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27. Mai 2013

Wenn Kinder einsam sind

Hat ein Kind keine Freunde, stecken dahinter meist tiefere Gründe. In dieser Situation ist es wichtig, dass die Eltern richtig reagieren.

Trauriges Mädchen, das sehnsüchtig aus dem Fenster schaut
Traurige Kleine: Am freien Nachmittag alleine statt mit den Gschpänli unterwegs. (Bild: Getty Images/Steven Errico)

ALLEINSEIN IST COOL
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Sich zum Fussballspielen treffen, stundenlang im Kinderzimmer tuscheln oder auf einer Schnitzeljagd durchs Quartier streifen: Das macht Kindern unheimlich Spass. Doch nicht jedes Kind hat Freunde, mit denen es solch unbeschwerte Stunden verbringen kann. Es gibt Kinder, die an ihren freien Nachmittagen zu Hause sitzen, einsam und alleine.

Wie können Eltern ihren Nachwuchs in einer solchen Situation unterstützen? Zuerst sollte man sich Gedanken über das Warum machen. «Bitten Sie die Krippenleiterin, eine Lehrkraft oder andere Personen, die das Kind gut kennen, um eine Einschätzung», rät Entwicklungspsychologin Françoise Alsaker (63) von der Universität Bern. Und natürlich sollte man auch das Kind nach seiner Meinung fragen. Nach solchen Gesprächen stellen die Eltern zuweilen fest, dass das Problem gar nicht so gross ist: «Manche Kinder sind nach dem Schultag gern alleine, haben weniger grosse soziale Bedürfnisse und wissen durchaus sich mit sich selber zu beschäftigen. Andere wiederum haben vielleicht einfach keinen besten Freund, sind aber ansonsten gut in der Gruppe integriert», sagt Françoise Alsaker.

Wird das Kind ausgeschlossen, ist der Handlungsbedarf gross

Hellhörig sollte man werden, wenn sich das Kind zu sehr zurückzieht und offensichtlich unter Einsamkeit leidet. Dann ist Handeln angesagt. Eltern können ihre Kinder bei der Suche nach Freunden unterstützen, indem sie soziale Situationen gezielt herbeiführen: «Konkret kann dies der Vorschlag sein, ein anderes Kind nach Hause einzuladen, in einem Sportverein zu schnuppern oder eine andere Aktivität zu unternehmen», so Françoise Alsaker. Wichtig dabei sei jedoch, dass das Kind nicht überfordert werde. «Gerade sehr schüchterne Kinder können sich nur für das Mitmachen in einer Gruppe begeistern, wenn sie dort schon jemanden kennen.» Wird das Kind von seinen Schulkameraden gezielt ausgeschlossen, ist der Handlungsbedarf besonders gross: «Mobbing ist kein Kinderspiel», zitiert Alsaker den Titel eines von ihr mitverfassten Arbeitshefts gegen sozialen Ausschluss. Täter wie Opfer brauchen in dieser Situation Unterstützung durch Erwachsene. Hier seien vor allem die Lehrpersonen gefordert, die mit stufengerechten Methoden in die negative Gruppendynamik eingreifen sollten.

Manchmal müssen Eltern auch feststellen, dass ihr Kind von Gleichaltrigen gemieden wird, weil es die nötigen sozialen Kompetenzen nicht mitbringt — und zum Beispiel schnell aggressiv wird, nicht verlieren kann oder andere grundlegende Verhaltensregeln missachtet: «Auf keinen Fall sollten sich Erwachsene in solchen Situationen zu Schuldzuweisungen hinreissen lassen», sagt Alsaker. Hier sei es wichtig, positiv zu bleiben und konstruktive Lösungen vorzuschlagen. Damit auch kontaktarme Kinder beim Spielen nicht mehr im Abseits stehen.

Autor: Andrea Freiermuth