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16. Januar 2017

Wie ein Muffinförmchen ...

DIe Menstruationstasse
DIe Menstruationstasse (Bild: iStockPhoto)

Nein, wir reden heute nicht über herzige Babys, meine wilden Töchter oder über bewährte Erziehungsrezepte. Das hier wird ein Mothers-only-Thema. Wenn Sie ein zartes Gemüt haben, gerne backen und/oder kein Blut sehen können, sollten Sie jetzt wegklicken.

Aha, Sie sind noch da. Ich vermute, Sie waren einfach zu neugierig. Geht schon klar, ich wäre es auch bei dieser Anmoderation. Augen zu und durch: Ich bin seit einigen Wochen stolze Besitzerin einer sogenannten Menstruationstasse. Das ist, um es grob zu umreissen, ein Gefäss, mit dem man Periodenblut auffangen kann. Und zwar nicht von aussen. (Das wäre eher unpraktisch.) Nein, das Ding wird komplett in die Vagina eingeführt und sammelt dort. Wie bei einem Tampon, nur ohne Abfall.
So weit, so gut. Allerdings ist das Tässchen so gross wie ein Eierbecher. Mindestens. Denken Sie an eine Silikonbackform für kleine Muffins. Voilà! Die Dame, die mir das Ding verkauft hat, war optimistisch: «Sie müssen die Tasse einfach nur falten und quetschen – dann können Sie sie ganz einfach einsetzen.» Was man nicht alles glaubt, wenn man an einem Messestand mit Menstruationstassen steht.

Nach etwas Üben gelang es mir daheim tatsächlich, das Ding richtig zu platzieren. Als die Tasse drinnen war, versuchte ich mich zu entspannen. Aber es gelang nicht wirklich. Die Geschichte der Menstruation ist nämlich eine Geschichte voller Missverständnisse. Ich rechnete mit einem halben Liter Blut. In zwei Stunden. Deswegen beschloss ich, den Füllstand ungefähr nach zehn Minuten zu kontrollieren.
Was die Messefrau verschwiegen hatte, war, wie man das Ding wieder rausbekommt. Mann, war das ein Geturne und Gefummel. Ich wollte schon meine Freundin, die Hausärztin, anrufen («Duuu, ich habe Probleme mit einem Muffinförmchen …»), da machte es dann doch noch plopp!, Vakuum gelöst. Die fast leere Tasse kam zum Vorschein und streckte mir die Zunge raus. Also wieder rein mit dem Ding. Übung macht den Tassenmeister und so. Nach dem 17. Mal rein und raus (am ersten Tag) verspürte ich ein leichtes Jucken da unten. Och, nö. Jetzt nicht noch einen Scheidenpilz …

Eine weitere Kollegin, ihres Zeichens Muffinförmchenprofi, gab mir dann den ultimativen Tipp: «Lass die Finger von dem Geschirr! Ich leere meine Tasse nur zweimal am Tag.» Echt jetzt? Als ich ihren Rat befolgte, wurde alles gut. Innerhalb von zwölf Stunden kam maximal eine Füllung zustande. Und glauben Sie mir, meine Periode ist kein Windhauch, sondern ein Sturm. Mittlerweile also ein Sturm in der Tasse. Wir sind nun ein eingespieltes Team, das Muffinförmchen und ich. Ich hample zwar immer noch gelegentlich herum, wenn es an den Ein- oder Ausbau geht, aber passt schon.
Ich kann jetzt nicht behaupten, dass das Silikonteil die Lösung für alle und für jede Situation ist. Aber es ist eine ernst zu nehmende Alternative zu Tampons und Binden. Das ist doch schon mal was.

Autor: Bettina Leinenbach