matches in der Schweiz lassen sich kaum regelmässige Stadionbesucher blicken: Es fehlt die Atmosphäre in den Stadien, wie sie Wochenende für Wochenende während der nationalen Meisterschaft zu sehen und zu hören ist. Nein, Kuhkostüm, angepinselte Backen und eine umgehängte Kuhglocke sind nicht das, was ich meine.

Deshalb meide ich nicht nur die Stadien, wenn die Schweiz daheim ihre Qualifikationsspiele austrägt. Auch während dem Turnier trifft man mich nie in einer organisierten Rudelguckveranstaltung (a.k.a. Public Viewing). Ich geniesse es vielmehr, mit Freunden die Beiz meines Vertrauens aufzusuchen, mich in die Nähe meines Lieblingstiers, dem Zapfhahn, zu setzen und nüssliknabbernd ein oder zwei Spiele anzusehen. Und selbstverständlich bleibt der Balkon unbehangen, der Autospiegel flaggenfrei und die Backen höchstens mit Barthaar statt mit Farbe überdeckt.

Aber du hattest in einem Punkt recht: Ich drücke seit über 20 Jahren der deutschen Nationalmannschaft die Daumen, freue und ärgere mich jedoch auch, wenn die Schweizer Nati gewinnt oder halt von Frankreich gedemütigt wird. Immerhin hatte diese Niederlage auch etwas Gutes: Sie verunmöglicht das Aufeinandertreffen der beiden Länder! So muss ich mich nicht auf eine Seite schlagen, weil für beide spätestens im Halbfinale Schluss ist. So kann mich am Finalwochenende in eine lauschige Berghütte ohne Fernseher zurückziehen, wenn die Franzosen gegen Argentinien gewinnen.

Vorausschauende Grüsse
Reto

Von: Yvette Hettinger
Datum: Montag, 23. Juni 2014, 10.25 Uhr
An: Vogt Reto
Betreff:Hauptsache Fan

Lieber Reto

Hast Du gewusst, dass die Schweiz eine totale Fussball-Nation ist? Als ich vor ein paar Tagen mit einer amerikanischstämmigen Freundin telefonierte, verstand ich kaum ein Wort von dem, was sie sagte. Es lag nicht an ihrer Aussprache. Im Hintergrund herrschte ein Höllenlärm. «Mein Sohn guckt mit Freunden Fussball», schrie die Freundin in den Apparat. «Für wen sind sie denn?», fragte ich und überlegte, welches Spiel gerade lief. Holland-Australien? Russland gegen Südkorea? «Keine Ahnung, egal», rief sie. Das sei sowieso cool in ihrem Haus, irgend jemand habe immer etwas zu feiern. Die unten seien für Italien, jene im Parterre für Frankreich, mehrere Nachbarn für England und natürlich alle auch für die Schweiz, irgendwie. Ich staunte, hatte ich doch gar nicht gewusst, dass die Gute in einem Haus voller Fussballfans lebt.

Egal, Hauptsache Fan, finde ich. Farbe bekennen ist angesagt und macht Spass. An biederen Hausfassaden wehen plötzlich gigantische Schweizerfahnen. Autos werden mit Wimpeln und Aussenspiegelparisern dekoriert: Links Schweizerkreuz, rechts die Bandiera. Auch im Schrebergarten (wo Fussbälle normalerweise mit Argwohn betrachtet werden), knattern noch mehr bunte Fahnen im Wind als ohnehin schon. Sogar mein Sohn – unerschütterlicher GC-Fan – bedauerte leicht, dass er kein Schwiizerliibli besitzt, als er mit Freunden zum Public Viewing Schweiz-Ecuador ging. Letzten Freitag ortete ich übrigens, spät nachts und rein akustisch, irgendwo südöstlich meiner Wohnung eine Deutschland-Kolonie.

Mir gefällt das. Die Menschen haben endlich wieder etwas, für das sie sich begeistern können. Mitfiebern, mitfreuen, mitleiden: Das verbindet (und gemeinsam den Schiri verfluchen auch). Besonders praktisch, wenn man gleich mehrere Favoriten hat. Dann hängt plötzlich da ein Schweizerkreuz, wo kurz vorher noch die spanische Flagge wehte – was dann eher wenig mit einer plötzlichen Einbürgerung zu tun hat. Kameruner mutieren über Nacht plötzlich zu Deutschen – was mir eine ordentliche genetische Herausforderung zu sein scheint.

