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21. Januar 2013

Wider den Januarblues

Keine Bange, ich höre gleich auf damit, Ihnen hier alte Werbebotschaften vorzusingen wie «D Chinder ässed Choc-ovo, Choc-ovo, Choc-ovo — wil s guet isch und wil s Schoggi hätt» … Sprüche wie «Bauknecht weiss, was Frauen wünschen» klängen ohnehin nicht mehr zeitgemäss, es müsste ja heissen: «… was Hausmänner wünschen», womit der erotische Unterton von damals irgendwie ins Eiern geriete. Aber die Slogans aus der Jugend bleiben auf der geistigen Festplatte halt unauslöschlich, und offenbar ist man sich der Kraft alter Markenlosungen auch bei der Migros bewusst. Sonst hätte mir die Kassierin letzte Woche nicht ein Müsterchen mit Banago in die Hand gedrückt, dem Schoggidrinkpulver meiner Kindheit … Hans hats sofort ausprobiert, und seither will er immer wieder Banago aus seiner R2D2-Tasse trinken (für Nicht-«Star-Wars»-Eingeweihte: ein Fanartikel, aus dem man trinken kann). Und mir wird wohlig nostalgisch zumut.

Und Hans verlangt nach Banago …

Ach, ich weiss schon, weshalb ich so am Alten hänge. Das «Neue Jahr» hat mich überrumpelt, es gebietet Aufbruch, verlangt einen Energieschub — ich aber fühle mich matt, wie immer im Januar. Wie wollte man Neues beginnen, ehe man mit dem Alten aufgeräumt hat, noch dazu bei dieser Kälte, mit furchtbarem Husten und einem Pfnüsel, dass Gott erbarm? Nein, auch nach drei Wochen bin ich in dem blöden neuen Jahr nicht angekommen. Emil hatte schon recht mit «… alles stiif und starr». Und im Februaaar? «… Isch immer no alles stiif und starr.» Himmel, kann man das Neujahr nicht in den März verlegen? Bis dahin sollte ich parat sein.

Hans trinkt Banago aus der R2D2-Tasse…
Hans trinkt Banago aus der R2D2-Tasse…

Zur Steigerung meiner Moral habe ich nämlich begonnen, verborgene Krisenherde zu entrümpeln. Herde, wie jeder Haushalt sie birgt. Sie wollen ja nicht behaupten, Ihre Gnuusch-Schublade mit den Mehrfahrtenkarten, den Büroklammern, abgelaufenen Geschenkgutscheinen, Reissnägeln, Rabattmarken und Klebestreifen (die dann doch nie da sind, wenn man sie sucht) sei in bester Ordnung? Eben. Dann wissen Sie, wovon ich rede. Von den Schränkchen und Regalen, in denen sich im Verlauf der Jahre Karsumpel angesammelt hat. Das Apothekerzeugs, die Hälfte davon mit abgelaufenem Verfalldatum. Das Gestell, hinter dessen Schiebetür halb zerknitterte Geschenkpapiere und -bänder wild durcheinanderwuseln. Zeichen- und Bastelmaterial, ausgetrocknete Farbtöpfchen, stumpfe Japanmesser. Der Mottenschrank, dessen gesamter Inhalt in die Kleidersammlung gehörte. Die Gewürzschublade. Überall ein Puff. Zwar unsichtbar, wenn Besuch kommt. Am Gewissen nagts trotzdem.

Wer solcherlei Ecken ausmistet, muss kein Lob erwarten. Es siehts ja keiner. Dennoch hilfts ein wenig: Äusserlich Ordnung zu schaffen, bringt mich auch innerlich ins Lot. Es stillt den Januarblues. Aus dem Metallbehälter mit den Schuhutensilien sortierte ich zahllose unnütze Einzelschuhbändel aus; leere Imprägnierspraydosen; und die Büchse mit einer — längst ranzig riechenden —Creme, die ich 1989 in Südfrankreich gekauft hatte, um ein Paar Stiefel zu pflegen, von denen ich mich inzwischen längst getrennt habe. Waren viel zu sehr à la Möchtegerncowboy. Also brauchts auch die Creme nicht mehr, weg damit! Schuhcreme? Sie! Da fällt mir ein alter Werbespruch ein …

Bänz Friedli (47) lebt mit seiner Frau und den beiden Kindern in Zürich.

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Autor: Bänz Friedli

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