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19. März 2012

«Wir tun das für die Velofahrer»

Die Velovignette ist tot, es lebe die Vignette – jene des Systems Velofinder. Dank ihr sollen mehr gestohlene Velos zu ihren Besitzern zurückfinden.

So wirbt Velplus auf ihrer Homepage für die neue Velofinder-Vignette.
Oliver Lutz (26), Projektleiter von Velofinder.
Oliver Lutz (26), Projektleiter von Velofinder.

Oliver Lutz ist Projektleiter von Velofinder und Social-Media-Verantwortlicher beim Velozubehörhändler Veloplus. Mit der neuen Vignette will er etwas für die Velo-Community tun.

Oliver Lutz, Mitte Februar hat Veloplus die Velofinder-Vignette lanciert. Wie viele Velos tragen den Aufkleber schon?

Etwa 2000. Das entspricht unseren Erwartungen. Sobald es wärmer wird, wird das Interesse am Velofinder wachsen.

Mit dem Kauf Ihrer Vignette kann jemand sein Velo auf www.velofinder.ch registrieren. Wird das Velo gestohlen, kann man das online mit einer Statusmeldung angeben. Damit das System funktioniert, müssen möglichst viele Menschen Polizist spielen. Sie müssen herrenlose Drahtesel daraufhin überprüfen, ob sie eine Vignette tragen und falls ja den Code mit einem Smartphone einscannen und den Fund online melden. Doch wer macht das schon?

Gestohlene Velos stehen oft tagelang nicht abgeschlossen irgendwo herum, in einem Hinterhof etwa. Ein Hausabwart wird dann gerne den Velofinder einsetzen. Wir hoffen auch auf das Gemeinschaftsgefühl der Velo-Community. Schliesslich ist jeder froh, wenn sein geklautes Zweirad plötzlich irgendwo wieder auftaucht. Übrigens braucht der Finder kein Handy. Er kann den Code eines Velos auch einfach notieren und online nachsehen, ob das Fahrrad Diebesgut ist.

Wie kommt das Velo dann wieder zu seinem rechtmässigen Halter?

Wird es online als gefunden gemeldet, bekommt der Besitzer eine Meldung und erfährt auch gleich den Standort des Bikes.

Was habe ich davon, wenn ich jemandem sein geklautes Zweirad wieder beschaffe?

Ein gutes Gefühl und vielleicht einen Finderlohn. Wir stellen dazu keine Regeln auf, aber wir entwickeln ein internes Punktesystem: Wer oft Velos findet, kann sich sozusagen vom Hilfspolizisten zum Sherlock Holmes hocharbeiten.

Gemäss Schätzungen des Velo-Dachverbandes Pro Velo werden in der Schweiz jährlich rund 40'000 Velos als gestohlen gemeldet. Wollen Sie alle diese Fälle aufklären?

Bisher konnte die Polizei etwa zwei bis drei Prozent dieser Fälle aufklären. Diese Quote wollen wir massiv erhöhen.

Vermutlich werden weitere 60'000 Fahrräder gestohlen, aber nicht gemeldet. Wollen die Besitzer diese Bikes überhaupt wiederhaben?

Tatsächlich sammelt die Polizei viele herrenlose Velos ein, die dann bei ihr im Keller herumstehen, weil man die Besitzer nicht kennt. Aber viele Fahrer hängen an ihren Velos und möchten sie wiederhaben. Für sie gibt es den Velofinder.

Arbeitet die Polizei mit Ihnen zusammen?

Das ist längerfristig das Ziel, zumal beide Seiten daran interessiert sind.

Gemäss einem Artikel im «Tages-Anzeiger» hat Veloplus 250'000 Franken in den Velofinder investiert. Bei einem Preis von neun Franken pro Vignette müssen Sie 28'000 Stück verkaufen, um das reinzuholen.

Diese Zahlen kommentiere ich nicht. Es geht nicht um den Gewinn. Wir tun das für die Velofahrer.

Das nehme ich Ihnen nicht ab.

Natürlich steht auf den Velofinder-Flyern Veloplus, und die Homepage hat einen Link zu uns. Als Werbeplattform ist das Projekt aber nicht gedacht.

Wurde Ihnen schon oft das Velo gestohlen, dass Sie den Velofinder entwickelten?

Mir wurden schon zwei Velos gestohlen. Das Projekt Velofinder liegt aber bei Veloplus schon seit drei Jahren vor. Weil die offizielle Vignette abgeschafft wurde, haben wir es nun im Team umgesetzt.

Autor: Yvette Hettinger