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02. April 2012

Weinende Männer im Kino: Von K bis Z

60 Männer, die im Kino bisweilen «nahe am Wasser gebaut sind», gaben dem Migros-Magazin bereitwillig Auskunft, was sie bei welchen Filmen zu Tränen rührt. Hier finden Sie die zweite Hälfte der nur online Porträtierten.

Josua Kleist
Josua Kleist
Paris Kypreos
Paris Kypreos
Andreas Liebscher
Andreas Liebscher
Ulrich Looser
Ulrich Looser
Jonas Lüthi
Jonas Lüthi
Arno Meister
Arno Meister
André Michel
André Michel
Edo Nemeth
Edo Nemeth
Martin Restelli
Martin Restelli
Silvan Rey
Silvan Rey
Kurt Rohrbach
Kurt Rohrbach
Dieter Saladin
Dieter Saladin
Hansjörg Schenker
Hansjörg Schenker
Guido Scherrer
Guido Scherrer
Stefan Scheurer
Stefan Scheurer
Heinz Schnyder
Heinz Schnyder
Michael Schweitzer
Michael Schweitzer
Roger Sigg
Roger Sigg
Gregor Steiner
Gregor Steiner
Rolli Stirnimann
Rolli Stirnimann
Marc Toscano
Marc Toscano
Peter Vollenweider
Peter Vollenweider
Erwin Zollinger
Erwin Zollinger

