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11. Juni 2012

Wer solls bezahlen?

Ist ein Schwangerschaftsabbruch Privatsache? Geht es nach einer Volksinitiative, sind die Krankenkassen dafür nicht zuständig. Die Forderung ist umstritten.

Der Schreck nach dem Schangerschaftstest?
Wollen die Initianten der Initiative Geld sparen oder Abtreibungen als «moralisch verwerflich» abstempeln? (Bild Getty Images)

Künftig sollen Schwangerschaftsabbrüche nicht mehr von der Krankenkasse bezahlt werden. Das fordert die Volksinitiative «Abtreibungsfinanzierung ist Privatsache». Die Begründung der 27 Initianten um die Ex-Nationalrätin Elvira Bader (57, CVP) und den SVP-Ständerat Peter Föhn (59): Jede Frau sei selbst für eine Schwangerschaft verantwortlich.

Die Gegner jedoch sind überzeugt, dass es den Initianten weniger um den finanziellen Aspekt geht. So betont Claudine Esseiva (33), Generalsekretärin der FDP-Frauen: «Es geht vielmehr darum, Schwangerschaftsabbrüche als moralisch verwerflich abzustempeln. Sie blenden die Verantwortung des Mannes in der Frage der ungewollten Schwangerschaften völlig aus.»

Abtreibungen in Eigenregie könnten zunehmen
Seit der Einführung der Fristenregelung im Jahr 2002, die das Recht auf freie Entscheidung für einen Abbruch bis zum Ende der 12. Schwangerschaftswoche festlegt, ist die Zahl der Abbrüche in der Schweiz ohnehin gesunken. Für Anne-Marie Rey (74), Vorkämpferin für die Fristenlösung, ist die Initiative denn auch ein klarer Schritt in Richtung Entsolidarisierung und Diskriminierung: «Getroffen würden insbesondere mittellose Frauen, Migrantinnen und auch junge Mädchen. Die Gefahr, dass sie zu gefährlichen Do-it-yourself-Abtreibungen greifen würden, besteht.» Auch der Bundesrat empfiehlt eine Ablehnung der Initiative, die frühestens 2013 kommt.


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Autor: Andrea Fischer Schulthess