Archiv
19. November 2012

Wer wagt, gewinnt

Teilzeit arbeitende Männer sind rar. Das soll sich nun zum Wohl der Familie ändern. Das Projekt «Der Teilzeitmann» ermutigt Männer, den Schritt in die Teilzeit zu wagen.

Teilzeit arbeitende Männer
Mehr Zeit mit den Kindern: Auch für Männer eine Bereicherung. (Bild: iStockphoto)

Jürg Wiler (50), Co-Leiter des Projekts «Der Teilzeitmann», gehört einer raren Spezies an: Er arbeitet Teilzeit — und tut damit das, was viele Männer nicht wagen oder nicht können. Laut einer Studie wünschten sich 2011 neun von zehn Schweizern, nicht voll zu arbeiten, doch nur 13 Prozent tun es auch. Das soll sich nun ändern: Männer.ch, der Dachverband der Schweizer Männer- und Väterorganisationen, hat eine Kampagne gestartet, die Arbeitnehmer und Unternehmen ermutigt, Teilzeitarbeit umzusetzen. Kern der Aktion ist die Internetplattform www.teilzeitmann.ch, die sämtliche aktuell in der Schweiz online angebotenen Teilzeitstellen enthält und Informationen und Tipps rund um das Thema Teilzeitarbeit liefert.

Zusätzlich macht ab nächstem Jahr eine Wanderkampagne in verschiedenen Unternehmen halt: Auf Faltwänden beschreiben Männer ihren Weg zum Teilzeitpensum und wie sie sich damit fühlen. Die Kampagne wird vom Eidgenössischen Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann finanziert. «Unser Fokus liegt auf der Familie: Die Männer sollen Zeit mit ihren Kindern verbringen können», sagt Jürg Wiler.

Widerstände und Vorurteile seien aber noch weit verbreitet, stellt der Co-Leiter des Projekts fest: «Viele Männer haben noch zu sehr verinnerlicht, dass sie Alleinernährer der Familie sein müssen. Sie haben oft auch Angst vor einem Karriereknick oder schrägen Blicken von Kollegen.» Oft stösst Wiler auch bei älteren Männern, die ihr Leben lang auf Karriere und Leistung setzten, auf Ablehnung. «Sie belächeln uns als halbe Portionen, setzen Teilzeit mit Faulheit gleich.» In der Realität sei das Gegenteil der Fall, erlebt Wiler: «Der Alltag mit Kindern ist anspruchsvoll — aber auch vielseitiger, interessanter und ganzheitlicher.»

Autor: Claudia Langenegger