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18. Februar 2013

Wer kann uns schützen?

Jedes Jahr führt der politisch neutrale Verein Vimentis eine der wichtigsten politischen Umfragen der Schweiz durch. Eines der Schwerpunktthemen war dieses Jahr die öffentliche Sicherheit. Die Straftaten nehmen zu, der Polizei fehlt es an Personal - sind Bürgerwehren die Lösung?

Bürgerpatrouille in Grafstal: Thomas Morf, Monika Morf und Rudolf Kläusli
Bürgerpatrouille: Thomas Morf, Monika Morf und Rudolf Kläusli (von links) sind im zürcherischen Grafstal unterwegs.

DER VOLKS-BUNDESRAT
Was wäre, wenn das Stimmvolk den Bundesrat wählen würde?
Nur ein Bundesrat, der Vorsteher des Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung, wäre sein Amt los. Wer es erben würde, die Beliebheit der bekanntesten Politiker und was sich ändern könnte im Online-Extra.

Die Patrouille kennt jede Treppe und jeden Schleichweg
Die Patrouille kennt jede Treppe und jeden Schleichweg in Grafstal ZH.

Dein Nachbar – dein Freund und Beschützer
Das Porträt einer Bürgerpatrouille: Sie sind unbewaffnet und wollen ihr Dorf Grafstal sicherer machen, indem sie am Abend spazieren gehen. Ob das wirklich etwas nützt? Beweise gibt es keine.
Dennoch würde die kleine Gemeinde zwischen Zürich und Winterthur neben der Gemeindepolizei nur ungern auf ihre Bürgerpatrouille verzichten.

Was beschäftigt die Schweizer Bevölkerung? Wo in der Politik sieht sie den grössten Handlungsbedarf? Jedes Jahr fühlt der politisch neutrale Verein Vimentis zusammen mit dem Migros-Magazin der Schweiz den Puls. Dabei hat sich herausgestellt, dass unter anderem das Thema Kriminalität stark bewegt. Vimentis wollte wissen, wie die Sicherheit im öffentlichen Raum erhöht werden soll. 19 364 Umfrageteilnehmer aus der ganzen Schweiz beantworteten online Fragen wie «Würden Sie eine Bürgerwehr begrüssen?» oder «Soll in Ihrem Kanton das Polizeikorps erhöht werden?» (siehe dazu die untenstehenden Grafiken).

Die Resultate der Vimentis-Umfrage sprechen eine klare Sprache: Die Schweizer wollen keine Bürgerwehr. Ebenso sind sie der Idee gegenüber abgeneigt, dass private Sicherheitsfirmen mehr Machtbefugnisse erhalten. Hingegen ist eine Mehrheit der Befragten für eine Aufstockung der Polizeikorps und schliesst sich somit jenen Stimmen an, die seit Jahren mehr Schweizer Polizisten und Polizistinnen fordern.

Wie viele Bürgerwehren es in der Schweiz gibt, ist nicht bekannt
Eine dieser Stimmen ist Max Hoffmann, Generalsekretär des Verbands der Schweizer Polizeibeamten: «In der Schweiz fehlen rund 8000 Polizeibeamte, um einen europäischen Durchschnitt zu erreichen.» Von 8000 mehr Polizeistellen ist die Schweiz aber weit entfernt. Bis 2017 sollen in den kantonalen Polizeikorps 684 neue Stellen geschaffen werden.

Ein Blick in die letzte polizeiliche Kriminalitätsstatistik aus dem Jahr 2011 zeigt, dass im Vergleich zum Jahr 2010 die Straftaten im Sinne des Strafgesetzbuches um sechs Prozent zugenommen haben. Besonders stark war der Anstieg bei den Diebstählen (+16 Prozent). Auffällige Zunahmen gab es in den Grenzkantonen Genf (+13%), Waadt (+13%) und Basel-Stadt (+11%). Kombiniert mit der chronischen Unterbesetzung der Schweizer Polizeikorps bietet das Thema «Sicherheit im öffentlichen Raum» grosses Diskussionspotenzial.

Während die meisten mehr Polizeipräsenz fordern, orten andere die Lösung bei der Bürgerwehr. Tatsächlich gibt es in einigen Schweizer Gemeinden Bürgerpatrouillen. Beispiele sind Hirschtal AG, wo die freiwillige Feuerwehr patrouilliert, in den Zürcher Gemeinden Volketswil, Wila, Russikon oder Lindau (mehr dazu ab Seite 18) sind es Einwohner und Einwohnerinnen. Genauso wie in Amriswil TG oder Ebikon LU.

Ulrich König, Direktor des Schweizerischen Gemeindeverbands, hat seine Vorbehalte, was das Thema Bürgerwehr angeht: «Das sind meistens Leute ohne entsprechende Ausbildung, die folglich nicht mit kritischen Situationen vertraut sind.» In wie vielen Gemeinden eine Bürgerwehr unterwegs ist, weiss König nicht: «Solche Fakten werden gesamtschweizerisch leider nicht erfasst.»

Fragt man bei den einzelnen Gemeinden an, so ist der Aufgabenbereich der aufmerksamen Freiwilligen sehr breit: kaputte Strassenbeleuchtungen notieren, Äste auf Fahrbahnen beseitigen, offen stehende Fenster den Hausbesitzern melden, johlende Fussballfans um Ruhe bitten oder einfach nur mit einer Leuchtweste bekleidet durch die dunklen Dorfstrassen spazieren.

FÜR MEHR POLIZEI UND WENIGER PRIVATE SICHERHEITSFIRMEN

Die wichtgsten Resultate der Vimentis-Umfrage zum Thema Innere Sicherheit:

Zwei Drittel möchten die Polizei aufstocken
Zwei Drittel möchten die Polizei aufstocken, über 50% wünschen auch mehr Polizeipräsenz.


Die Fragen zur Bürgerwehr, Kompetenzen privater Sicherheitsfirmen und Erhöhung des kantonalen Polizeibestands:

Die Umfrage-Ergebnisse zu Bürgerwehren
Die Umfrage-Ergebnisse zu Bürgerwehren und deren Kompetenzen (blau: JA / schwarz: NEIN / hellblau: WEISS NICHT)


WEITERE VIMENTIS-UMFRAGEERGEBNISSE

Links: Für wie sicher halten Sie Ihre Rente und sollen die AHV-Beiträge erhöht werden?
Rechts: Soll die verdichtete Bauweise staatlich gefördert werden und benötigen Eltern obligatorische Erziehungskurse?

Für wie sicher halten Sie Ihre Rente und sollen die AHV-Beiträge erhöht werden?
Für wie sicher halten Sie Ihre Rente und sollen die AHV-Beiträge erhöht werden? (blau: JA / schwarz: NEIN / hellblau: WEISS NICHT)
Soll die verdichtete Bauweise staatlich gefördert werden und benötigen Eltern obligatorische Erziehungskurse?
Soll die verdichtete Bauweise staatlich gefördert werden und benötigen Eltern obligatorische Erziehungskurse? (blau: JA / schwarz: NEIN / hellblau: WEISS NICHT)

Autor: Nathalie Bursać