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10. Dezember 2012

Wie man bei der Krankenversicherung Geld sparen kann

Wie bezahlen wir die Krankenkassenprämien?
Wenn die Eltern wegen den Krankenkassenprämien über dem Familienbudget brüten. (Bild: Getty Images)

Kennen Sie das? Sie hängen abends auf der Couch. Die Zwerge sind endlich, endlich im Nest, der Wein ist schon im Glas, und gleich kommt «Grey’s Anatomy». Da klingelt das Telefon. «Grüezi, Frau Leinenbach, da isch Herr Schubiduu. Ich lüüte Ihne im Uuftrag vo de ,Helswica’ Chrankeversicherig aa. Dörf ich Ihne …» – Nein, darf er eigentlich nicht. Aber, wo er schon mal am Apparat ist, eine Gegenfrage: «Sie wollen also, dass wir weniger Geld für die Krankenversicherung ausgeben?» – «Ja.» – «Dann könnte man doch den Kindern die Prämie erlassen, oder?» – Für einmal ist der Mann der tausend Worte sprachlos.

Okay, ich gebe zu, diese Idee mit den Kindern stammt nicht von mir, sondern von der CVP-Nationalrätin Ruth Humbel. Ich schätze, als zweifache Mutter weiss die Aargauerin genau, was man im Lauf eines Jahres für die lieben Kleinen an die Krankenkasse überweist. Ich habe mal in unseren Unterlagen nachgesehen: Wir zahlen für Ida, Jahrgang 2008, 1236 Franken, für Eva, Jahrgang 2010, 1168 Franken. (Versicherungsstatus jeweils allgemein, mit Zusatzversicherungen für die Zähne, aber das macht den Braten nicht fett.) Macht in der Summe 2404 Franken. Ganz schön viel Geld für eine Familie. Manche von Ihnen werden jetzt sagen: Ja, Sie, dafür bekommt man auch was. Stimmt. Aber wenn man Familien an der Stelle entlasten könnte, wäre das in meinen Augen sinnvoll. Die Gesundheitskommission des Nationalrats sieht das übrigens ganz ähnlich und unterstützt das Anliegen der Politikerin. Die Ständeratskommission folgt dem Vorschlag ebenfalls. Nun, zwei Jahre, nachdem Ruth Humbel die Idee erstmals vorgetragen hat, soll das Ganze spruchreif werden: Vollständige Befreiung von der Kinderprämie für Haushalte, die mehr als acht Prozent ihres Einkommens für die Krankenversicherung aller Familienmitglieder ausgeben.

Bis heute profitieren schweizweit zirka 700'000 Kinder von der sogenannten Prämienverbilligung (siehe unten). Durch die Neuregelung kämen 500'000 Kinder beziehungsweise deren Eltern zusätzlich in den Genuss der Vergünstigung, wie das Bundesamt für Gesundheit vorrechnet. Wenn Sie nicht gerade zu den 20 Prozent der Schweizer Familien gehören, die finanziell ausgesprochen gut gestellt sind, stehen die Chancen nicht schlecht, dass auch Sie von der Neuregelung profitieren.
Wie das Ganze gegenfinanziert werden soll, ist noch nicht klar. Ich bin mir aber sicher, dass man einen vernünftigen Weg finden wird. Für mich ist das jedenfalls ein starkes Signal: Wer sich heutzutage für ein Leben mit Kindern entscheidet, tut etwas für die Gesellschaft und darf dafür auch an der einen oder anderen Stelle mit einem Entgegenkommen rechnen.

Und falls die Krankenversicherungen auch noch einen Beitrag leisten wollen – gellet Sie, Herr Schubiduu – dann hätte ich hier ein paar Vorschläge:

1. Gratis-Kinderzahnpasta für Familien. (Denn das, was in unseren Badezimmern täglich verschluckt, statt verputzt wird, geht ganz schön ins Geld.)

2. Ab Geburt hundert Pflästerli pro Monat und Kind umsonst. (Denn wir alle wissen: Es gibt kaum ein Bobo, das man nicht mit einem Kleberli kurieren kann.)

3. Kostenlose Ohrenstöpsel (Für all jene Eltern, die auch nach dem 27. Mal «Ich wott aber de ,Mondbär’ luege!» noch ruhig bleiben wollen.)



Prämienverbilligung

Wenn Sie in bescheidenen wirtschaftlichen Verhältnissen leben, können Sie bei der Sozialversicherungsanstalt ihres Wohnkantons einen Nachlass auf die zu zahlenden Prämien erwirken. In vielen Fällen ermitteln die Gemeindesteuerämter automatisch, ob Ihre Familie in den Genuss dieser Vergünstigung kommen kann. Da dies aber nicht immer der Fall ist, lohnt sich das Nachfragen.
Ab wann man ein Anrecht auf die Prämienverbilligung hat, ist kantonal unterschiedlich geregelt und von verschiedenen Faktoren abhängig. Sobald festgestellt wurde, dass Sie ein Anrecht auf die Vergünstigung haben, erhalten Sie ein Formular, das Sie ausgefüllt retournieren müssen.

Autor: Bettina Leinenbach