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15. Mai 2017

Wie sich passende Typen finden

Lisa Fischbach, Hamburger Psychologin, Paartherapeutin und Forschungsleiterin von Elitepartner.de, äussert sich im exklusiv online zu unterschiedlichen Liebestypen, das Liebes-«Matching» oder die Bewältigung von Liebeskummer.

Psychologin Lisa Fischbach
Die Hamburger Psychologin Lisa Fischbach von Elitepartner.de

Sie haben für Elitepartner einen Liebestypentest entwickelt – was für Typen gibt es denn so?
Es gibt elf, aber niemand entspricht nur einem Typ, man trägt Eigenschaften von allen elf Typen in sich, nur in sehr unterschiedlichen Ausprägungen. Manche Anteile dominieren somit das Verhalten mehr als andere. Da gibt es zum Beispiel den Optimisten, er hat ein gutes Selbstwertgefühl, geht mit offener, positiver Einstellung durchs Leben, hat eine gute Bindungsfähigkeit und kann mit Krisen umgehen – ein Glückstreffer sozusagen. Wir unterscheiden darüber hinaus Typen mit starker Konsumhaltung, solche, für die Sex eine starke Rolle spielt, Harmoniebedürftige, Schüchterne, Romantiker, Extrovertierte, Pragmatiker, sicherheitsorientierte und spielerische Typen sowie solche, denen traditionelle Werte wichtig sind.

Fliesst der Test bei Ihren Mitgliedern automatisch ins Matching ein?
Nein, auch nicht ins Profil. Unseren Liebestypentest können alle machen, nicht nur unsere Mitglieder. Er hilft dabei, sich selber besser kennenzulernen.

Und wer passt zusammen? Was geht gar nicht?
Gut sind ähnliche oder ergänzende Typen, wo man die Unterschiede als positiv erlebt. Der ängstliche, auf Sicherheit bedachte Typ lässt sich aber nur schlecht mit dem spielerischen kombinieren, der vielleicht nicht so treu ist und auch gerne mal alternative Beziehungskonzepte ausprobiert. Auch ausgeprägte Romantiker und Pragmatiker ticken im Alltag viel zu gegensätzlich. Trifft hingegen der spielerische auf den sexuellen Typ, passt das prima.

Dann gilt eher «Gleich und Gleich gesellt sich gern» als «Gegensätze ziehen sich an»?
Für eine dauerhaft stabile Beziehung, ja. Gegensätze können sexuell grosse Leidenschaft auslösen, aber wenn die Grundbedürfnisse sehr unterschiedlich sind – etwa bei Nähe oder Treue –, ist das für eine längerfristige Partnerschaft sehr fordernd. Es kostet viel Kraft, ständig Unterschiede zu kompensieren. Eine leichte Unterschiedlichkeit wird hingegen oft als Ergänzung geschätzt. Wenn mein Partner einen Humor mitbringt, den ich nicht habe, aber sehr mag, dann empfinde ich diese Differenz als Bereicherung. Auch wenn ein offener Partner Lebendigkeit in die Beziehung bringt, während der introvertierte für Ausgleich sorgt.

Es kostet viel Kraft, ständig Unterschiede zu kompensieren.

Kann man bei der Einteilung in Ihrem Profil schummeln, um in eine «bessere» Kategorie zu rutschen?
Ein Stück weit ginge das sicherlich. Die Frage ist, was es bringt. Denn wenn das Profil mit dem realen Verhalten beim ersten Date nicht übereinstimmt, kann das eigentlich nur schiefgehen. Klar, wer jünger, schlanker, attraktiver ist, erhält mehr Kontaktanfragen. Zum Erfolg führt das aber nur, wenn es beim Realitätscheck dann auch stimmt. Sind die Haare nicht mehr nur grau meliert, sondern weg, ist die Enttäuschung programmiert. Das Problem ist noch nicht mal die eigentliche Differenz, sondern das Gefühl, absichtlich getäuscht worden zu sein. Keine ideale Voraussetzung für eine Partnerschaft.

Gibt es einen legitimen Spielraum, sich ein bisschen attraktiver zu machen?
Klar, ich nenne das gelungenes Selbstmarketing. Selbstverständlich sollte man seine Schokoladenseiten hervorheben. Frauen tun sich dabei meist schwerer als Männer, sie sind oft selbstkritischer und weniger geübt darin. Und das, obwohl Frauen ab 60 körperlich häufig viel besser dran sind als Männer, weil sie mehr für sich tun. Wenn sich eine solche 70-Jährige im Profil als 69 bezeichnet, finde ich das nicht schlimm. Und psychologisch macht die 6 anstelle der 7 manchmal einen Unterschied.

