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13. November 2014

Wenn der Rosmarin ans Fenster klopft

Geschichten aus dem Novembergarten.

Besuch am Efeu
Besuch am Efeu
Lesezeit 2 Minuten

Wenn der Rosmarin ans Fenster klopft, hat er im Kräutergarten vor dem Haus exakt die Höhe von 2 Metern 20 erreicht. Die anderen Gewürzpflanzen sind sichtbar stolz auf ihren stämmigen Mitbewohner und versuchen ihm nachzueifern, nur der Isop scheint etwas neidisch zu sein und wirft einige seiner Blättchen trotzig auf den Boden.

Montag, 3. November 2014: Eigentlich ein Tag zum vergessen, schreibe ich in mein Gartenbuch. Kalt, neblig und es regnet in Bindfäden. Es ist 7 Uhr am Morgen, ich öffne das Fenster, um zu lüften, und schon wird es interessant. Ein gut genährter, stattlicher Igel, eben aus der Hecke kommend, eilt in zügigem Igeltrab, mit einer Ladung Laub, dem angrenzenden Holzschopf zu. Aha, für ihn war wohl die Nacht etwas zu kurz, dass er noch bei Tagesanbruch an der Arbeit ist, um sein Winterlager einzurichten. Immer wieder taucht er geschäftig auf, holt hier noch ein paar Zweige, dort noch einige Blätter und versorgt alles unter den Paletten des Holzlagers. Er hat es ziemlich eilig, und doch bleibt noch Zeit, eine kleine Zwischenmalzeit einzunehmen, ein Wurm oder eine Schnecke war es vielleicht, danach wird zügig weitergearbeitet.

Nach einer guten halben Stunde, es ist jetzt schon recht hell geworden, bleibt er in seinem Unterstand und lässt sich nicht mehr blicken.
Ich hole aus dem Winterlager unserer Schildkröten, die bereits tief schlafen, eine Handvoll Heu, und lege es dem Stachelpelz vor die 'Haustür'.
Am nächsten Morgen hat er es sauber weggeräumt. Also bekommt er nochmals eine Ladung geliefert, auch diese ist in der Nacht wieder abgeholt worden. Jetzt, glaube ich, hat er mit zwei Ster Holz und einem wasserdichten Dach über sich eine 5-Stern-Residenz für die kalten Wintermonate zur Verfügung.
An schlafen denkt er offensichtlich noch in keiner Weise, denn seine Hinterlassenschaften rund ums Haus, (ein WC hat er sich wohl nicht eingerichtet) verraten, dass er noch jede Nacht im Garten unterwegs ist.

Dem Volk der Deutschen Wespe, das seit dem Frühling bei uns im Hausdach unter den Ziegeln eingemietet war, geht es weniger gut. Die Zahl der Arbeiterinnen hat abgenommen und es tauchen immer mehr Männchen auf, die sich gerne am noch blühenden Efeu aufhalten. Das kündet den Untergang des Wespenstaates an, nur die jungen befruchteten Königinnen werden überwintern.

Wie jeden Herbst ist auch wieder ein Rotkelchen im Garten eingetroffen. Rotkehlchen sind in den Wintermonaten Einzelgänger und schliessen sich nicht, wie viele andere Singvögel, zu grösseren Schwärmen zusammen. Der kleine Vogel verteidigt sein Winterrevier mit grossem Eifer. Sein Gesang, ein Mittel der Reviermarkierung, ist dadurch auch im Winter zu hören.

Ein Trupp Distelfinken turnt an den Samenständen der Nachtkerzen herum, die wir extra für sie stehen gelassen haben.
Auch im November könnte man sich im Garten glatt vergessen, wären da nicht die Arbeiten, die in der Werkstatt warten. Service am Rasenmäher, entrosten von Tischbeinen, auffrischen und reparieren von Gartenstühlen, ersetzen der Abdeckung vom Regenfass …

Hoffentlich wird der Winter lang genug, um den ganzen Arbeitsvorrat abzubauen, denn der nächste Frühling kommt bestimmt!! ;-)