Wie hältst Du es eigentlich, Reto, unsterblicher Bundesliga-Fan und Bayern München verfallen? Trägst Du für die Spiele ein weisses Tischi mit Gelb-Schwarz-Rot? Immerhin kommst Du so vermutlich viele Turniertage lang mit dem gleichen Shirt aus. Bei mir hingegen wird’s etwas schwieriger. Ich setze eigentlich auf die Schweizer. Gut, sollten die Eidgenossen wider Erwarten schon bald draussen sein , kann ich mich ersatzweise auch für Italien erwärmen. Vielleicht leiht mir mein Sohn dann eines seiner dunkelblauen Shirts mit den vier goldenen Sternen. Er ist nämlich «eigentlich» für die Azzurri –was ich verstehe, zumal in seinen Adern tatsächlich auch italienisches Blut fliesst. Ich hingegen bin wie viele andere ein klarer Fall von «das Fähnlein in den Wind hängen.»

Mit bunten WM-Grüssen
Yvette

Von: Yvette Hettinger
Datum: Donnerstag, 19. Juni 2014, 8.37 Uhr
An: Vogt Reto
Betreff: Re: Schiris... :'-(

Hallo Reto

Ich kanns nicht mehr hören, das Gedönse über Schiedsrichter. Spielt eine Mannschaft lausig? Der Schiri ist Schuld. Stolpert ein Fussballer über die eigenen Füsse? Der Schiri wars. Ist der Stürmer schlicht eine lahme Ente? Kann nur am Schiri liegen. Warum geben wir nicht einfach generell den Schiris Schuld an jedem einzelnen Goal, das geschossen wird? Und gleich auch an jedem, das nicht geschossen wird?

Hast Du zufällig Mexiko gegen Brasilien gesehen? Natürlich hast Du. Tadellose Schiri-Leistung, oder? Fair, klar und erst noch mit einer Prise Humor. Ich behaupte: So machen die meisten Unparteiischen ihren Job. Kaum leistet sich einer einen auch nur ansatzweise zweifelhaften Entscheid – sagen wir, Gelbe Karte für eine gut gemachte Schwalbe – geht das Geschrei los. Unerträglich.

Hast Du eine Ahnung, wie viele FCs der Schweiz händeringend Schiedsrichter suchen? Hier nur eine kleine Auswahl, in zwei Minuten gegoogelt: «Der FC Länggasse sucht Sportler, die sich als Fussballschiedsrichter ausbilden möchten oder bereits Schiedsrichter sind.» «Der FC Muri sucht dringend Fussball-Schiedsrichter. Deine Chance, eine persönliche Herausforderung zu finden!» Besonders verzweifelt: Der FC Ueberstorf. Er wirbt mit einer ganzen Auflistung von Vorteilen des Schiedsrichterjobs, von der Fitness über die Verantwortung bis zur Karriere, die Mann, oder auch Frau, machen kann. Herausforderung, Verantwortung, Karriere, ich bitte Dich! Tatsache ist: Keiner will den Schiri machen. Und ich kann Dir sagen, wieso. Kürzlich bei einem Spiel meines Sohnes: 22 Jungs und ein Schiedsrichter rackern sich in der nachmittäglichen Hitze ab. Im Schatten am Spielfeldrand: Die Väter – Bierbäuchlein, Zigarette, laute Stimme. Ihr Lieblingssatz: «Hei Schiri, bisch blind?». Wahlweise auch «Nei, das glaub ich nöd, so ne Pfiiffe, de Schiri!». Anstand klingt anders. Sportlichkeit sieht auch anders aus. Aber besonders tragisch: Die nächste Generation, die so am Fussballfeld steht, sind die Söhne dieser Väter. Der Schiri wird immer die Arschkarte haben, egal ob im Club oder an der WM.

Auch was die elektronischen Entscheidungshilfen angeht, bin ich gar nicht Deiner Meinung. Es ist nun mal so, dass bei Grossanlässen Millionen Augen in Sekundenbruchteilen einen Schiri-Entscheid überprüfen können. Warum sollen wir uns das nicht zunutze machen? Schreibst Du als Digital Native etwa noch Briefe von Hand, nur weils so schön nach Amateur aussieht?

