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07. Mai 2012

«Wenn ich zu wenig Sport mache, habe ich miese Laune»

Einige Mädchen der Primarschule Grafenried BE starten am 10. Juni am Schweizer Frauenlauf in Bern. Wie wichtig ist ihnen Sport? Und wie halten sie sich fit? Besuch einer Turnstunde.

Fangen, Burgball, Völkerball – die Mädchen spielen und rennen gerne im Sportunterricht.
Fangen, Burgball, Völkerball – die Mädchen spielen und rennen gerne im Sportunterricht. 
Für sie ist das eine willkommene Abwechslung zu anderen Fächern wie Mathematik und Englisch, 
bei denen man still sitzen muss.

Laut kreischend rennen die Mädchen durch die Turnhalle. Livia Suter streicht sich eine Haarsträhne aus dem verschwitzten Gesicht. Nur für einen kurzen Moment ist die Zwölfjährige unaufmerksam — schon ist es passiert. Blitzschnell zieht Leonie Kaufmann (12) das gelbe Band aus Livias Hosenbund. «Erwischt!», ruft sie und grinst. Livia ist raus aus dem Spiel. Ein Grund, sauer zu sein? Nein, nach der Sportstunde werden sich die Mädchen lachend abklatschen. Sie spielen gerne.

65 Kinder und Jugendliche besuchen die Primarschule in Grafenried BE, 19 von ihnen gehen in die 5. und 6. Klasse, 12 davon sind Mädchen. Drei Schulstunden Sport pro Woche stehen auf dem Lehrplan.

Leonie mag es, wenn im Sportunterricht Spiele gespielt werden, wie Völkerball oder Burgball. Fussball hingegen kann sie nicht leiden. Livia läuft gerne, Hürdenlauf mag die 13-Jährige besonders gern. Früher war Livia denn auch Mitglied in einem Leichtathletikverein. Fürs Training fuhren ihre Eltern sie extra bis nach Bern. Das habe zwar Spass gemacht, aber jetzt wolle sie mehr Zeit mit ihren Freundinnen verbringen. Die gehen ein- bis zweimal pro Woche ins Jugi. Aber selbst dort machen die Mädchen viel Sport, spielen Volleyball oder Fussball, erzählt sie.

47 Prozent treiben mehr als drei Stunden Sport pro Woche
Sportlehrerin Fabienne Teuber (25) schätzt ihre Schüler als überdurchschnittlich sportlich ein. «Alle bewegen sich auch in ihrer Freizeit gern und viel», sagt sie. Auch der 2008 erstellte Kinder- und Jugendbericht des Bundesamts für Sport (Baspo) stellt Schweizer Kindern und Jugendlichen in Sachen Bewegung ein gutes Zeugnis aus. Demnach lag der Anteil der befragten Schüler, die im Alter von zehn bis 14 Jahren zusätzlich zum Sportunterricht mehr als drei Stunden Sport pro Woche treiben, bei 47 Prozent. Weitere 39 Prozent kommen immerhin auf bis zu drei Stunden, während sich gerade einmal 14 Prozent ausserhalb des obligatorischen Sportunterrichts so gut wie gar nicht bewegen.

Als regelrechte Sportskanonen können sich Alena Hollenstein (13) und Lélia Rochert (13) bezeichnen: Velo fahren, Trampolin springen, Schwimmen, Reiten, Tanzen, Joggen. «Ich finde Sport cool. Es gibt kaum einen Nachmittag, an dem ich gar nichts mache», betont Lélia. Die 13-Jährige möchte fit sein, nicht dick werden. «Aber wichtiger, als gut auszusehen, ist der Spass, den man dabei hat. Wenn ich zu wenig Sport mache, habe ich miese Laune», sagt sie und lacht. Leonie und Livia dagegen nehmen den Sport nicht ganz so wichtig. «Natürlich macht es Spass, sich zu bewegen, aber meine Freundinnen sind mir wichtiger», hält Livia fest. Gemeinsam shoppen gehen, über Jungs und andere Mädchenthemen reden, das findet auch Leonie toll.

Während in der Kindheit die sportliche Aktivität kontinuierlich zunimmt, geht sie im Jugendalter in Wellen zurück. Am aktivsten sind die Zwölfjährigen, der erste regelrechte «Aktivitätsknick» ist bei den 13-Jährigen, der zweite bei den 17-Jährigen zu verzeichnen. Dann, wenn Schulwechsel anstehen, Kollegen sowie Buben — beziehungsweise Mädchen — immer wichtiger werden. Gemäss dem Sportbericht des Baspo bezeichneten sich bereits rund ein Fünftel (18 Prozent) der befragten 15- bis 19-Jährigen als sportlich völlig inaktiv.

In Grafenried sind auch die älteren Jugendlichen fit
In ländlichen Regionen wie Grafenried scheint diese Entwicklung nicht ganz so dramatisch zu verlaufen. Hier sind auch die älteren Jugendlichen fit: Livias Brüder sind 15 und 18, beide spielen Fussball. Leonies 15-jährige Schwester geht zum Kickboxen, Alenas ältere Schwestern reiten. «Ich kann mir nicht vorstellen, irgendwann keinen Sport mehr zu machen», sagt Alena bestimmt.

Das tut die Migros

Die Migros verspricht, als Hauptsponsorin bis 2015 jedes Jahr Laufveranstaltungen für über 200 000 Sportler zu ermöglichen und junge Sportler zu unterstützen. So starten dank der Initiative I’M fit jedes Jahr rund 475 Schulklassen gratis, das sind etwa 5500 Teilnehmende. Beim Schweizer Frauenlauf am 10. Juni offeriert die Migros den ersten 30 angemeldeten Jugendgruppen je 20 Freistarts inklusive Anreise nach Bern. I’M fit ist eine Initiative der Migros, die Jugendliche zum gemeinsamen Aktivsein animiert und aufzeigt, wie wichtig Bewegung und ausgewogene Ernährung sind. Mit dem praktischen Trainings- und Ernährungsratgeber von I’M fit bringt sich jeder in Form. Infos: www.migros.ch/i-m-fit

Für Mitläuferinnen: der 26. Schweizer Frauenlauf in Bern

Der Schweizer Frauenlauf in Bern
Der Schweizer Frauenlauf in Bern

1987 fand der erste Frauenlauf in Bern statt, damals mit rund 2000 Teilnehmerinnen. 2005 waren es schon über 14 500. Mittlerweile ist der Frauenlauf der grösste Frauensportanlass der Schweiz. Dieses Jahr findet er zum 26. Mal statt, und zwar am 10. Juni. Auch junge Laufbegeisterte ab sieben Jahren können mit von der Partie sein. Beim Girls Sprint absolvieren die Mädchen eine Strecke von 500 Metern. Bei der Kategorie Girls Meile haben Mädchen die Möglichkeit, über die Distanz von einer Meile (1,6 km) zu starten. Und wer sich richtig fit fühlt, kann am Fünf- beziehungsweise Zehn-Kilometer-Lauf teilnehmen.

Der Frauenlauf unterstützt in diesem Jahr unter dem Motto «Schritt um Schritt für Diabetes» die Schweizerische Diabetes-Gesellschaft. Eine Onlineanmeldung ist noch bis zum 30. Mai möglich.

www.frauenlauf.ch

Autor: Evelin Hartmann, Vera Hartmann