Archiv
23. Januar 2017

Wenn Terrierdame Polly mit Stefan segeln geht

Polly ist reiseerprobt. Von klein auf ist sie mit Stefan Boden über die Meere gesegelt. Doch für Hundebesitzer ist es oft nicht einfach, die Ferien mit dem Tier zu planen. Meist stellt sich die Frage: Darf der Hund mit?

Stephan Boden mit Terrierdame Polly
Vier Augen sehen mehr: Stephan Boden mit Terrierdame Polly.

Für viele Hundehalter ist von vornherein klar, dass ihr Tier in die Ferien mitkommen muss. Also wird sorgfältig geplant und abgeklärt. Es gibt Reiseziele, die für Hunde nicht geeignet sind, beispielsweise extrem heisse Länder. Und ist der Vierbeiner beim Reisen gestresst, bleibt er auch besser in der Obhut von Familienangehörigen oder in einem Hundehotel. Kleine, leichte Hunde sind übrigens klar im Vorteil: Wenn sie in einer Tasche reisen können, sind kaum Grenzen gesetzt, denn sie dürfen auch im Passagierraum mitfliegen.

Zu den weiteren Abklärungen zählen die Art der Ferien (Strand, Stadt, Wandern etc.) und die Regeln vor Ort. Viele Hotels nehmen zum Beispiel keine Hunde auf, Strände sind für die Tiere gesperrt, es besteht Maulkorbpflicht und so weiter. Innerhalb der EU sind immerhin die Impfungen einheitlich geregelt, aber es lohnt sich dennoch, beim Tierarzt die aktuellsten Informationen einzuholen. Wer aus einem Tollwutland in die Schweiz zurückkehrt, muss ebenfalls Vorschriften beachten.

Zu den beliebtesten Ländern für Hundefreunde zählen – wer hätte es nicht geahnt – die Schweiz, Deutschland und Österreich. Da bepackt man das Auto, und los geht der Ferienspass! Auch Reisen mit der Bahn sind kein Problem, aber man bedenke, dass die Hundeausrüstung das Gepäck ziemlich belastet. Da am Ferienort für den Hund alles fremd ist und das Hotelzimmer vielleicht eigenartig duftet, sollten zumindest seine Sachen die gewohnten sein.
Ein wahres Hundeparadies sind Strände – es sei denn, an offiziellen Stränden gilt ein Hundeverbot, etwa in Italien. Wer Ferien im Süden plant, sollte ohnehin bedenken, dass die Hitze dem Hund nicht gut bekommt. Diesbezüglich eignet sich der Norden Deutschlands hervorragend, und die Hundestrände sind auch gut gekennzeichnet. Dort dürfen die Vierbeiner dann ohne Leine das Herumtoben geniessen.

Den Hund auf ein Hausboot mitzunehmen, ist für die meisten Bootsvermieter kein Problem. Man sollte einfach das Boot gross genug wählen. Dass man mit Hund sogar segeln kann, beweist Stephan Boden (49). Der Werbefachmann, Segler und Filmer unternimmt wirklich alles zusammen mit seiner Parson-Russell-Terrier-Dame Polly (10). Sie ist von klein auf an Boote gewöhnt worden und begleitet Herrchen auf allen Segeltörns. Wie das funktioniert und für welche Probleme Stephan Boden Lösungen finden musste, hat er in seinem Buch sehr amüsant festgehalten: «EinHundSegeln». Nicht jeder Hund ist zum Segeln geboren, doch es sei «letztlich kein Unterschied, ob man Hunde, Kinder, Frau oder Freunde an das Bordleben gewöhnt», so Stephan Boden. Sein reich bebildertes Buch samt DVD (mit Polly-Filmen) sorgt auch bei Nichthundebesitzern und Nichtseglern für manch heiteren Moment.

Endlose Hundestrände auf Sylt

Manchmal bestimmt auch die Grösse des Hundes die Feriendestination. Wenn Sandra Fesser-Kindel (36) mit ihrer Deutschen Dogge Byron (7) Ferien machen will, sieht die Planung anders aus als bei Miriam Kozak (37) mit Flat-Coated-Retriever Suki (6) oder Regula Bieri (39) mit Chihahua-Dame Roxy (13).

Sandra Fesser-Kindel auf Sylt mit Dogge Byron
Sandra Fesser-Kindel auf Sylt: Dogge Byron liebt die langen Strände (Bild: www.brigittekreisl.ch).

Sandra Fesser-Kindel, die als Coach und HR-Consultant in Zürich arbeitet und im Aargau wohnt, hat in Deutschland die besten Erfahrungen gesammelt. Speziell auf Sylt mit den schier endlosen Stränden. Hier gibt es zudem viele hundefreundliche Hotels und Ferienwohnungen. Und: «Wenn man vor Ort auch noch einen Dogsitter buchen kann, ist das sehr angenehm», erzählt Fesser-Kindel, «wenn ich Zeit im Spa verbringe, bin ich viel entspannter. Byron hat es zwar noch nie getan, aber so ein Hund könnte während dreier Stunden schon auf die Idee kommen, das Zimmer umzudekorieren.» Dem Hund zuliebe reist sie deshalb mit dem Auto, und sie würde nie eine Städtereise planen: «Da geht es stundenlang über Asphalt und durch Menschenmengen, und auch Museen findet Byron todlangweilig.»

