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16. Januar 2017

Wickel wirken Wunder

Schon das Grosi wusste: Wickel sind gut für Körper und Seele. Nicht nur in der Erkältungszeit bringen diese sanften Helfer schnelle Linderung, sie sind auch sonst eine gute Alternative zu Medikamenten.

Zwiebel wird geschält
SO GELINGT DER WICKEL: 1. Die Zwiebel wird geschält und anschliessend in Viertel geschnitten.

Wenn die 6-jährige Eva erkältet ist, plagt sie oft auch Ohrenweh. Dann setzt ihre Mutter Agata Jakimowicz auf die Heilkraft eines Zwiebelwickels (Anleitung: oben). «Er wirkt schmerzlindernd und entzündungshemmend», so die 33-Jährige. Einzige Gefahr sei, dass man den Wickel zu heiss auflege. «Vorher unbedingt die Temperatur prüfen.» Den Zwiebelwickel lässt sie 20 Minuten einwirken, einmal täglich, solange die Ohrenschmerzen andauern.

Eva geniesst den Zwiebelwickel
Wohltuend für schmerzende Kinderohren: Eva geniesst den Zwiebelwickel.

Zitronenwickel gegen Halsweh
«Wickel sind geradezu ideal für Kinder und ältere Menschen. Sie reagieren besonders positiv auf liebevolle Zuwendung. Das spielt beim Anlegen von Wickeln eine grosse Rolle und trägt wesentlich zur Genesung bei», sagt Bernadette Bächle-Helde, Pflegepädagogin und Autorin des Buchs «Heilsame Wickel».

Ihr Favorit bei einer Erkältung ist der Zitronenwickel. «Er lindert Schluckbeschwerden und Halsschmerzen», so Bächle. Man legt etwa vier ½ cm dicke Zitronenscheiben auf ein Küchenpapier und macht daraus ein langes Päckchen. Dieser Wickel wird vorne von Ohr zu Ohr um den Hals gelegt. Um den Wickel kommt ein Geschirrtuch, dann wird er mit einem Schal fixiert und wirkt bis zu 30 Minuten ein.

Bächle: «Verwenden Sie unbedingt Wickeltücher aus Naturmaterialien, Synthetiktücher könnten einen Wärmestau verursachen. Nach Abnahme des Wickels sollte man allgemein mindestens 15 Minuten ruhen. Erst dann kann sich die Wirkung des Wickels richtig entfalten.»

Gschwellti gegen Husten
Gegen Husten hilft eine schleim­lösende Kartoffelauflage. Weichgekochte, heisse Kartoffeln in Küchenpapier wickeln, mit Tuch umhüllen, flach drücken und auf die Brust legen. Shirt darüberziehen und drauf lassen, so lange sie warm sind. 

DER KLASSIKER

Wadenwickel senkt Fieber

«Der Wadenwickel ist ein Klassiker, bei dem einige Punkte wichtig sind», so Matthias Rostock, Leiter Poliklinik des Universitätsspitals Zürich. «Fühlt sich der Patient sehr krank, sollte man nicht viel selbst behandeln, sondern den Arzt holen. Und wenn jemand Fieber wegen einer Blasenentzündung hat, würde ich auch keine kalten Wickel an den Waden machen.»

Man legt den Wickel erst an, wenn das Fieber nicht mehr steigt. «Wenn der Patient nicht mehr fröstelt und die Beine warm sind, dann kommt der Wadenwickel zum Einsatz», so Matthias Rostock. Dazu erst ein Handtuch unter beide Waden legen, damit das Bett nicht nass wird.
Dann zwei Geschirrtücher in kühles Wasser legen, auswringen und um die Waden legen. Anschliessend zwei trockene Frotteetücher darüberwickeln und den Patienten leicht zudecken. Nach etwa zehn Minuten, wenn die Tücher warm geworden sind, Vorgang – je nach Ansprechen der Körper­ temperatur − drei­ bis viermal wiederholen. «Wenn man sich unsicher fühlt, immer auch einen Arzt drauf schauen lassen», so Rostock.

BUCHTIPP
«Heilsame Wickel und Auflagen» von Bernadette Bächle-Helde und Ursel Bühring.
Die Autorinnen liefern eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für Wickel und zeigen, bei welchen Beschwerden welcher Wickel angewendet wird und was man beachten sollte.
Erhältlich auf www.exlibris.ch für Fr. 18.30

Autor: Inge Hess

Fotograf: Filipa Peixeiro