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05. August 2013

Wer die Frauen einbezieht, gewinnt

In der Serie «Jungpolitiker über Dutti» beantworten fünf Nationalräte von CVP, FDP, Grüne, SP und SVP unter 35 Jahren dieselben acht Fragen. Diesmal mit Martin Candinas (32), CVP-Nationalrat, Graubünden.

Martin Candinas
Martin Candinas (32), CVP-Nationalrat, Graubünden. (Bild zVg)

Was kommt Ihnen spontan in den Sinn, wenn Sie den Namen Gottlieb Duttweiler hören?

Natürlich die Migros. Duttweiler war Pionier und Macher zugleich. Er hatte eine Idee und setzte sie um. Solche Unternehmer sind rar geworden.

Wie stehen Sie zur Politik, die er zeit seines Lebens gemacht hat?

Er hat stets den Menschen in den Mittelpunkt gestellt und politisierte sehr sozialwirtschaftlich. Darüber hinaus setzte er sich heftig für die Armee ein. Vom letzten Punkt abgesehen, kann ich mich durchaus mit seiner Politik identifizieren.

Beeinflusst Duttweiler Ihre politische Arbeit oder die Art des Politisierens?

Ich sehe ihn weniger als Vorbild, obwohl ich seine Ideen noch heute faszinierend finde. Er hat es verstanden, das Volk einzubeziehen und ein Gesamtprodukt, bestehend aus Lebensmitteln, Bankdienstleistungen, Bildungsangeboten, Treibstoff etc., anzubieten. Darüber hinaus überzeugte er durch das Alkoholverkaufsverbot die Frauen. Und wenn Frauen zu etwas Ja sagen, hat man schon gewonnen.

Es gibt ein berühmtes Zitat von ihm: «Wir glauben, dass in der kommenden Zeit nur ein Kapitalismus sich behaupten kann und muss, der sich über soziale Leistungen ausweist.» Stimmen Sie zu?

Ja! Er wollte die Nummer 1 werden, aber verfolgte dieses Ziel nicht mit allen Mitteln. Er war ein typischer Patron, wie es sie in grossen Firmen leider immer weniger gibt. Unternehmer denken heute vielfach zu kurzfristig.

Duttweiler warf eine Fensterscheibe beim Bundeshaus ein, weil der Nationalrat einen seiner Vorstösse verschleppte. Haben Sie auch noch einen kleinen Revoluzzer in sich?

Nein, für solche Sachen habe ich wenig Verständnis. Er war wahrscheinlich ein ungeduldiger Mensch und wollte seine Vorstellungen vielleicht zu schnell umsetzen. Man muss manchmal akzeptieren, dass es bei gewissen Entscheiden einfach länger dauert. Es war sicherlich keine Heldentat von ihm.

Sehen Sie heute eine ähnliche Figur in der Schweizer Politik, wie sie Duttweiler war?

Gute Frage. Es gibt, wie schon gesagt, immer weniger Wirtschaftsführer, die auch Patrons sind und sich gleichzeitig politisch engagieren. Solche Personen fehlen mir. Bei einem Peter Spuhler sehe ich ähnliche Eigenschaften.

Bei welchen Themen würde er sich heute besonders engagieren?

Bestimmt wäre ihm die Wohnsituation ein Dorn im Auge. Ich bin überzeugt, dass er den genossenschaftlichen Wohnungsbau fördern würde.

Würde Gottlieb Duttweiler gut in die heutige CVP passen?

Aber unbedingt. Ich frage mich, wieso er damals eigentlich nicht zur CVP gegangen ist. Es hätte perfekt gepasst. Ihm wie uns sind Glaubwürdigkeit, Transparenz und Eigenverantwortung sehr wichtig. Beide setzen den Mensch im Mittelpunkt jedes Handelns.

In der Serie «Jungpolitiker über Dutti» beantworten fünf Nationalräte von CVP, FDP, Grüne, SP und SVP unter 35 Jahren dieselben acht Fragen. Die nächste Folge mit FDP-Nationalrat Andrea Caroni .

Autor: Reto Vogt