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18. Mai 2015

Welches Hobby passt?

Mit viel Kontakten, idealem Ausgleich, wenig Material und gar vor der Haustür? Eine Freizeitbeschäftigung zu finden, die dem Kind gefällt, zu ihm passt und Zeit- wie Familienbudget nicht sprengt, fällt schwer. Worauf es ankommt – und wie klappte es bei Ihnen?

Spass zu zweit mit einem Instrument
Viel Spass zu zweit mit einem Instrument ... (Bild: Getty Images)

Viele Eltern kennen das Problem vermutlich: Tochter oder Sohn kommen mit einer neuen Idee nach Hause, was sie künftig tun wollen. Es sei so viel spannender, gefalle einfach mehr als das bisherige Hobby. Ganz nebenbei kommt zumeist aus: Die beste Freundin oder Schulkollegen tun es bereits.
Dumm nur, weiss das Kind noch nicht, ob ihm die Sache nach drei oder sechs Monaten nicht verleidet. Überlegt es sich selten, ob es halbwegs zu seiner Persönlichkeit passt. Wobei: Fertig entwickelt ist diese ja nicht. Und achten die Erwachsenen darauf? Spielt es ihnen eine Rolle, ob eine Begabung fürs Instrument, den Tanz oder Fussball vorliegt? Egal, sie sind schliesslich allein dafür verantwortlich …

DIE RAHMENBEDINGUNGEN
Von Elternseite gilt es schon ein paar Dinge zu beachten. Gleich fürs Kind zu entscheiden, ist wenig ratsam, damit macht man bevorzugte Beschäftigungen schnell unattraktiv. Aber ein paar Möglichkeiten aufzeigen und erklären, was an Elternbetreuung zum Hinfahren oder an Ausgaben für die Ausrüstung realistisch ist, das tut man besser frühzeitig. Ein wichtiger Entwicklungsschritt besteht sicher ab Schulalter darin einzusehen, dass Mittel und Zeit der Eltern nicht unbegrenzt sind.

Doch auch wenn man es sich leisten kann, eine etliche Hundert oder Tausend Franken kostende Investition zu tätigen, lohnen sich wie bei der Familie Kressebuch ( im Migros-Magazin vom 11. Mai ) vorab einige Tests mit dem Hobby für das Kind. Bei Sportvereinen gibts in der Regel Probetrainings, auch bei Musikschulen kann man oft schnuppern, ohne gerade schon Instrumente anzuschaffen. Musikläden haben mitunter ein paar Mietgeräte zum Kennenlernen.

Nicht vergessen werden sollte auch der Zeitfaktor: Wohnt man nicht zentral, mit schlechten ÖV-Verbindungen, hat keinen (Zweit-)Wagen oder auch unter der Woche mehrere Stunden am Stück frei, wird es schwierig. Das Kind zur Klavierkoryphäe, dem Topfussballklub usw. hin und zurück zu chauffieren und während seiner Aktivzeit einfach warten? Ein grosser Luxus.

DIE CHARAKTERFRAGEN
Die bisher genannten Grenzen von Hobbys erklärt man trotz vielleicht einsetzendem Gezeter mit dem Blick auf die ganze Familie – und den Rechten (und Pflichten) aller. Schwieriger wird es, versucht man das Kind mit Nachdruck für eine Tätigkeit zu motivieren, die möglichst längerfristigen Interessen, Begabungen und Bedürfnissen entspricht. Da stellt sich bald die Frage, ob es nicht klüger wäre, statt voll auf die Stärken manchmal auf einen Ausgleich zu erwiesenen Talenten aus der Schule oder dem Daheim zu setzen – mit weniger ambitionierten Zielen.