Sportliche Grüsse

Yvette

Von: Vogt Reto
Datum: Mittwoch, 18. Juni 2014 08:06
An: Hettinger Yvette
Betreff: Schiris... :'-(

Sälü Yvette

Wahre Worte hast du gewählt. Auch ich «fante» am Sonntag mit der Nati mit! Teufelskerl Behrami riss mich mit seiner beherzten Intervention vom Stuhl und Seferovics Tor liess nicht nur das Herz, sondern den ganzen Buben hüpfen. Aber ich muss den Mahnfinger heben und den Miesepeter spielen! Trotz der grossen Freude ob des Last-Minute-Erfolgs ist grenzenlose Euphorie gefährlich. Die Nati ist nach einem Erfolgserlebnis zu oft auf den harten Boden der Tatsachen zurückgeholt worden. Schnappt sich das Team aus den beiden verbleibenden Spielen keine vier Punkte, wird’s knapp mit dem Weiterkommen…

Dass schon beim ersten Spiel gegen die Latinos gezittert werden musste, lag wieder einmal an den unsäglichen Schiedsrichtern. Was habe ich mich aufgeregt! Das sah ja ein Blinder mit Krückstock, dass der Ball nicht von Xhaka, sondern einem Ecuadorianer zu Mehmedi kam. Stärnetonner! Und darauf ein kühles Blondes, um den Ärger runterzuspülen ... Aber Leidtragende sind bei diesem noch sehr jungen Turnier nicht nur wir Schweizer, auch die Kroaten und die gestern Abend wacker kämpfenden Mexikaner dürfen sich nerven.

Es ist doch bei jeder WM dasselbe: Statt auf Champions-League-Erfahrene Unparteiische zu setzen, lässt die Fifa auch Asiaten, Südamerikaner und Afrikaner pfeifen. Die armen Teufel können ja nicht 'mal etwas dafür: Sind sie doch bloss langsames Kugelgeschiebe auf mehrbesseren Kuhweiden aus der Heimat gewöhnt, denn schnellen Tempofussball von Spitzenkickern.

Aber egal wem ich mein Leid mit den Schiedsrichtern klage, die Antwort ist immer dieselbe: «Es sind doch so viele Kameras im Stadion, die könnten den Schiedsrichtern helfen!» Nein, nein und nochmals nein! Der vollumfängliche Videobeweis bei Penalty- und Offsideentscheiden, Roten Karten und weiteren möglichen und unmöglichen Entscheiden ist nicht umsetzbar. Angenommen der Schiedsrichter gibt einen Elfmeter und findet danach dank Video heraus, dass es keiner war: Wie wird das Spiel aufgenommen? Es gibt keine Lösung. Was passiert, wenn der Schiedsrichter Abseits gibt, obwohl es laut Kamerabildern keins war? Die Regel für eine Spielaufnahme fehlt. Und das ist auch gut so! Der Fussball wurde so populär, weil das Spiel überall auf der Welt, von Weltmeisterschaft bis 5. Liga, dasselbe ist: 22 Spieler, 17 Regeln, 1 Ball – los geht’s!

Der Fussball wird nicht mehr mein Fussball sein, wenn er für Profis ein anderer ist, als für Amateure. Zudem würde an den Stammtischen dieser Welt etwas ganz Wichtiges fehlen, wenn Fussballspiele plötzlich fehlerfrei geleitet werden sollten.

Fussballromantische Grüsse
Reto

Von: Yvette Hettinger
Datum: Montag, 16. Juni 2014 09:08
An: Reto Vogt
Betreff: Vorfreude?!

Lieber Reto

Vorfreude? Nein, Freude herrscht! Die Schweiz gewinnt ihr erstes WM-Spiel! Ausserdem: Der Sensationssieg Hollands gegen den amtierenden Weltmeister. Und Italien bodigt England («ähm, wer häts erfunde, s'Fussballspile?»). Es ist der Triumph der Zurückhaltenden (Schweizer) über die Lauten (Ecuadorianer), der Schönen (Italiener) über die Blassen (Engländer), der frechen T-Shirts (Robben) über das ewiggleiche Tiki-Taka der Champions (Spanier). Kann ein Turnierauftakt besser sein? Für mich nicht.

