Archiv
21. Mai 2013

Wenn Achill dem Sport im Weg steht

Viele Menschen, die Sport treiben, werden von Problemen an der Achillessehne geplagt. Manchen hilft Schmieren und Salben, oft führen Stosswellentherapie und Dehnungsübungen zum Erfolg. Cortison wird immer weniger angewendet.

Dominik Büchel beim Golf spielen
Jetzt spielt er wieder Golf: 
Dominik Büchel hat seine Achillessehne operieren lassen.

DAS ENDE EINER SPORTKARRIERE
Die ehemalige Profi-Snowboarderin Tanja Frieden erinnert sich an ihren Achillessehnenriss und wie sie das Ende ihrer Karriere verarbeitet hat. Zum Artikel
In der Spalte rechts erklärt Matteo Rossetto von der Sportklinik Basel, worauf Betroffene besonders achten müssen.

Der griechische Held Achill wurde beim Kampf um Troja an seiner einzigen verwundbaren Stelle von einem giftigen Pfeil getroffen: an der Sehne zwischen Ferse und Wade. Er starb in der Folge, und die Sehne trägt seither seinen Namen. Noch heute ist die Achillessehne, die aus mehreren Sehnenbündeln besteht, eine fragile Körperpartie und anfällig für Überbelastungen, Entzündungen oder Risse, die heftige Schmerzen verursachen.

«Achillessehnenbeschwerden rühren meist von einem Missverhältnis zwischen Belastung und Belastbarkeit her», sagt Sportarzt Matteo Rossetto von der Sportklinik Basel. «Ein ungünstiger Schuh, eine plötzliche hohe Belastungsintensität oder ein ungewohnter Untergrund leisten ebenfalls ihren Beitrag.»

Besonders häufig treten Achillessehnenprobleme bei Lauf- und Sprungsportarten auf — so wie bei Dominik Büchel aus Belp BE. Der heute 50-Jährige spielte 25 Jahre lang auf hohem Niveau Firmenfussball, wandert seit seiner Jugend gern und ist seit neun Jahren leidenschaftlicher Golfer. Vor vier Jahren litt er erstmals an Beschwerden: Es hatte sich eine Verdickung auf der Achillessehne gebildet, die bei Bewegung und auf Druck wehtat. «Ich spürte ein Brennen in der Ferse und ein Ziehen die Achillessehne hinauf bis in die Wade», beschreibt Dominik Büchel den Schmerz, der ihn beim Wandern und Golfen störte. Fussball spielte er damals aus Altersgründen schon nicht mehr.

Wickel und Umschläge gegen eine oberflächliche Entzündung

Er probierte verschiedene entzündungshemmende Salben aus und versuchte es mit Physio- und Stosswellentherapie. «Die Stosswellentherapie war wegen der Entzündung so schmerzhaft, dass ich damit aufhörte», sagt der Berner, der als Mitglied der Geschäftsleitung bei Haco in Gümligen tätig ist. Er reduzierte sein Sportpensum drastisch.

«Schonung ist bei Achillessehnenproblemen aber genauso falsch wie Überbelastung», warnt Matteo Rossetto. «Kühlende Umschläge, Quarkwickel oder Sportsalben können eine oberflächliche Entzündung günstig beeinflussen. Zum Teil sind entzündungshemmende Tabletten notwendig, und oft führen Dehnungsübungen, rund zwölf Wochen lang konsequent ausgeführt, zu einer deutlichen Verbesserung.» Die Heilung von abnützungsbedingten oder echten entzündlichen Achillessehnenbeschwerden dauert aber meist Monate.

Der Hausarzt schickte Dominik Büchel zum Orthopäden, der von vernarbtem Gewebe an der Sehne sprach. Er schlug vor, das Gewebe «abzuhobeln», was zu Blutungen und neuen Narben führen könne, oder mit Cortison zu behandeln. Dominik Büchel entschied sich für Cortison und war zwei Tage nach der Behandlung beschwerdefrei. Nach vier Monaten kehrten die Schmerzen zurück. Man versuchte es ein zweites Mal mit demselben Resultat. Nach der dritten Cortisonbehandlung gingen die Schmerzen nicht einmal mehr ganz weg. Büchel wechselte den Orthopäden.

Cortison sollte im Bereich der Sehnen nicht mehr zur Anwendung kommen.

Dort zeigte das MRI (Magnetresonanztomografie): Die Sehne war so gut wie gerissen, ein Eingriff unumgänglich. Nach drei Wochen — die vom Cortison geschwächte Sehne musste sich erst erholen — wurde operiert. Dabei wurde die sogenannte Affensehne (Plantarissehne) als Verstärkung verwendet und mit der Achillessehne vernäht. Doch nach sechs Wochen Gips und acht Wochen Physiotherapie ging die Odyssee weiter. An Silvester 2011, als Dominik Büchels Ferse beim Gehen im Schnee etwas absank, riss die Achillessehne erneut. Laut dem Operateur eine Folge der Cortisonbehandlungen, die das Sehnengewebe spröde gemacht hatten.

Nach der zweiten Operation war er endlich beschwerdefrei

«Cortison sollte im Bereich der Sehnen nicht mehr zur Anwendung kommen», rät Sportarzt Rossetto. «Es ist zwar ein wirksamer Entzündungshemmer, der aber zwischen Entzündungszellen und Bindegewebe nicht unterscheidet. Darum wird durch Cortison das Sehnengewebe geschwächt, und das Risiko eines Risses steigt stark an.» Wenn die akute Belastung grösser ist als die Belastbarkeit, kann eine Sehne übrigens mehrmals reissen — doch das kommt zum Glück nur sehr selten vor.

Im Januar 2012 wurde Dominik Büchel zum zweiten Mal operiert. Mangels Affensehne griffen die Spezialisten auf das Sehnengewebe zurück, das sich über jeden Muskel spannt, und bildeten daraus die erwähnte Verstärkungsplastik. Danach folgten erneut Gips und Therapie. Auch Geduld war gefragt: Weil die Sehne schlecht durchblutet ist, dauert der Heilungsprozess lang. Doch der Eingriff hat sich gelohnt: Heute lebt Dominik Büchel beschwerdefrei. Er spielt Golf, fährt Ski und ist mit dem posi- tiven Ausgang seiner Leidensgeschichte sehr glücklich.

Autor: Caroline Doka

Fotograf: Fabian Unternährer