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21. Mai 2012

Weniger Ken, bitte!

Auch Knaben fühlen sich immer häufiger zu dick und eifern übertriebenen Schlankheitsidealen nach.

Problematisch: Ein Paar, das sich die Puppen Barbie und Ken zum Vorbild nahm. (Bild: Getty Images/Mareen Fischinger)

Lange Zeit war es nur ein Problem der Mädchen, jetzt hat es die Buben eingeholt: Sie haben Stress mit ihrer Figur! «Auch für sie wird das Gewicht zu einem immer wichtigeren Thema», sagt Brigitte Rychen (47) vom Verein Prävention Esstörungen Praxisnah (PEP) in Bern. PEP bietet Workshops für Schulklassen an, in denen die Jugendlichen lernen, dass nebst Ernährung und Bewegung ein gutes Selbstwertgefühl wichtig ist. Auch den Umgang mit Gefühlen wie Frust oder Langeweile diskutiert sie mit den Klassen. Ihr Fazit: «Viele glauben, nur Schöne und ganz Schlanke gehörten dazu.» Kein Wunder, fühlen sich viele zu dick, obschon die jüngste WHO-Studie beweist, dass Schweizer Jugendliche im internationalen Vergleich gut dastehen. «Diese Wahrnehmung wird von aussen mitgesteuert», weiss Brigitte Rychen.

Am Ende entscheiden nicht Sixpacks oder Idealgewicht

Auf junge Frauen üben Werbung und Medien schon lange enormen Druck aus, in den letzten Jahren haben Männerzeitschriften mit Tipps zum Aussehen nun auch die Jungs überrollt: «Viele von ihnen rasieren sich die Achselhaare und wollen sich einen Waschbrettbauch antrainieren.» Sie mühen sich neuerdings ab, um das Idealgewicht zu erreichen: Dünne Knaben wollen an Muskelmasse zulegen, die runderen kämpfen für straffe Konturen. Die Bodytalk-Leiterin macht jeweils eine Übung, die auf die Schulklassen «sehr verblüffend» wirkt: Alle schreiben zu einem guten Kollegen oder einer guten Kollegin auf, was ihnen an der gewählten Person gefällt. Die Aussagen werden in die Kategorien «Aussehen» und «Anderes» eingeteilt und zusammengezählt. «Obschon viele meinen, für andere sei das Äussere so wichtig, zeigen die Auswertungen das Gegenteil: Was wirklich zählt, sind andere Werte», fasst Brigitte Rychen die Ergebnisse zusammen.

Am Ende entscheiden also nicht Sixpack oder Idealgewicht darüber, ob junge Frauen und Männer einander toll finden: «Gepflegt und guter Charakter» sind Punkte, die immer wieder genannt werden. Und: «Sie darf keine Zicke sein, er kein Macho.»

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Autor: Claudia Weiss