Weisst Du, ein Spiel der Schweizer Nati ist für mich immer ein bisschen wie ein Match meines Sohnes, der aktiver B-Junior im Lokalclub ist. Ich leide, fiebere und juble bei beiden genau gleich mit . Das Eins zu Null gestern für Ecuador hat mich ebenso zusammenzucken lassen wie die Niederlage unseres Clubs am letzten Samstag Nachmittag. Und tatsächlich wäre ich am Ende des Spiels auch am liebsten zum Ottmar hingegangen, um ihm auf die Schulter zu klopfen und zu sagen: «Hasch guut gmacht, Ottmar, es war es guutes Spiil. Wiitr so!»
Als Fussballermutter sehe ich aber auch: Bei Inler sitzt das Liibli etwas gar straff. Bei Stocker auch – ganz zu schweigen von Djourou. Gopf, welche der Mütter hat diesmal die Tenues gewaschen? 60 Grad gewählt statt 40? Oder machen die jetzt alle einen auf Robben?

Aber zurück auf die grosse Bühne und zu Deiner Frage: Nein, es ist nicht das kühle Blonde, das mich vor den TV lockt, es sind Fussballer wie die heissblütigen Azzurri. Es sind die Laolas, die durchs laute Stadion wogen, akrobatische Einlagen wie jene von Behrami und Jubelszenen wie die um Seferovic, nachdem er das Spiel in allerletzter Sekunde gerettet hat. Rührend übrigens, dass er das Goal seinem Vater widmete, der gestern Geburtstag hatte. Das erinnert mich an die letzte WM. Auf den Tag genau vor vier Jahren schlug die Schweiz den späteren Weltmeister Spanien. Es war ein Geburtstagsgeschenk für mich.

Liebe Grüsse
Yvette


Von: Vogt Reto
Datum: Sonntag, 15. Juni 2014 16:33
An: Hettinger Yvette
Betreff: Vorfreude?!

Huhu Yvette,

Das Turnier hat endlich begonnen. Phu! Ganz schön nervenaufreibend die ersten Spiele, gäu? Trotzdem will die Vorfreude auf grosse Ereignisse bei mir noch nicht so recht aufkommen. Diese grossen Turniere sind mittlerweile zu einem grossen Eintopf geworden, bei dem sich je nach Austragungsort nur noch die Zutaten verändern. Abgesehen vom Gaumenschmaus vor Ort gleicht jede Weltmeisterschaft der anderen … Wobei ja nicht mal mehr das stimmt! Wer in den letzten Jahren nach Deutschland, Südafrika und jetzt eben nach diesem Brasilien pilgerte, muss sich mit der Sponsorenplörre begnügen.

Ich gebe ja zu, dass das WM-Feeling speziell ist, und da das Turnier nur alle vier Jahre stattfindet, es auch sportlich eine hohe Bedeutung hat. Aber nach einer langen und anstrengenden Saison mit meinem Verein, den ich unter anderem nach Berlin, Bremen, Dortmund, Hamburg, London, Pilsen, Prag, Moskau und Marrakech begleitete, wäre ich echt mal froh um eine Pause. Das war ganz schön anstrengend, weisst Du. Aber es hilft ja nichts: Fussball ist immer noch wichtig! Und wenn die Sonne scheint und meine Stammbeiz mit dem Lieblingszapfhahn lockt, sitze auch ich gebannt vor der Glotze… Wie hast du die ersten Spiele erlebt? Lockt dich auch das kühle Blonde vor den Fernseher oder gibt's etwa noch andere Gründe?

Bis bald,
Reto

P.S.: Und Sie, liebe Leserinnen und Leser: Verfolgen Sie die WM weil Sie am nächsten Tag im Büro mitreden wollen? Aus ganz anderen Gründen oder etwa gar nicht?


