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19. März 2012

Wer staubt den King ab?

Sagen Sie mal, wie halten Sie es mit dem Abstauben? Ich meine jetzt nicht das einfache Zeugs: unverstellte glatte Oberflächen, Badezimmermöbel, über die man kurz im Vorbeigehen mit einem Lappen wischt, Computer, Klaviere. Nein, ich rede von den Kinkerlitzchen. Von all dem herumstehenden Kram, der die Flächen verstellt, all den winzigen Staubfängern, die sich in einem Familienhaushalt ansammeln, und mit jedem McDonald’s-Besuch werden es mehr.

Kinkerlitzchen? «Alberne, nichtige, unnötige Kleinigkeiten», definiert das Onlinelexikon, vom französischen «quincaillerie». Und wir sind offenbar eine besonders alberne Familie. Ich sammle unnötige Kleinigkeiten, seit ich denken kann. Als Bub Schlümpfe und Fussballwimpel, als erwachsener Bub dann … — Sie wissen schon: meine Schwäche für Elvis! Allein das Abstauben des Presley-Altars nähme Stunden in Anspruch, würde man es richtig machen. Denn man müsste ja, erstens, die ganze Fläche abräumen, um sie abstauben zu können. Zweitens müsste man jedes Automodell, jeden kleinen Elvis und jede Porzellantasse mit dem Antlitz des Kings einzeln vom Staub befreien, ehe man sie, drittens, wieder hinstellte. Und, hey, Elvis ist nur einer der Staubherde hier!

Überall steht alberner Kleinkram rum.

Wir sind nämlich manische Kinkerlitzchensammler. Unser Haushalt — ein Museum der albernen Nichtigkeiten! Auf der Leuchte im Badezimmer: Gummigorillas, Plastikschimpansen. Hans hat von mir das Faible für die Schlümpfe geerbt, zudem sammelt er Feuerzeuge. (Bitte keine Leserbriefe: «Feuerzeuge gehören nicht ins Kinderzimmer!» Ich weiss es. Ich weiss aber auch, dass der Bub damit umzugehen weiss. Letzthin — ich wollte die Kerze im Duftlämpchen anzünden — klemmte ein Feuerzeug. «Wart!», rief Hans, «das ist die Kindersicherung. Ich helfe dir!» — «Kindersicherung?» — «Eh, ja», lachte er, «das heisst dänk Kindersicherung, weil es sicherstellt, dass sicher nur Kinder das Ding benützen können.» Er konnte.) Und möglicherweise haben auch Sie einen Sohn, der alles mit nach Hause schleppt, was man «vielleicht noch einmal brauchen könnte», vom abgebrochenen Velopedal bis zum ausgemusterten Tintenstrahldrucker.

«Überall steht alberner Kleinkram rum.»
«Überall steht alberner Kleinkram rum.»

Staubfänger überall! 249 Überraschungen aus Chipstüten und Überraschungseiern auf der Dampfhaube; allerlei Figürchen aus amerikanischen TV-Serien bei meiner Frau; Miniaturen der Fontana di Trevi, des Eiffelturms und der Freiheitsstatue in Anna Lunas Zimmer. Und, und, und. Wie machen Sie es? Fahren Sie mit dem Bürstenkopf des Staubsaugers in Schwebedistanz über solche Gestelle, auf die Gefahr, ganze Souvenirs zu verschlucken? Überlassen Sie die Sammlungen der Kinder den Kindern — und ärgern sich im Stillen, dass sie ja doch nie selber putzen? Nippes aus Nepal stehen in unserer Stube rum, Mini-Micky-Mäuse, Troubadix, die Simpsons. Und irgendwo dazwischen liegen, ebenfalls verstaubt, 3-D-Brillen fürs Kino. Und noch mehr 3-D-Brillen fürs andere Kino. (Kann mir, ganz nebenbei, mal jemand erklären, warum jeder Kinobetreiber ein anderes System haben muss, das andere Brillen erfordert, und wenn man noch daran gedacht hätte, die früher erstandenen Brillen mitzunehmen, erwischt man garantiert die falschen und muss wieder neue kaufen, gopf?) Wo war ich? Beim Abstauben. Es wäre an der Zeit, es wieder mal säuberlich zu tun. Aber dazu ist mir dieser Frühlingstag dann doch zu schön.

Die Hausmann-Hörkolumne , gelesen von Bänz Friedli (MP3)

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Bänz Friedli (46) lebt mit seiner Frau und den beiden Kindern in Zürich.

Bänz Friedli live: 23. 3. Kradolf TG.

Seine Internetseite: www.derhausmann.ch
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Autor: Bänz Friedli

Fotograf: Bänz Friedli