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03. Januar 2017

Wenn das Gspänli Eltern nervt

Die besten Freunde unserer Kinder sind uns Eltern nicht immer sympathisch. Doch wie sollen wir damit umgehen? Ist es klug, sich einzumischen?

Zwei Buben trinken gemeinsam aus dem gleichen Glas.
Eltern müssen die Freunde ihrer Kinder nicht unbedingt mögen (Bild: Adie Bush/Getty Images).

David (9) hat seit Kurzem einen neuen Freund – Timo (9). Davids Mutter mag ihn nicht. «Er ist ein Besserwisser und hat manchmal einen Befehlston drauf», sagt sie. «Ich fände es super, wenn er mehr mit Luca spielen würde», sagt sie zu ihrem Mann. Er findet aber: «Lass ihn doch.» Luca ist der Nachbarsbub mit den coolen Eltern, zu denen sie einen guten Draht haben. Davids Mutter hat das Gefühl, dass sie ihren Sohn vor der etwas überheblichen Art von Timo schützen sollte, zweifelt aber, ob sie etwas sagen soll.

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«Passt ein Gspänli den Eltern nicht, weil es beispielsweise oft den Befehlston anschlägt, ist die wichtigste Frage: Leidet das Kind darunter oder nicht?», erklärt Annette Cina (45), Fachpsychologin am Institut für Familienforschung in Freiburg. «Das Kind wählt aber selbst, wen es zum besten Freund hat. Eltern sollten sich nicht einmischen.» Denn vielleicht stört sich das Kind gar nicht an dem Charakterzug, der die Eltern nervt, und sieht ganz andere Qualitäten in seinem Freund. «Das Kind lernt so auch, was ihm guttut und was nicht. Es hat ein Lernfeld», sagt Cina.

Respekt ist wichtig

Es gibt immer einen Grund dafür, wen ein Kind zum Freund oder zur Freundin kürt. Etwa, weil das Gspänli es beeindruckt, weil es so mutig oder kreativ ist, die gleichen Interessen hat, weil es sich bei ihm verstanden fühlt oder das Gefühl gibt dazuzugehören. Oder schlicht, weil das Kind einen besten Freund haben will.

Eltern müssen ein Gspänli ihres Kindes aber auch nicht rundum super finden. «Das ist wohl oft die Schwierigkeit der Eltern; sie denken, dass sie dieses Kind dann durchwegs sympathisch finden müssen.» Und sind dann hilflos, wenn dies nicht der Fall ist.

Eltern müssen ihre Sorgen und Bedenken aber keineswegs für sich behalten. «Am besten fragt man das Kind selbst, wie es ein bestimmtes Verhalten wie zum Beispiel das Herumdirigieren wahrnimmt», empfiehlt Psychologin Cina. So erfahren die Eltern, wie das Kind damit umgeht. Spricht man darüber, gibt dies den Erwachsenen Sicherheit. Es kann sein, dass es nur ihr eigenes Problem ist und nicht das des Kindes.

Wichtig ist der Respekt vor dem anderen Kind. Zu schimpfen oder gar eine Freundschaft zu verbieten, ist kontraproduktiv und kann schmerzhafte Folgen haben. Dann treffen sich die Kinder nämlich heimlich, oder aber es trifft der schlimmste aller Fälle ein: Das Kind verliert seinen Freund und hat gar keinen mehr.

Autor: Claudia Langenegger