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16. Juli 2012

«Wir hoffen, dass Evans hier und da konkrete Reisepläne auslöst»

Der amerikanische «National Geographic» Reiseblogger Andrew Evans bereist zurzeit die Schweiz. Seine Texte sind glaubwürdiger und effektiver als jeder Werbespot, sagt Alex Herrmann, Direktor von Schweiz Tourismus in New York.

Alex Herrmann
Alex Herrmann ist Direktor von Schweiz Tourismus in New York. (Bild: Photopress/Alessandro Della Bella)

Alex Herrmann, Sie waren an der Organisation von Andrew Evans’ Reise mitbeteiligt. Was erhoffen Sie sich von seinen Texten?

Evans beschreibt sich selbst als Travel Writer, für den die persönlichen Geschichten im Mittelpunkt stehen. Wir erhoffen uns von seinem Einsatz, dass er den Lesern die Schweiz auf einer persönlicheren Ebene schmackhaft macht und auch hier und da konkrete Reisepläne auslöst. Wenn Evans twittert, die Schweiz sehe aus wie ein Märchenland, oder beschreibt, wie ausgezeichnet unsere öffentlichen Verkehrsmittel funktionieren, ist das glaubwürdiger und effektiver als jeder Werbespot oder jedes Marketingdokument von Schweiz Tourismus.

Haben Sie schon Reaktionen auf seine Beiträge erhalten?

Die Reaktionen sind zahlreich und positiv: Seine Texte werden intensiv kommentiert, «geliked», und weiterverbreitet, es werden ihm Fragen gestellt und Tipps gegeben. Für eine umfassende Bilanz ist es aber noch zu früh, er ist ja noch immer unterwegs.

Wie entwickelt sich das Geschäft mit den US-Touristen?

Im Schnitt checken jährlich rund 700'000 Amerikanerinnen und Amerikaner in einem Hotel in der Schweiz ein, 300'000 weitere logieren in Ferienwohnungen oder Privatunterkünften. Vor 20 Jahren waren es noch deutlich mehr, seither sind allerdings viele zusätzliche Konkurrenzdestinationen entstanden. Zudem hat der Dollar stark an Wert verloren, die Schweiz ist also teurer geworden. Dennoch erwarten wir für die nächsten Jahre ein Wachstum von fünf bis zehn Prozent.

Wie wichtig sind die Amerikaner für den Schweizer Tourismus?

Sie sind der drittwichtigste Herkunftsmarkt für die Schweizer Hotellerie, nach Deutschland und England, und der wichtigste ausserhalb Europas. Für einzelne Destinationen, etwa die Stadt Luzern, sind sie nach wie vor die wichtigste Gästegruppe. Amerikaner wohnen oft in Häusern mit vier oder fünf Sternen und sind dort gern gesehene Gäste. Sie geben täglich im Schnitt pro Kopf 220 Franken aus, sind unternehmungslustig und offen für neue Erfahrungen.

Welche Vorstellungen haben Amerikaner von der Schweiz?

Die Schweiz ist primär für ihre Klischees bekannt: Sauberkeit, Schokolade, Uhren, Matterhorn, Bernhardiner. Das ist auch der Grund, warum wir bei vielen Marketingaktivitäten dort ansetzen und dann eine überraschende, vielfältige und auch moderne Schweiz präsentieren. Das Image der Schweiz ist generell sehr gut; zu den populärsten Reisezielen gehören die Städte Zürich und Genf, unter den Besuchern sind allerdings auch viele Geschäftsreisende.