Männern fällt so was leichter?
Tendenziell ja. Wir haben mal bei einer grossen Marktforschungsstudie in ganz Deutschland hinter einer Spiegelscheibe beobachtet, wie einige Hundert Männer und Frauen unseren Fragebogen ausfüllten. Bei der Figur musste man sich selbst einschätzen: schlank, normal, paar Pfunde zu viel, mollig. Frauen sind häufig nicht zufrieden mit sich und sagten im Zweifelsfall lieber normal als schlank. Die Männer hingegen stellten sich vor den Spiegel, zogen den Bauch ein und fanden: «Das ist athletisch, oder?» (lacht)

Frauen sind häufig nicht zufrieden mit sich ...

Je mehr Fragen man beantwortet, desto grösser die Chance, jemand Passendes zu finden?
Ein gut ausgefülltes Profil hat auf jeden Fall mehr Anziehungskraft und bietet dem Gegenüber mehr Anknüpfungspunkte.

Sind mit dem Matching die wichtigen Fragen alle schon geklärt?
Das hängt natürlich von der Plattform ab. Tinder-Nutzer zum Beispiel suchen zu 40 Prozent Selbstbestätigung, nur vier Prozent wünschen sich eine ernsthafte Beziehung. Die Persönlichkeitstests der seriösen Anbieter sind zwar nicht einsehbar, aber sie liegen dem Profil zugrunde, daraus können andere Singles einiges ablesen. Und das wissenschaftliche Matching trägt grundsätzlich viel dazu bei, dass die Übereinstimmung zwischen Paaren hoch ist.

Wie wichtig ist die Attraktivität bei der Partnersuche? Gehts auch ohne?
In einigen Fällen schon. Die Attraktivität hat zwar nie an Magie verloren, aber das Aussehen wird nicht als Erstes genannt, wenn man Menschen fragt, was ihnen am Partner wichtig ist. Vorher kommen Treue, Warmherzigkeit, Humor und Intelligenz. Jede zweite Frau und 75 Prozent der Männer finden Attraktivität sehr wichtig. Diese Werte nehmen tendenziell zu wie generell die Ansprüche an die Partnerschaft. Klar ist: Die blonde Frau, schlank und zirka 1,70 Meter, wird viel häufiger angeklickt als andere Profile.

Kennen Sie Paare, die trotz unterschiedlicher politischer Einstellungen zusammen sind?
Nein. Aber ich kenne die Kombination unsportlich und Triathlet oder leidenschaftlicher Camper und Fünfsternehotelfan. Ist auch nicht einfach, aber tangiert keine Grundwerte wie die Politik.

Man tut sich nach gescheiterter Beziehung (...) einen Gefallen, wenn man sich Zeit zur Verarbeitung lässt.

Sollte man nach einer gescheiterten Beziehung möglichst rasch wieder daten, um das Selbstwertgefühl aufzupolieren?
Gerade wenn langjährige Beziehungen zerbrechen, ist das oft traumatisch und mit vielen Verletzungen verbunden. Man tut sich selbst einen Gefallen, wenn man sich genügend Zeit zur Verarbeitung lässt – auch, weil man daraus einiges lernen kann. Was ist passiert? Wie ist es dazu gekommen? Was ist mein Anteil daran und was der meines Partners? Das zu klären, führt zu einem wichtigen Reifeprozess. Und es ist auch nur fair einem neuen Partner gegenüber. Ein anderer Fall ist es, sich sofort jemand Neues zu suchen: Das ist dann meist nur ein Übergangsmann oder eine Übergangsfrau, die einen über den Verlust hinwegtrösten soll.
Liebeskummer ist eine schwere Phase im Leben, aber die meisten kommen da auch wieder raus – Frauen fällt es meist leichter als Männern. Und nach einer Phase des Rückzugs sollte man auch wieder rausgehen und neue Leute kennenlernen. Ideal ist, wenn man dann genauer weiss, was man will und was nicht mehr.

Autor: Yvette Hettinger, Ralf Kaminski

Fotograf: Michael Sieber