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11. Juni 2012

5 Fragen: «Wir sind für die Helmpflicht»

Bundesrat und Ständerat forderten, Kinder bis 14 Jahre sollten beim Velofahren einen Helm tragen, der Nationalrat jedoch lehnte das Obligatorium ab. Was ist sinnvoller, Pflicht oder Eigenverantwortung? Die Expertin für Unfallverhütung antwortet.

Esther Walter, wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Abteilung Forschung bei der bfu
Esther Walter (44) ist wissenschaft
liche Mitarbeiterin in der Abteilung Forschung bei der Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu).

1. Esther Walter, der Nationalrat stellt sich gegen die Forderung des Bundes- und Ständerats nach einer Helmpflicht für Kinder. Was sagt die Beratungsstelle für Unfallverhütung?

Wir bedauern es. Die bfu ist für die Helmpflicht. Bereits heute tragen zwei Drittel aller Kinder einen Velohelm. Eine noch höhere Tragequote lässt sich nur durch ein Obligatorium erwirken, denn bei Kindern kann noch nicht auf Eigenverantwortung gesetzt werden.

2. Wie können Eltern die Sicherheit für velofahrende Kinder verbessern?

Kinder sollten frühzeitig in ihrer Motorik gefördert werden, damit sie die Grundfertigkeiten des Velofahrens gut erlernen. Regelmässiges Velofahren hilft, Sicherheit zu gewinnen. Bis etwa zu ihrem achten Geburtstag sollten Kinder aber von einer verantwortungsbewussten Person begleitet werden. Grelle und bei Dämmerung reflektierende Kleidung erhöht zudem die Erkennbarkeit.

3. Hilft es, wenn Eltern als Vorbilder ebenfalls einen Helm tragen?

Ja. Kinder lernen vieles durch Beobachten. In der Entwicklungspsychologie nennt man dies «Lernen am Modell». Wenn die Eltern den Helm auch tragen, gibt es weniger Diskussionen. Das Helmtragen wird wie das Angurten im Auto zu einer nicht verhandelbaren Selbstverständlichkeit.

4. Was gilt es beim Kauf eines Kindervelohelms zu beachten?

Auf dem Schweizer Markt erhältliche Velohelme müssen alle die europäische Norm EN-1078 erfüllen. Eltern brauchen sich diesbezüglich also keine grossen Sorgen zu machen. Viel wichtiger ist es, dass der Helm dem Kind gut passt, die Bändel von einer Fachperson richtig eingestellt werden und dem Kind der Helm auch gefällt. Das Kind sollte daher beim Kauf dabei sein. Da Helme Gebrauchsgegenstände sind, wird empfohlen, sie nach fünf Jahren zu ersetzen.

5. Können Kinder den Velohelm auch für den Spielplatz brauchen, zum Beispiel auf der Kletterburg oder beim Inlineskaten?

Auf dem Spielplatz, insbesondere auf der Kletterburg, sollte der Velohelm ausgezogen werden. Es besteht die Gefahr des Strangulierens, wenn das Kind mit dem Kopf hängen bleibt und sich der Verschluss nicht öffnet. Beim Inlineskaten oder Schlittschuhlaufen ist der Velohelm eine gute Wahl.

Der Artikel in der Berner Zeitung vom 1. Juni 2012
Der Artikel in der Berner Zeitung vom 1. Juni 2012

DIE QUELLE
Den ganzen Artikel der Berner Zeitungin der Online-Version vom 31. Mai 2012 finden Sie hier .

Autor: Thomas Vogel