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09. Januar 2012

Wen juckts?

Im Winter hat trockene und gerötete Haut wieder Hochsaison. Weshalb das so ist und was man dagegen tun kann, erklärt Christoph Brand, Chefdermatologe am Kantonsspital Luzern.

Trockene Haut im Winter
Draussen beissend kalt, drinnen warm und trocken: Im Winter braucht unsere Haut besonderen Schutz. (Bild: Kimmo Metsaranta/Getty Images)

Drinnen trockene Heizungsluft, draussen klirrende Kälte – kein Wunder, dass die empfindliche Gesichtshaut dabei aus dem Gleich­gewicht gerät. Die Folge: Schuppen­bildung und Rötungen. «In der Kälte wird die Haut schlechter durchblutet und erhält in der Folge weniger Sauerstoff und Nährstoffe», erklärt Christoph Brand, Chefarzt am Zentrum für Dermatologie und Allergologie des Kantonsspitals Luzern (KSL). «Darunter leitet der Selbstschutz der Haut.»

Warmduscher haben eine ausgeglichenere Haut

Zusätzlich sorgt die kalte Winterluft sowohl in geheizten Räumen wie auch draussen für ein trockenes Klima. Die Haut versucht, diese Trockenheit auszugleichen, indem sie mehr Feuchtigkeit an die Oberfläche bringt. Die Folge: Sie trocknet schneller aus. Und damit nicht genug. Die Talgdrüsen produzieren wegen der verminderten Durchblutung weniger Fett, das sich in der Kälte erst noch schlechter auf der Haut verteilt.

Kein Wunder, haben Hautärzte in dieser Zeit Hochkonjunktur. «Vor allem Patienten mit Hautkrankheiten wie ­einer Ekzemveranlagung oder ältere Menschen haben in der trockenen Jahreszeit Probleme», erklärt Dermatologe Brand. Richtige Pflege sei daher wichtig. Dazu empfiehlt der Fachmann regelmässiges Eincremen, unter anderem mit harnstoffhaltigen Salben. Ausserdem sollte man zu pH-neutralen Seifenprodukten greifen und nur kurz, vor allem aber nicht zu heiss duschen.

Für das Gesicht gilt: Seifen oder Tonic-Produkte sind tabu, sie trocknen die Haut aus. «Zum Waschen des Gesichts genügt lauwarmes Wasser», sagt Christoph Brand. Allenfalls könnten geschminkte Frauen sich mit einer Tagescreme abschminken; das habe den Vorteil, dass die Rückfettung inklusive sei, so der Experte.

Spezielle Hautfunktionsanalyse ist oft nicht nötig

Dabei wissen viele gar nicht, welche Pflege ihre Haut braucht, das heisst: Haut und Hautpflege sind selten individuell aufeinander abgestimmt. Das zeigt eine Studie der Universität Hamburg, Fachbereich Kosmetik und Körperpflege, mit 1397 Frauen. «Wichtig ist», so Brand, «bei sehr trockener Haut eher zu fettigen Salben zu greifen und bei weniger trockener Haut eher Cremes oder herkömmliche Bodylotion zu verwenden.» Bei Allergikern sei es wichtig, dass sie Pflegeprodukte ohne Duftstoffe einsetzten.

Eine spezielle Hautfunktionsanalyse mit massgeschneiderten Pflegeempfehlungen, wie sie immer wieder beworben werden, erachtet er als nicht notwendig. Bei Problemen mit trockener Haut kann man sich in einer Apotheke beraten lassen. «Falls dies nicht hilft und dann Ekzeme und Juckreiz dazukommen, würde ich zuerst den Hausarzt kontaktieren», erklärt Brand. Erst wenn dieser eine Hautkrankheit feststelle, sei in der Regel die Überweisung an einen Dermatologen angebracht. Für den Hautarzt sind aber auch individuelle Vorlieben entscheidend.

Doch nicht nur die Gesichtshaut wird im Winter stark beansprucht. Auch die Hände trocknen schnell aus. «Für ihre Pflege sind vor allem fettreiche Cremes zu empfehlen», rät der Luzerner Hautarzt. Wichtig bei der Wahl der Wintercreme sind Feuchthaltefaktoren wie Glycerin. Denn es bringt nichts, der Haut Feuchtigkeit zuführen zu wollen, wenn diese sie nicht speichern kann.

DAS IDEALE RAUMKLIMA
Nicht nur die Haut leidet unter trockener Luft in überheizten Räumen, auch eine trockene und verklebte Nase ist ein typisches Winterübel. «Trockene Luft macht Schleimhäute empfindlicher und beeinträchtigt die Reinigungsfunktion der Nasen- und Rachenschleimhäute», sagt Peter Schmid-Grendelmeier, leitender Arzt der Allergiestation des Universitätsspitals Zürich. Die Atemwege verlieren dadurch ihre schützende Hülle und sind Bakterien und Virenangriffen hilflos ausgeliefert. «Die ideale Luftfeuchtigkeit in Wohnräumen liegt zwischen 40 und 60 Prozent», betont Baubiologe Christian Kaiser von der Schweizerischen Interessengemeinschaft Baubiologie (SIB). Dies kombiniert mit einer Raumtemperatur von 20 bis 21 Grad im Wohnzimmer und 18 Grad im Schlafzimmer.
Tabu ist Dauerlüften mit gekippten Fenstern. Dadurch verpufft extrem viel Heizenergie und Luftfeuchtigkeit. «Sinnvoller ist es, zwei- bis dreimal täglich für fünf bis zehn Minuten die Fenster zu öffnen.»
Wem die Trockenheit im Haus nicht zusagt, kann ab 30 Prozent oder weniger Luftfeuchtigkeit mit einem Luftbefeuchter Abhilfe schaffen. Doch aufgepasst: Ist die Luftfeuchtigkeit zu hoch – über 65 Prozent –, vermehren sich Schimmelpilze, Milben, aber auch Bakterien. und ein kratziger Hals oder eine verstopfte Nase kann auch ein Zeichen für Staub oder eine Belastung mit Milben sein, deshalb immer zuerst die Feuchtigkeit messen.

Autor: Thomas Vogel