Miriam Kozak reist mit Suki ins Südtirol (Bild: Miriam Kozak).
Miriam Kozak reist mit Flat-Coated-Retrieverdame Suki am liebsten ins Südtirol.

Eine, die sich mit Hunden bestens auskennt, ist Miriam Kozak, Hundetrainerin aus Zürich. Bei ihr steht das Südtirol hoch im Kurs: «Dort haben die Leute weniger Berührungsängste gegenüber Hunden, vielleicht weil die Südtiroler der Natur etwas näher sind», schwärmt sie. In den öffentlichen Verkehrsmitteln nehme man es mit der Maulkorbpflicht nicht immer ganz so streng, und auch in den Hotels sei man sehr entgegenkommend, erzählt die Besitzerin einer Flat-Coated-Retriever-Hündin. Miriams Tipp für angehende Hundehalter mit Feriengelüsten: «Man sollte den Hund von klein auf zu Ausflügen mitnehmen, eine Nacht im Hotel testen und ihn langsam daran gewöhnen, dass es nicht überall wie zu Hause ist.»

Regula Bieri reist viel mit Chihuahua Roxy
Regula Bieri reist viel mit ihrer Chihuahua-Hündin Roxy.

Auch wer einen ganz kleinen Hund hat, muss die Ferien vorbereiten. Die knapp vier Kilo «schwere» Roxy darf mit fast jeder Airline im Passagierraum mitfliegen. «Doch man muss das vor jedem Flug abklären und den Hund auch anmelden», erzählt Regula Bieri, die als administrative Mitarbeiterin bei der Susy-Utzinger-Stiftung für Tierschutz arbeitet und die Broschüre «Ferien mit dem Hund» empfiehlt (siehe Tipps). Roxy ist mit ihren 13 Jahren eine erfahrene Fliegerin und hat
sich an ihre Transporttasche gewöhnt. «Eine bewegliche Tasche ist übrigens besser als eine starre Box, und der Boden muss wasserdicht sein», verrät die Zürcher Oberländerin. Apropos «Hinterlassenschaften»: Kein Problem, findet Regula Bieri. «Ich habe Roxy beigebracht, auf Kommando Pipi zu machen.»

Hund soll keinen Stress haben

In den meisten Hotels ist im Restaurant Schluss mit der Hundefreundlichkeit. Es gibt Gäste, die während des Essens keinen Hund in der Nähe dulden. Das ist auch im Hotel Paradies in Ftan GR nicht anders. Aber Hoteldirektorin Meike Bambach (48), ebenfalls Hundehalterin, hat für beide Seiten Verständnis. «Das Kaminzimmer hat immer als Ausweichmöglichkeit für Gäste mit Hunden gedient, das wird auch nach dem Umbau so sein», erzählt sie, «und wenn der Vierbeiner nicht ruhig auf dem Zimmer bleibt, während der Gast Wellness geniesst, kann der Hund an der Rezeption abgegeben werden.»
Für Hundehalter ist eh klar: Ferien sind nur dann toll, wenn der Hund keinen Stress hat. 

Regula Bieri reist viel mit ihrer Chihuahua-Hündin Roxy.

Tierisch gute Adressen

HUNDEFREUNDLICHE HOTELS

Engadin: Hotel Paradies, 7551 Ftan GR
Kosten für die Hunde:
Fr. 50.–/Nacht; bei zwei Hunden oder Aufenthalt länger als fünf Nächten: Fr. 35.–/Nase.
Hier sind Hunde nicht nur willkommen, sondern erwünscht. Wer mag, kann seinen Hund vom Küchenteam bekochen lassen.
www.paradieshotel.ch

Sylt:Alte Strandvogtei, Merret-Lassen-Wai 6, D-25980 Rantum, Sylt
Kosten: 10 Euro/Nacht/Nase (Hunde müssen vorher angemeldet werden).
Auf der Website sind viele nützliche Sylt-Tipps zu finden, insbesondere was die Strände betrifft.
www.alte-strandvogtei.de

Südtirol: Hotel Muchele in Burgstall bei Meran Hunde nach Absprache erlaubt.
Kosten: 15 Euro/Nacht ohne Futter.
Im Speisesaal und im Garten sind Hunde nicht erlaubt, Leinenpflicht.
www.muchele.com BUCHTIPPS

«Hotelführer für Zwei-und Vierbeiner – Tierfreundliche Unterkünfte in europäischen Ländern», bei Ex Libris für Fr. 15.90;
«EinHundSegeln» von Stephan Boden, bei Ex Libris für Fr. 23.60

ALLGEMEINE INFOS

www.susyutzinger.ch/de
www.4pfoten-urlaub.de www.petfinder.ch

Autor: Inge Jucker

Fotograf: Inge Jucker