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23. Januar 2012

«Wir fliegen selbst bei schlechtem Wetter»

Während des World Economic Forums (WEF) werden viele der rund 2500 Teilnehmer mit dem Heli von Zürich nach Davos transportiert. Fliegen wird auch der ehemalige Cheftrainer der Schweizer Skifahrer, Martin Rufener. Er ist seit einem knappen Jahr Chef des Flugunternehmens Swiss Jet.

Swiss Jet
Die Swiss Jet macht mit den Helikopterflügen während des WEF rund 40 Prozent ihres Jahresumsatzes. (Bild: PD)
Martin Rufener
Martin Rufener ist seit dem 1. Mai 2011 Geschäftsführer des Schweizer Flugunternehmens Swiss Jet. Vorher war der 52-Jährige Cheftrainer der Schweizer Skifahrer. (Bild: Dominic Favre/Keystone)

Martin Rufener, wie wichtig ist das WEF-Geschäft für Swiss Jet?

Unsere drei zweimotorigen Helikopter fliegen in diesen Tagen rund 40 Prozent ihres Jahresumsatzes ein.

Wie viele Mitstreiter haben Sie?

Das WEF hat Air Grischa als offiziellen Heli Carrier bestimmt. Wir sind wie Skymedia Partner auf der Strecke Zürich–Davos. Dieser Flug kostet mit einem Sechsplätzer rund 9000 Franken.

Was passiert bei schlechtem Wetter?

Wir fliegen selbst bei schlechtem Wetter dem Walensee entlang bis nach Bad Ragaz. Bei starkem Schneefall und Nebel sind wir jedoch eingeschränkt. Selten müssen die Gäste mit VIP-Shuttles von Bad Ragaz nach Davos gefahren werden.

Wie passen Heliflüge in eine Zeit, in der Luftqualität und Energie ein Thema sind?

Die Reisen nach Davos finden so oder so statt. Nur dauert es auf der Strasse um ein Vielfaches länger, denn bei gutem Wetter legen wir die Strecke Zürich–Davos in 15 bis 20 Minuten zurück. Die Helikopter werden sehr effektiv eingesetzt, es gibt kein Sightseeing. Bei einem Anlass dieser Klasse mit diesen Sicherheitsbestimmungen ist ein Heliflug die effizienteste und schnellste Lösung.

Wie sicher sind die Flüge?

Sehr sicher. Das ist auch der Grund, weshalb die Kunden nicht mit einmotorigen Hubschraubern fliegen möchten, denn mit unseren zweimotorigen Maschinen könnten wir auch bei einem Zwischenfall sicher landen.

Wie muss sich der Leser die Organisation eines Flugs vorstellen? Ruft eines Tages das Büro Schröder an und sagt, es möchte buchen?

Absolut. 70 bis 80 Prozent der Aufträge sind mit klaren Daten und Zeiten gebucht, sodass wir einen Flugplan aufstellen können. Diese Buchungen kommen tatsächlich über Büros rein, die Reisen für die VIPs organisieren.

Sie selbst pilotieren einen Heli. An welches Ereignis erinnern Sie sich? Bekannt ist, dass Ex-Bundeskanzler Kohl wegen seiner Leibesfülle zwei Sitze brauchte.

Über Kunden sprechen wir nicht. Ich habe aber zehn Jahre lang eine Helibasis im Engadin geführt. Wenn wir während des WEF mit Helis Lawinen sprengen mussten, war das immer ein riesiges Cabaret.

Leserfragen

Martin Rufener beantwortet Fragen unserer Leserinnen und Leser:

Auto- oder Zugreisende werden im Prättigau kontrolliert und mit Bewilligung Richtung Davos durchgelassen. Werden Heli-Fluggäste überhaupt auf ihre Identität geprüft – schon in Kloten? Oder könnte da im Prinzip jeder mit einem verfügbaren Helikopter einfliegen?

Kilian Käppeli, 6343 Risch

 Gibt es eine Dezibelobergrenze für die beauftragten Unternehmen?

Leah Looser, 6000 Luzern

Autor: Reto Wild