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07. September 2015

Tipps: Social Media als Verkaufskanal

Sie möchten Ihre Produkte oder Dienstleistungen an den Mann und die Frau bringen und Social-Media-Kanäle dazu nutzen? Wir beantworten die zehn wichtigsten Fragen zum Thema. Von ihrem Erfahrungen berichten drei «Moderne Heimwerkerinnen» im weiterführenden Artikel rechts.

Social Media bringts – aber nur bei richtiger Anwendung (Bild: iStock Photo).

Soll ich Social Media überhaupt als Verkaufskanal nutzen?

In erster Linie sind Facebook und Twitter keine Verkaufskanäle. Sie dienen hauptsächlich dazu, um sich mit Gleichgesinnten zu vernetzen, um Meinungen auszutauschen und sich allenfalls als Experte zu einem Thema zu positionieren. Wer sich in den sozialen Netzwerken einen Namen macht und täglich präsent ist, promotet dadurch sein Business automatisch. Wer diese Aktivitäten in den Hintergrund stellt und Social Media ausschliesslich als Verkaufskanal nutzen möchte, wird keinen Erfolg haben, und sollte besser darauf verzichten. Ohne Aufwand kein Ertrag.

Brauche ich überhaupt noch eine eigene Website?

Ja – ein eigener Webauftritt mit integriertem Onlineshop ist zwingend. Die Abwicklung von Verkäufen auf Social-Media-Kanälen ist in vielerlei Hinsicht nicht empfehlenswert. Weder haben Käufer oder Verkäufer in Streitfällen eine rechtliche Handhabe, noch gibts eine sinnvolle Möglichkeit zur Abwicklung des Zahlungsverkehrs. Zudem ist der administrative Aufwand, Verkäufe in der Kommentarspalte oder über private Nachrichten abzuwickeln enorm. Wer nur unregelmässige Verkäufe plant (z.B. von gebrauchter Ware), nutzt dazu besser Auktions- oder Verkaufsplattformen wie Ebay , Ricardo , Shpock oder Stuffle .

Wozu dann überhaupt Social Media?

Präsenz steigert Bekanntheit. Das grösste Publikum finden Sie auf Facebook – das ist für Ihr Vorhaben der wichtigste Kanal. Obwohl aktive Twitterer in der Schweiz vergleichsweise rar sind, lohnt sich eine Präsenz trotzdem. Je nachdem welche Produkte oder Dienstleistungen Sie anbieten, können Sie durch gezielte Stichwortsuchen neue Kunden finden. Beispiel: Wer selbst gemachte Dekorationsgegenstände anbietet, sucht Tweets zu Themen wie «Einrichten» oder «Dekorieren» und weist in einer Antwort auf die eigenen Produkte oder Dienstleistungen hin.

Wer mit Produkten oder Dienstleistungen auf Facebook auftreten will, braucht eine professionelle Seite.

Wie muss ich mich auf Facebook präsentieren?

In einem ersten Schritt trennen Sie das private Profil vom beruflichen und erstellen eine professionelle Seite . Dort erfassen Sie in einem «Impressum» ihre Kontaktdaten und veröffentlichen Ihre Geschäftsbedingungen mit Informationen zu Rückgabe von Waren, Bezahlung etc. Statt eines Porträtfotos von sich nutzen Sie ein Firmenlogo als Profilbild. Dieses lassen Sie am besten von einem Grafiker erstellen oder nutzen einen Onlineanbieter – das ist günstiger. Profis schneiden die benötigten Bilder ausserdem auf die optimale Grösse zu.

Wie finde ich heraus, wer sich für meine Themen interessiert?

Bei Facebook gibts keine Suchfunktion, die einzelne Postings findet. Auf diesem Netzwerk empfiehlt es sich, themenbezogenen Gruppen beizutreten und sich dort an Diskussionen zu beteiligen. Treten Sie dort nicht als Privatperson auf, sondern kommentieren Sie stets mit ihrer professionellen Seite. Bei Twitter ist die Suchfunktion besser: Über die erweiterte Suche können Sie gesuchte Themen nach Region und Zeitpunkt des Tweets filtern. Beim professionellen Monitoring von Tweets zu bestimmten Sichworten hilft das kostenlose Tool Hootsuite .

