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01. Juli 2013

Wertvolle Beziehung

Unterschiedliche Interessen zwischen den USA und der Schweiz im Steuerstreit belasten das eigentlich sehr gute Verhältnis schwer. Wirtschaftszahlen belegen, warum sich die Handelspartner schnell einigen sollten.

Verhältnis CH-USA
Das eigentlich sehr gute Verhältnis von der Schweiz und den USA ist angespannt (Bild: iStock Photo).

Der Nationalrat verhinderte vor zwei Wochen eine gesetzliche Einigung mit den USA, um den seit Monaten anhaltenden Steuerstreit endlich beizulegen. Selbst eine Diskussion zum Thema kam nicht infrage – die Parlamentarier traten gar nicht auf das Geschäft ein und liessen damit den Bundesrat ins offene Messer laufen.

Was riskiert die Schweiz bei einer Eskalation im schlimmsten Fall? Die USA sind ein enorm wichtiger Handelspartner und nach Deutschland zweitwichtigster Abnehmer von Exportgütern. Umgekehrt ist die Abhängigkeit weitaus geringer. Aus amerikanischer Sicht rangiert die Schweiz laut einer Statistik vom Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) lediglich auf Platz 15.

Klarer Trend

Während die Exporte aus der Schweiz nach Amerika immer wichtiger werden, bleiben die Importe aus den Vereinigten Staaten konstant. Zur Veranschaulichung: Im Jahr 2000 exportierte die Schweiz Waren im Wert von 17,4 Milliarden Schweizer Franken in die USA. Bis im 2012 stieg das Volumen um fast 35 Prozent auf 23,5 Milliarden Franken. Für die Importe dagegen gibt das SECO in den Jahren 2000 und 2012 mit gerundeten 10,3 Milliarden Franken den nahezu gleichen Wert an. Zum Vergleich: Deutsche Importe und Exporte betragen mit 41,8 und 54,9 Milliarden Franken das Doppelte bzw. Fünffache des US-Volumens.

Deutschland und die USA sind die wichtigsten Handelspartner der Schweiz.
Deutschland und die USA sind die wichtigsten Handelspartner der Schweiz.


Quelle: SECO, Bilaterale Wirtschaftsbeziehungen Amerika und Deutschland

Schwergewicht Pharmaindustrie

Am stärksten vom Handel mit den USA profitiert die Pharmaindustrie. 40,7 Prozent aller Exporte in die Staaten sind «Pharmaprodukte, Vitamine, Diagnostika». Rund 9,5 Milliarden Franken flossen also im vergangenen Jahr aus Amerika direkt in die Kassen von Roche, Novartis und Co. An zweiter Stelle rangieren «Präzisionsinstrumente, Uhren, Bijouterie» (23,3 Prozent, 5,5 Milliarden Franken) und an dritter Stelle «Maschinen, Apparate, Elektronik» mit einem Anteil von 12,5 Prozent bzw. 2,9 Milliarden Franken. Für Deutschland sieht das Bild ähnlich aus – Maschinen und pharmazeutische Erzeugnisse landen bei den Schweizer Exporten ebenfalls unter den ersten drei.

Noch stärker verbandelt sind die USA und die Schweiz bei den Direktinvestitionen. Darunter versteht man im Ausland angelegtes Vermögen, bei dem der Einfluss und die Kontrolle auf das Geschäft beim Investor bleibt. Das bedeutet in der Praxis meist eine Beteiligung von mindestens 25 Prozent an einem Unternehmen. Die USA sind die mit Abstand wichtigste Destination für Schweizer Direktinvestitionen: Laut SECO betrugen diese Ende 2011 fast 200 Milliarden Schweizer Franken – das übertrifft die Direktinvestitionen in Deutschland, Frankreich, Italien und Österreich zusammen um
70 Milliarden Franken! Auch umgekehrt profitiert die Schweiz: Die USA sind hinter Holland und Luxemburg das drittwichtigste Herkunftsland von ausländischen Direktinvestitionen.

Zahlreiche Arbeitskräfte betroffen

Wenn die Beziehung zwischen der Schweiz und den USA durch den Steuerstreit Schaden nimmt, sind zahlreiche Angestellte betroffen. US-Firmen mit Schweizer Kapital (siehe vorheriger Abschnitt) beschäftigen 355 200 Mitarbeiter. Bei amerikanischen Firmen in der Schweiz sind beachtliche 22 547 Menschen beschäftigt. Insgesamt befinden sich 76 330 Schweizer Bürger in den USA und 17 998 Amerikaner in der Schweiz.

Autor: Reto Vogt