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29. März 2016

Schenken trotz Geschenkverbot?

Kolumnist Philipp Tingler beantwortet jede Woche eine Frage des modernen Benehmens. Diesmal: Wie hat man «Bitte keine Geschenke» zu verstehen?

Blumenstrauss
Sind Blumen «ein Geschenk»? Zumindest sind sie nur kurzlebig.

«Der Hinweis ‹Bitte keine Geschenke› auf Einladungen hat wie manche Geste vermeintlicher Bescheidung eine passiv-aggressive Note. Geschenke sind nämlich nicht nur für die Beschenkten da, sondern auch für den Schenkenden. Sie bringen Freude und Wertschätzung und eine symbolische Gegenleistung für eine Einladung zum Ausdruck. Was also tun?

Zunächst: ‹Keine Geschenke› bedeutet nicht, dass man keine Karte und keine Blumen mitbringen könnte. Denn Blumen zerstören sich schliesslich selbst: Sie verwelken. Nach dem Kriterium der Kurzlebigkeit wären auch andere Geschenke mit Verfallsdatum zulässig. Oder quasiimmaterielle Geschenke, etwa eine Einladung zu einem Ausflug oder eine Spende an eine Organisation, die dem Gastgeber am Herzen liegt. Oder Sie verhalten sich passiv-aggressiv und ignorieren das Geschenkverbot. Das tun die meisten Gäste.»

WAS MEINEN SIE?
Schenken Sie auch wider den Wunsch Ihres Gastgebers? Oder nehmen Sie es in Kauf, als einziger ohne Geschenk auf der Matte zu stehen? Was sind Ihre Erfahrungen?

Autor: Philipp Tingler

Illustrationen: Andreas Klammt