Wichtiger als einzelne Beiträge mit hoher Reichweite ist Begeisterung und eine hohe Aktivität.

Worauf kommt es auf Social Media an?

Auf Authentizität und Kreativität. Seien Sie originell, unterhaltsam und hilfsbereit. Wenn Sie Ihr Angebot ausserdem nicht in den Vordergrund stellen, sind Sie auf dem richtigen Weg. Übrigens trifft die Redewendung «1 Bild sagt mehr als 1000 Worte» in Bezug auf Social Media den Nagel mitten auf den Kopf: Investieren Sie deshalb Ihre Ressourcen statt in lange Texte in aussagekräftige, einzigartige Fotos – oder noch besser: in Videos. Die Erfahrung zeigt, dass diese Form auf allen Kanälen derzeit am besten ankommt – es ist allerdings auch mit Abstand die aufwändigste.

Meine Social-Media-Präsenzen sind kostenlos, richtig?

Die Präsenz an sich ist gratis – das ist dann aber auch das Einzige. Investieren müssen Sie erstens die Zeit, die bei der Betreuung ihrer Profile anfällt. Zweitens ist es unerlässlich, diese aktuell zu halten und auf sämtliche Anfragen, Kommentare und Rückmeldungen von möglichen Kunden zu reagieren. Darüber hinaus kommt kaum eine Facebook-Seite ohne den Einsatz von Werbemitteln aus. Erstens, um die Seite selbst beim Zielpublikum bekannter zu machen und zweitens, um die Reichweite Ihrer Beiträge zu erhöhen.

Wie erreichen meine Postings das grösstmögliche Publikum?

Setzen Sie sich nicht als primäres Ziel, dass einzelne Beiträge ein grosses Publikum erreichen. Wichtig ist, konstant aktiv zu sein, um sich ein eigenes Publikum aufzubauen. Je mehr Personen Ihnen folgen oder bei Ihrer Facebook-Seite «Gefällt mir» geklickt haben, desto mehr Menschen sehen Ihre Beiträge. Allerdings erreichen Facebook-Postings für gewöhnlich nur jeden zehnten Fan. Grund dafür ist das Geschäftsmodell des Unternehmens, das Seitenbetreiber zu Werbeinvestitionen zwingen will.

Wer Budget für Werbung auf Facebook zur Verfügung hat, sollte dieses gezielt einsetzen.

Welche Werbung macht Sinn und welcher Umfang darfs sein?

Zwar gilt: je mehr Budget, desto besser. Aber es muss gezielt eingesetzt werden. Denn schon ein falscher Klick genügt, damit die Facebook-Anzeige Nutzern in Marokko eingeblendet wird und damit verschwendet ist. Definieren Sie deshalb peinlich genau, wo (Land = Schweiz; Sprache = Deutsch) und wem (Geschlecht; Alter) ihr gesponsertes Posting angezeigt werden soll. Ebenfalls definieren können Sie die Interessen der Zielgruppe. Hier lohnt es sich kreativ zu sein und über das eigene Produkt und die eigene Dienstleistung hinaus zu denken. Beispiel: Wer Babykleider verkaufen will, könnte die Themen «Familie», «Erziehung» oder «Babynahrung» als Interessen definieren.

Was muss ich sonst noch wissen?

Vergessen Sie nicht, dass soziale Medien in erster Linie keine Verkaufs-, sondern Kommunikationskanäle sind. Definieren Sie jedoch eine Zielgruppe für Ihre Produkte und Dienstleistungen und versuchen Sie, diese auf Facebook (mit Einsatz von Werbemitteln) und Twitter anzusprechen. Wer auf Eigenlob verzichtet und stattdessen hilfsbereit und kreativ ist, wird besser wahrgenommen und kann sich schneller ein Publikum aufbauen. Instagram ist für die meisten noch zu wenig wichtig und auf Twitter kommen gesponserte Tweets nicht gut an.

Autor: Reto Vogt