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07. September 2015

Wie gesund ist Rohkost wirklich?

Roh, aber richtig: So gesund ist der Genuss ungekochter Lebensmittel.

Schmackhaft und gesund: Rohes Gemüse mit raffinierten Dips
Schmackhaft und gesund: Rohes Gemüse mit raffinierten Dips (Bild: Getty Images).

Prominente wie das Topmodel Gisèle Bündchen oder der Sänger Bryan Adams essen vorwiegend roh. Sie glauben, durch die vegane oder vegetarische Rohkost schlank, jugendlich und gesund zu bleiben.

Ob dem tatsächlich so ist, konnte bisher nicht bewiesen werden. Die Rohkoststudie der deutschen Universität Giessen aus dem Jahr 1998 hat gezeigt, dass Rohköstler kaum je übergewichtig sind. Die Kehrseite: Mehr als die Hälfte der untersuchten Männer und Frauen hatte Untergewicht, bei einem Drittel der Frauen blieb gar die Menstruation aus.Viele waren ungenügend mit Proteinen, Eisen, Kalzium, Zink, Iod, Vitamin D und Vitamin B12 versorgt. Ernährungswissenschaftler rieten daraufhin von der Rohkosternährung ab.

Diese Einstellung hat sich mittlerweile etwas geändert, auch aufgrund einer niederländischen Studie von 2011. Sie kam zum Ergebnis: Wer viel rohes Obst und Gemüse isst, senkt sein Risiko für einen Schlaganfall um etwa 30 Prozent. Dies sei, so vermuten die Forscher, auf den hohen Gehalt an Kalium, Ballaststoffen, Vitamin C, Flavonoiden und anderen sekundären Pflanzenstoffen in unerhitztem Gemüse und Obst zurückzuführen. Beim Erhitzen werden diese Substanzen teilweise abgebaut oder gelangen ins Kochwasser.

Ausschliesslich Rohkost kann heikel sein

Mehr rohe Kost essen ist also durchaus gesund. Sich ganz der veganen Rohkost zu verschreiben, kann aber heikel sein.

Zumindest setzt diese Ernährung viel Wissen und Erfahrung voraus, um Mangelerscheinungen vorzubeugen. Schwierig wird eine gute Nährstoffversorgung dann, wenn auf sämtliche tierische Produkte verzichtet wird. Und wenn der Nährstoffbedarf besonders hoch ist, was etwa in der Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Personen, die sich im Wachstum oder im Seniorenalter befinden, der Fall ist.

In all diesen Situationen ist von einer reinen Rohkosternährung abzuraten.

Autor: Marianne Botta