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18. April 2016

Wettlauf gegen den Schmerz

Viele Laufsportler setzen auf Schmerzmittel, um Beschwerden zu unterdrücken – oft sogar vorbeugend. Das birgt ein erhebliches Gesundheitsrisiko, denn Schmerzen sind Warnsignale des Körpers.

Wer beim  Laufen ...
Wer beim Laufen keine gesundheitlichen Risiken eingehen möchte, verzichtet auf Kapriolen mit Schmerzmitteln.

Ein zwickendes Gelenk da, ein schmerzender Muskel dort – welcher Sportler kennt das nicht? Egal ob­ ­Hobbyläufer oder Profisprinterin, viele nehmen Schmerzmittel gegen die Beschwerden ein; bei den Laufveranstaltungen sind es laut internationalen Untersuchungen bis zur Hälfte aller Teilnehmenden.

Meist handelt es sich um sogenannte nichtsteroidale Entzündungshemmer; dazu zählen unter anderem Ibuprofen, Voltaren oder Brufen.
So schön ihre Wirkung auch ist, unbedenklich sind sie nicht: Insbesondere bei Einnahme unmittelbar vor, während oder kurz nach sportlichen Leistungen und Wettkämpfen gefährdet man damit seine Gesundheit.

Mit dem Einsatz von Schmerzmitteln ist aber auch grundsätzlich ein erhebliches gesundheitliches Risiko verbunden: Schmerzen sind Warnsignale des Körpers. Beseitigt man sie, ohne dass das Problem erkannt und behoben wurde, kann dies zu Verletzungen und bleibenden Schäden führen.

Nur auf ärztliche Verordnung

Eine weitere Gefahr besteht darin, dass die nichtsteroidalen Entzündungshemmer Nebenwirkungen hervorrufen können, insbesondere von Nierenfunktionsstörungen bis hin zu Nierenversagen. Ausserdem kann es zu Geschwüren im Magen und im Dünndarm und dadurch zu lebensbedrohlichen Blutungen kommen. Das Herz-Kreislauf-System wird beeinflusst, die Folgen sind zu starke Blutdruckerhöhung und Wassereinlagerungen im Gewebe.
All diese Nebenwirkungen werden dadurch begünstigt, dass der Flüssigkeitshaushalt während eines Laufs durcheinandergerät und das Herz-Kreislauf-System auf Hochtouren läuft.

Aus diesem Grund sollte man sich gut überlegen, ob man Schmerzmittel einsetzen möchte. Und wenn, dann nur nach Rücksprache mit einem (Sport-)Arzt.
Ein grundsätzlicher Verzicht empfiehlt sich dann, wenn man von den Schmerzmitteln eine vorbeugende Wirkung erwartet – das ist gefährlich und gegenüber den Mitstreitern moralisch verwerflich.

Wer an Schmerzen leidet, die die Einnahme von Schmerzmitteln erfordern, sollte stets einen Arzt konsultieren. Verschreibt ein Sportmediziner die Mittel, gilt es, den Therapieplan (Dosierung, Häufigkeit, Zeitpunkt der Einnahme, sportliche Belastung) genau einzuhalten.
Nega­tive Folgen lassen sich so auf ein Minimum reduzieren – damit die Freude am Laufsport nicht auf der Strecke bleibt. 

Autor: Dr. med. Hanspeter Betschart ist Sportarzt im Zentrum für Medizin und Sport bei Medbase Abtwil.