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05. Mai 2014

Wenn Fremde zahlen

Coole Idee, aber kein Cash? Wer die anonyme Masse mobilisiert, kratzt im besten Fall sogar mehr Kohle zusammen, als eigentlich nötig ist. Das Zauberwort heisst Crowdfunding. Rechts finden Sie zwei Beispiele für realisierte Träume: einen Laden und einen Online-Shop.

Wemakeit.ch Crowdfunding
Typisches Crowdfunding-Projekt, das sehr gut funktioniert (Screenshot).

Jemand gibt Ihnen Geld, damit Sie ein Projekt umsetzen. Sie kennen diesen Jemand nicht. Der Investor ist weder ein Verwandter noch ein Freund, sondern ein Fremder, der Ihre Idee unterstützenswert findet. Unrealistisch? Zu schön, um wahr zu sein? Es kommt darauf an.

Das Geldsammeln funktioniert natürlich nicht, wenn Sie jeden Abend in der Beiz zehn Chübeli kippen möchten und dafür einen Sponsor suchen. Wollen Sie hingegen einen Kurzfilm über ein Spital in St-Jean de Dieu de Tanguiéta in Benin drehen, sind die Chancen durchaus intakt. Der Künstler sammelte über 5000 Franken dafür.

Woher kommt das Geld?

Einen einzigen Spender für diesen Betrag zu finden, dürfte ein schwieriges Unterfangen sein. Es fällt ein Vielfaches leichter, 500 Unterstützer zu finden, die je 100 Franken zusagen. Genau nach diesem Prinzip funktionieren Crowdfunding-Plattformen wie Wemakeit.ch oder 100-Days.net , die zu den grössten in der Schweiz zählen.

Wemakeit (Name kommt von We-make-it) hat seit seiner Gründung vor zwei Jahren laut eigenen Angaben über 550 Projekte mit vier Millionen Franken finanziert. Die Erfolgsquote sei mit 66 Prozent aussergewöhnlich hoch. Auch bei 100-Days.net wird fleissig investiert: Ein Start-up-Unternehmen, das einen dynamischen Stuhl bauen will, hat 27’220 Franken zusammengekratzt – aktuell der höchste Betrag bei laufenden Projekten.

Für wen sich Crowdfunding eignet

Wer sich karitativ engagiert oder künstlerisch tätig ist, hat die besten Aussichten auf Erfolg. Junge Musiker und Fotografen, Radiomacher und Filmregisseure, sportlich Aktive oder Helfer in der Not: Wer die ausgeschriebenen Projekte anklickt, findet eine bunte Vielfalt an Menschen, die coole Ideen, aber kein Cash haben.

Umgekehrt lohnt sich das Mitmachen auch für die Geldgeber: Wer zahlt, investiert nicht in ein Fass ohne Boden. Abhängig vom Betrag gibts sowohl bei Wemakeit als auch bei 100-Days.net eine Gegenleistung. Das fängt bei der Berner Band «Eeli» zum Beispiel mit dem Kauf einer Musik-CD für 19 Franken an und hört beim Privatkonzert für 999 Franken auf.

Links zu den wichtigsten Crowdfunding-Plattformen

100-Days.net Wemakeit.ch Projektstarter.ch iBelieveInYou.ch Crowdfundingnow.ch C-Crowd.com

Autor: Reto Vogt