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12. Januar 2015

Wenn das Baby kommt

Während der Schwangerschaft setzt sich jede Mutter mit dem Neuankömmling auseinander. Bestenfalls überlegt auch der Vater, was das Kind für ihn und die Familie bedeutet. Wie bereitet man sich vor, woran gilt es zu denken? Die Übersicht über die wichtigsten Fragen.

Das Schulprogramm mit dem Übungsbaby «Storch+» ( Bericht im Migros-Magazin vom 12. 1. 2015 ) ermöglicht Jugendlichen erste Kontakte mit einem Baby und dessen Anforderungen ans Betreuungsumfeld. Natürlich reichen solche Erfahrungen nicht aus, wenn sich bei einem Paar erstmals wirklich Nachwuchs ankündigt. Auch wenn keinesfalls immer alles auf Anhieb perfekt laufen muss, erfordert ein Baby doch verschiedene Vorbereitungen:
WAS SICH ÄNDERT

Die Verantwortung: Die meisten Erwachsenen werden mit der Geburt des ersten Kindes erstmals für jemand anderen als sich selbst verantwortlich. Das kann gewisse Ängste, sicher aber Unsicherheiten heraufbeschwören. Zu zweit sind diese sicher leichter zu meistern, doch auch dann heisst es, die grösseren Ängste im Voraus auszuräumen oder einzugrenzen. Fachpersonen wie Ärzte, Hebammen oder erfahrenen Eltern im Umfeld kommen diesbezüglich wichtige Rollen zu.

Zwischen den Partnern: Mit dem neuen Familienmitglied verändert sich die Beziehung zwischen Mutter und Vater zwangsläufig. In den meisten Fällen wird sie weder automatisch gefestigter noch viel brüchiger. Dennoch sollte sie die eine oder andere neue Belastung aushalten können – im Bewusstsein, dass das Kind auch neue Chancen bedeuten kann.
Zentral ist, dass beide sich auf die neue Rolle einstellen, und die Eckpunkte der Zusammenarbeit im Voraus besprechen und in Grundzügen klären können. Nach der Geburtbleibt dafür nur noch wenig Zeit.
WORAN DENKEN?

Babyzimmer und -material: Was es alles an Ausrüstung braucht, macht sicher nicht den schwierigsten Teil der Vorbereitung aus, ist aber dennoch nicht für alle selbstverständlich.
Zimmer, Bettchen, Kleider, Windeln, Kinderwagen/-tragtasche , Tragetuch, erstes altersgerechtes Spielzeug, Nuschi, (Stoff-)Tier usw.

Darob geht oft vergessen, dass das Gepäck für das Spital oder Geburtshaus (‚Klinikkoffer‘) schon vor dem Einsetzen der Wehen bereit stehen sollte. Oder eine Transportalternative verfügbar sein sollte, sollte der Partner noch voll arbeiten und vielleicht nicht schnell genug verfügbar sein.

Nahrung und Pflege: Was benötigt die Frau zum Stillen, ab wann gibts ergänzend welche Nahrung? Welche Vorrichtungen zum Abpumpen (inklusive Fläschchen) werden benötigt, sollte nicht genügend Muttermilch verfügbar sein?
Wann oder wie oft wird das Kleine gewickelt respektive gebadet?

Für die Säuglingspflege bestehen an einigen Orten Kursangebote für beide Elternteile, oft heissen sie «Mutter-/Vaterschule». Es ist darauf zu achten, dass sie möglichst von (diplomierten) Kinderpflegefachfrauen gegeben werden.

Organisatorisches: Soll die Geburt konventionell im Spital erfolgen, klassisch oder im Wasser, im heimischen Umfeld ohne Arzt? Wann wird ärztliche Unterstützung in Anspruch genommen, will man Angebote pränataler Diagnostik möglichst maximal oder überhaupt nicht nutzen (gibt es familiär gehäuft auftretende Risiken usw.)?

Wenn die werdende Mutter in der späten Schwangerschaft oder im Wöchnerinnenbett Hilfe braucht: Die Spitex bietet zumeist etwas Entlastung und Unterstützung, doch sollten der Bedarf und die Konditionen möglichst vor- oder frühzeitig abgeklärt werden.

Hat man den Mutterschafts- beziehungsweise Vaterschaftsurlaub früh genug beantragt, welche Konditionen bietet das Unternehmen?
Benötigt man vielleicht gar spezielle Unterstützung (etwa wegen Erwerbsausfalls bei nicht fest Angestellten, ‚Kindergeld‘), und bis wann und an welcher Stelle muss diese beantragt werden?
SICH AUF DIE GEBURT VORBEREITEN

Kurse oder Beratung: Neben viel Information bilden Geburtsvorbereitungskurse den idealen Rahmen, um Entspannungs-, Atem- und Gymnastikübungen kennenzulernen und sich auf die Geburtsschmerzen einzustellen. Sicher aber sollte ein Frau im Voraus wissen, wie der Geburtsablauf in etwa aussieht, wann es (sicher) die Hebamme zu rufen oder das Spital aufzusuchen gilt.
Einige Kurse wenden sich neben Müttern in Teilen oder ganz auch an die Väter.
Daneben existieren vielerorts spezifische Still-Abende für die Zeit unmittelbar nach der Geburt.

Unabhängig davon, ob Eltern einen speziellen Vorbereitungskurs besucht haben oder nicht, kann es hilfreich sein, für Notfälle einen Hebammendienst, erfahrene Freundinnen oder (eigene) Mütter zur Hand zu haben. Einige Fragen – auch unmittelbar nach der Geburt – stellen sich so unvorhersehbar, wie sie nach schnellen Antworten drängen: Was tun, wenn das Baby sehr lange schreit, sehr unregelmässig oder schlecht schläft, nicht richtig trinken will?

Zu Hause gebären: Die lokalen Sektionen des Schweizerischen Hebammenverbands stellen neben Ärzte(zentre)n den Kontakt am einfachsten her.

Für Notfälle mit dem Kleinen gewappnet? Einige Samaritervereine bieten als Vorbereitung den Kurs «Notfälle bei Kleinkindern» an.
HILFE UND LINKS

Für Einkäufe und Praktisches: Das Baby-Magazin und die Anmeldung bei Famigros Die Famigros-Checkliste vor der Geburt

Die Broschüre für SIE* Die Broschüre für IHN* *Aus Deutschland: Ansprüche an den Staat und individuelle Vorgaben teils abweichend.

Autor: Reto Meisser