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15. August 2016

Wenn das Idol plötzlich alles ist

Bei den meisten Kindern kommt die Zeit, wo sie einem Musikstar oder einer Band verfallen. Das ist gut so, doch Eltern sollten genau hinschauen und wenn nötig intervenieren. Für wen fant Ihr Kind? Die Typen mit ihren Eigenheiten.

Das Zimmer ist mit Star-Ikonen tapeziert
Fester Bestandteil der Teenagerphase: Das Zimmer ist mit Star-Ikonen tapeziert. (Bild: depositphotos)

Die 14-jährige Sara hört in jeder freien Minute Musik «ihrer» Rockband, schaut ständig deren Videos und chattet im Fanclub. Als sie eine Wand mit Postern volltapezierte, hatte Mutter Tina ja noch Verständnis. Doch nun ist sie besorgt: Immer häufiger vertreibt ihre Tochter ganze Nachmittage «mit» ihren Stars und vergisst dabei, ihre Schulaufgaben zu machen.

Extreme Begeisterungsfähigkeit gehört zum Teenageralter. «Sich auf etwas zu stürzen, ist Teil der Identitätssuche und -findung», erklärt Barbara Wüthrich (42) von der Elternberatung Pro Juventute. «Idole können den Kindern Halt geben, bis sie einen Schritt weiter sind.» Es ist eine Frage des Masses, ob sich Eltern Sorgen machen müssen. «Wenn das Kind den Realitätsbezug verliert, sich nur noch mit seinem Fan-Sein beschäftigt und nichts mehr nebendran Platz hat, kann dies gefährlich werden», sagt Wüthrich.

Andere Eltern sorgen sich um den Fankult ihrer Teenager, weil deren Lieblingsbands extreme Werte vertreten. «Das können rechtsradikale Überzeugungen sein, gewaltverherrlichende Texte oder extreme politische Einstellungen.» In diesen Fällen können besorgte Eltern das Kind ruhig mit ihren Fragen und Sorgen konfrontieren. «Wichtig ist die Kontaktaufnahme mit dem Kind», sagt Barbara Wüthrich, «Interesse zu zeigen, nachzufragen und präsent zu sein.»

Auf jeden Fall sollte auch Tina nicht versuchen, ihre Tochter von ihrem Star abzubringen, dies wäre nur kontraproduktiv. Oft hilft einfach: Zeit verstreichen zu lassen, bis sich diese extreme Phase gelegt hat. 

Vergöttern oder nacheifern?

Von welchem Star oder Promi ist Ihr Kind angefressen? Handelt es sich eher um ein Vorbild, kann die Figur überhaupt etwas besonders gut, steht sie für etwas Spezielles?

Kinder und Jugendliche beginnen öfter mal, für Promis zu schwärmen, alles von ihnen zu verschlingen und z.B. Poster aufzuhängen. Dennoch gibt es ganz unterschiedliche Formen der Schwärmerei – hier die drei wichtigsten Typen mit ein paar Beispielen.

1. MEIN ENTFERNTER STERN: Besonders in der Musik, aber auch in anderen Bereichen von Unterhaltung und öffentlichem Leben finden Kinder Stoff zum Anhimmeln, ohne dass sie der Person, ihrem Tun oder Auftreten irgendwie (merklich) nacheifern. Die Bewunderung ist vielleicht umso grösser, weil man sich an der Figur nie messen will oder muss. Vielleicht ist sie deswegen aber auch austauschbarer?

2. MEIN VORBILD: Hier handelt es sich um den gegenteiligen Fan-Typ. Die oder der Jugendliche oder das Kind eifert einem herausragenden Vorbild nach. Die Figur sollte einem sympathisch sein, vor allem jedoch beherrscht sie etwas besonders gut, dass man unbedingt genauso können möchte. Klassisches Beispiel ist ein Fussballstar à la Cristiano Ronaldo für Fussball spielende Jungs.

3. MEIN ROLLENMODELL: Hier können Personen ganz unterschiedlichster Herkunft zum Zuge kommen. Gerade bei Kindern vor einsetzender Pubertät können es oft auch (ältere) Geschwister, die Eltern oder andere Menschen im engeren Umfeld sein, die sie bestens kennen. Hier geht es meist nicht um Fertigkeiten wie im Sport oder mit Musikinstrumenten, denen das Kind folgen möchte, sondern um eine bestimmte Art, sich zu geben, aufzutreten.
Welches Fan-Modell legt Ihr Kind an den Tag, und ist ein(e) Prominente(r) mit Vorbildfunktion gefährlicher oder harmloser?

Autor: Claudia Langenegger