Kinder und meist auch jüngere Jugendliche werden allein mit solchen Überlegungen kaum für ein Hobby zu begeistern sein. Aber sie helfen, bei Eltern das Verständnis für die Möglichkeiten zu schärfen und vielleicht einen Vorschlag zu machen. Denn das Kind sollte hinter seinem Hobby stehen, von Anfang an. Die Leistungsgesellschaft hat, konsequenter als früher, die Schulstuben und daneben einen Grossteil des Alltags von Kindern und Teenagern erobert, sie muss nicht zwangsläufig auch noch den Hobbybereich besetzen. Vor allem nicht der von Kindern, die ansonsten schon mehr als genug mit ihr ringen.
Hier unsere fünf wichtigsten Gegensatzpaare bei der Hobbywahl:

1. Team vs. Einzel: Für Schulkinder etwas vom Wichtigsten bleibt die Entscheidung, ob es denn eine Einzeltätigkeit sein soll, die man gut allein ausüben kann, oder eine, die sinnvoll mit anderen in einem Verein, unter Anleitung und in Gesellschaft betrieben werden kann. Oder eine nur für Equipen sinnvolle Aktivität. Dies gilt nicht nur im Sport, auch für Musik: Orchester oder Band, Musikstunden mit anderen oder allein üben und Stunden nehmen.

2. Bewegung vs. Konzentration: Ebenso grosse Unterschiede bestehen zwischen dem ansonsten vielleicht zu kurz kommenden Bedürfnis nach Bewegung, vielleicht rumtollen in der Natur, und einem Hobby mit hohen Anforderungen an die Konzentration, die geistige Präsenz. Im Extrem vielleicht Pfadi respektive Jungwacht/Blauring auf der einen und Schach spielen auf der anderen Seite.

3. Herausforderung vs. Ausgleich: Meist wird nicht sofort eine Entscheidung verlangt, dennoch lassen sich etliche Hobbys auch unterteilen in solche, die grossmehrheitlich von Kindern (und deren Umfeld) gewählt werden, die etwas Bestimmtes erreichen wollen – und den anderen, die weit mehr Entspannung, Ausgleich zum Schulalltag erlauben. Letzteres wird im Ballett oder auch Tennis auf Dauer eher schwieriger. Ambitionierte Sportklubs allgemein, aber auch bekannte Musiklehrer mit vielen Schülern an Wettkämpfen ebenfalls.

4. Kreativität vs. Zielstrebigkeit: Ein weiteres Spannungsfeld öffnet sich zwischen Tätigkeiten mit per se kreativem Ausstoss wie Malerei/Kunst oder auch improvisierter Musik zum einen sowie Aktivitäten auf der anderen Seite, die das Erreichen bestimmter Ziele voraussetzen: z.B. einen Halbmarathon laufen, gar in einer gewissen Zeit.

5. Dampfablassen vs. Technik: Zuletzt wäre da noch der Gegensatz zwischen einer guten Portion physischer Verausgabung, da ein Energieüberschuss bei Kindern und Jugendlichen in gewissen Entwicklungsschritten ausgeglichen werden soll, und dem möglichst präzisen Ausführen vorgegebener Bewegungs- und Verhaltensmuster (z.B. Kunstturnen).
TESTFRAGEN FÜR ÄLTERE
Für etwas älteren Nachwuchs oder die Eltern zum unverbindlichen Durchspielen eignen sich durchaus spielerische Tests, die entlang der Antworten am Ende mögliche Hobbys ausspucken. Bloss sucht man dann uneingeschränkt nach Tätigkeiten, die im Moment und auf der Basis dessen, was man sich schon bewusst gemacht hat, sind, einer Person entsprechen. Vielleicht wäre das noch nicht Bekannte oder etwas, das den Neigungen weniger entspricht, jedoch genauso wertvoll.

Hobby-Test auf Testedich.de (für ältere Kindern)

Kurztest von Gofeminin.de nach Kindertypen (bei Jüngeren)
WIE HAT IHR KIND DAS RICHTIGE HOBBY GEFUNDEN?
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Autor: Reto Meisser