Von: Yvette Hettinger
Datum: Freitag, 13. Juni 2014
An: Reto Vogt
Betreff: Eröffnungsfeier

Lieber Reto

Es geht doch nicht um lustig oder nützlich, Reto! Es geht um Emotionen! Deshalb lass ich mir solche Eröffnungsshows nie entgehen. Mann muss sich doch irgendwie auf den Ausnahmezustand, dem wir uns in den nächsten vier Wochen hingeben, einstimmen. Besonders gern zieh ich mir auch diese Zusammenschnitte von vergangenen, denkwürdigen Momenten rein, wie sie das Schweizer Fernsehen auch dieses Mal liebevoll aus alten WM-Aufnahmen zusammengebastelt hat. Was für Bilder! Der Jubel von Georges Bregy 1994. Fussballer mit Vokuhila-Frisuren, hochgeschnittenen Shorts und Besenschnäuzen. Das Wunder von Bern in Schwarz-Weiss. Und Brasiliens Trauer, als es 1950 gegen Uruguay zu Hause verliert: Hast Du etwa schon mal sorgfältig frisierte Damen mit hochgeschlossenen Blusen und Perlohrringen im Fussballstadion weinen gesehen? Eben. Gern verdrück ich bei solchen Gelegenheiten selber auch das eine oder andere Tränchen der Rührung.

Gut, gestern war ich nah dran, auch ein paar Lachtränen zu vergiessen, wenn ich ehrlich bin. Die herumstaksenden Bäume und die in Schönheit sterbenden lilafarbenen Feen waren etwas gar komisch. Der Sinn der Leuchtkugel in der Mitte hat sich mir bis kurz vor Schluss der Show nicht erschlossen. Und das allgemeine Gewusel, Getrommel und Getanze war eher chaotisch als grosser Big Bang. Ich gebs ja zu. Die herumhüpfende J. Lo und ihre beiden Mitkämpfer habens auch nicht wirklich besser gemacht, und ich bin bis jetzt nicht sicher: War es schade oder eine Gnade, dass das WM-Lied aus irgendwelchen technischen Gründen nicht richtig zu hören war?

Wie auch immer. Die WM ist eröffnet. Die Spiele können beginnen. Den Eröffnungsmatch allerdings hab ich mir meinerseits gleich mal geschenkt. Jetzt freue ich mich auf schöne Italiener, elegante Pässe, exakt erzielte Tore. Und auf die Spiele der Schweizer! Denn erst wenn unsere Jungs ins Rennen geschickt werden, fiebere ich so richtig mit. Dann gehts für mich wieder um Emotionen.

Liebe Grüsse
Yvette

Von: Vogt Reto
Datum: Donnerstag, 12. Juni 2014 11:28
An: Hettinger Yvette
Betreff: Eröffnungsfeier

Liebe Yvette

Bald ist es wieder so weit, und Hunderte von lustig verkleideten Menschen dürfen vor dem Anpfiff des Eröffnungsspiels Brasilien - Kroatien auf dem heiligen Rasen des Stadions in São Paulo rumturnen. Was für ein Schauspiel! Nicht. Vor jedem grossen Turnier muss ein hoch bezahlter Choreograf eine sündhaft teure Show inszenieren, um den Event feierlich zu eröffnen. Das ist immer der richtige Zeitpunkt, um nochmals die Toilette aufzusuchen, für Getränkenachschub zu sorgen und die schon leicht angekohlte Wurst auf dem Grill zu wenden. Eröffnungsshows sind nie unterhaltsam, nie lustig, nie nützlich. Lasst es einfach, Freunde! Die Mannschaften sollen einlaufen, meinetwegen kann noch jemand, der sich für wichtig hält (Sepp Blatter), eine Eröffnungsrede schwingen, dann aber los: Nationalhymne, Anpfiff, Anstoss. Ich werde mir die mit Sicherheit total öde Tanzeinlage, die eh nur das saftige Grün beschädigt, schenken und stattdessen noch schnell unser Tippspiel ausfüllen. Schliesslich will ich dort die Nase vorn haben! Kannst Du mir sagen, Yvette, warum Du Dir diesen Eröffnungsmist antust?

Liebe Grüsse
Reto

P.S.: Wie halten Sie es, liebe Leserinnen und Leser? Gönnen Sie sich die Eröffnungsfeier? Stimmen Sie ab oder hinterlassen Sie unten auf der Seite einen Kommentar!

Autor: Yvette Hettinger, Reto Vogt