Josua Kleist, NidauIch weine in: Ich weine ziemlich oft beim Filme-Schauen.
Der Auslöser: Bei Szenen, in denen ich mich wiederfinde, ist es sofort da: Dass mir Tränen kommen. Zum Beispiel bei Versöhnungen zwischen Kindern und Eltern, oder wenn jemandem Unrecht geschieht.
Peinlich? Im Gegenteil, ich bemerkte schon mehrmals, dass es auf die Mitmenschen gar nicht schlecht wirkt.
Paris Kypreos, 15, BadenIch weine in: «Marley & Me», in der Szene, als Owen Wilson mit Marley beim Tierarzt ist und Marley stirbt. Und als er die schreckliche Nachricht seiner Familie erzählen muss.
Der Auslöser: Ich musste fast das Gleiche mit meinem Haustier erleben, da wurden halt auch Erinnerungen wach.
Peinlich? Am Anfang schon ein bisschen, aber mit der Zeit ging es. In diesem Moment ging es einfach nicht anders. Ein Mann kann seine Gefühle und Emotionen auch nicht immer verbergen.
Andreas Liebscher, 44, RothenhausenIch weine in: Ich zerfliesse regelmässig, wenn ich, vorzugsweise mit meiner Frau, einen bewegenden Kinofilm anschaue, beim «Verdingbub» beispielsweise, als ihm die Handorgel verbrannt wurde.
Der Auslöser: Vor allem Situationen, in denen den Figuren im Film grosses Glück, Liebe oder Hoffnungslosigkeit widerfährt.
Peinlich? Scham empfinde ich nicht, Frau und Kinder bestätigen mich immer wieder und halten es für eine meiner grössten Stärken, auch offen weinen zu können.
Ulrich Looser, 69, SchleitheimIch weine in: «Der kleine Lord», als er übers Feld nach der Kerze im Fenster seiner Mutter ausschaut, und die Weihnachtsszene. Oder in «Erin Brokovich», als Erin die kranken Familien besuchte.
Der Auslöser: Die Emotionen kann ich nicht genau beschreiben, da es bei mir einfach losheult.
Peinlich? Es ist mir gar nicht peinlich, weinend gesehen zu werden. Einige Leute mokieren sich aber schon ein wenig.
Jonas Lüthi, 16Ich weine in: «Forest Gump», als Forest vor dem Grab seiner eben verstorbenen Frau steht und ihr den Brief ihres Sohnes aufs Grab legt.
Der Auslöser: Wie realistisch die heutigen Schauspieler Gefühle ausdrücken können. Nach meiner Ansicht ist das eine grosse Kunst.
Peinlich? Da ich mit einigen Freundinnen im Kino war, habe ich mir ganz rasch die Tränen abgewischt. Doch als ich sah, dass ich nicht der einzige Junge war, der weinte, genierte ich mich nicht mehr und weinte mal drauf los.
Arno Meister, 43, BEIch weine in: Meistens passierts bei unglaublich tragischen, traurigen oder sehr berührenden Szenen.
Der Auslöser: Immer, wenn der Film einen richtig mitnimmt und man das Gezeigte quasi mitfühlt.
Peinlich? Peinlich wäre der falsche Ausdruck. Aber ich bin jeweils schon froh, dass es im Kinosaal dunkel und die Lautstärke eher laut ist…
André Michel, 47, Rümlang, 8Ich weine in: Bei meinem letzten Kinobesuch wars auch so weit. «The Guard», ein liebenswerter, unbestechlicher Cop hat mich am Schluss zu Tränen gerührt.
Der Auslöser: Ich habe bei mir festgestellt, dass ich seit der Geburt meiner Tochter öfter oder überhaupt weine im Kino, oder zu Hause vor dem Fernseher. Dabei kommt es weniger auf den Film an als auf die Szene. Da kullern auch schon mal die Tränen bei «Traumschiff».
Peinlich? Peinlich ist es mir nicht. Im Kino würde ich zwar nicht nach der Vorstellung gleich über die Bühne laufen, aber das unmittelbare Umfeld wird das schon mitkriegen, wenn ich mir die Nase putze und die Tränen trockne.
Edo Nemeth, 48Ich weine in: In «The Lake House» musste ich mehr oder weniger während des ganzen Films mit dem Taschentuch kämpfen. Oder in «Hachiko».
Der Auslöser: Solche Vater-Sohn-Geschichten sind einfach so herzlich, so brutal.
Peinlich? Wenn niemand aus meinem ganzen Bekanntenkreis «War Horse» mit mir sehen will, weil sie genau wissen, dass ich weine.
Martin Restelli, 44, OltenIch weine in: Z.B. eine Szene in "Gottes Werk und Teufels Beitrag", als der Waisenjunge Homer, in den Fusstapfen seines soeben verstorbenen Mentors und Quasivaters Dr. Larch, den anderen Waisenkindern im Schlafsaal gute Nacht zuruft.
Der Auslöser: Da ich ohne Vater inmitten von Frauen aufgewachsen bin, war dies eine Schlüsselszene, die mit meiner persönlichen Jugend verbunden war.
Peinlich? Peinlich war es mir nicht, zu weinen, denn es war eine Erinnerung, die in mir aufkam und nichts mit den anderen Menschen im Kino zu tun hatte. Nur mit mir. Weshalb sollten solche Emotionen überhaupt peinlich sein? Sie sind es nur, wenn wir sie verdrängen wollen.
Silvan Rey, 31, Maur Ich weine in: «As it is in Haeven». An die restlichen Filme kann ich mich nicht mehr erinnern.
Der Auslöser: Diese Frage stell ich mir immer wieder. Ich kann es nicht sagen, es passiert einfach. Ich würde zu gern wissen wieso.
Peinlich? Als ich noch jung war, konnte ich keine Gefühle zeigen. Heute ist es für mich immer noch sehr schwierig. Eigentlich schade.
Kurt Rohrbach, 75, SchönenbergIch weine in: Meist dann, wenn der Film eine wunderbare Musikbegleitung hat, wie in «Limelight» und «Dr. Schiwago». Weiter bei Stimmungen wie Erfolg beim Sport, Familienfeier in der Kirche (begleitet mit dem Ave Maria auf der Trompete), etc.
Der Auslöser: Die sinnlichen Szenen begleitet von der entsprechenden Musik.
Peinlich? Ein wenig schon, doch ich kann nichts dagegen tun.
Dieter Saladin, 46, Oberwil Ich weine in: Zuletzt in «Ziemlich beste Freunde», (bei aller Tragik innige Männerfreundschaft), hier habe ich einerseits Tränen gelacht und auch Tränen der Rührung gehabt, als der Schwarze dem Freund das Rendez-vous ermöglichte. Weiter «The Help» oder «The Killing Fields», «Titanic», «Avatar», «Sieben», «The Kings Speech», «The Big Blue» «Forrest Gump» usw.
Der Auslöser: Bei Tränen der Rührung sind es vor allem Szenen, wo es um tiefe Gefühle und Freundschaften geht; wenn der eine für den anderen einsteht, je nachdem sogar sein Leben opfert.
Peinlich? Ich kann heute zu meiner sanften Seite stehe, aber es ist mir immer noch ein wenig peinlich. Ich schaue schon, dass, wenn das Licht angeht, ich nicht mit nassen Augen da sitze.
Hansjörg Schenker, 44, GlattfeldenIch weine in: «Untergang der Titanic», «ET», «Für das Leben meiner Schwester» ... oder einfach nur in der Schlussszene von «My Fair Lady», wenn sich Rex Harrison seine Strassenschuhe abstreift und zu Audrey Hepburn sagen kann: Und wo zum Teufel sind meine Pantoffeln schon wieder?
Der Auslöser: Trauriges, Versöhnungen, Happy Ends, schwere Schicksale, kindliche Naivität …
Peinlich? Grundsätzlich ist es mir nicht mehr peinlich, beim Film-Schauen zu weinen! Früher versuchte ich es zu unterdrücken, seit knapp 15 Jahren weine ich eben vor allen.
Guido Scherrer, 47, GossauIch weine in: «Hugo» («Die Entdeckung des Hugo Cabret») von Regisseur Martin Scorsese.
Der Auslöser: Die rührende Beziehung zweier Kinder, welche in einer nicht normalen Familie leben.
Peinlich? Meist bin ich froh, dass es dunkel ist im Kino. Mir können die Tränen runterkullern, auch wenn es für ‚starke Männer‘ eigentlich gar keinen Grund dazu gibt. Die Tränen kommen mir immer dann, wenn ich gerührt bin und ich es einfach als schön empfinde. Der Sohn (11) fragt dann mal: 'Du Papi, warum weinst du? Es ist doch ein schöner Film und er ist doch gar nicht brutal.'
Stefan Scheurer, 37, MeinisbergIch weine in: «Braveheart» nach der Schlacht von Falkirk und bei der Schlussszene, auch bei «Pretty Woman» die Schlusszene, in «Le fabuleux destin d’Amélie Poulain» gleich drei- bis viermal, oder in «Bodyguard».
Der Auslöser: Meistens ist es der Moment, in dem klar ist, dass nun alles gut kommt.
Peinlich? Im Kino ist es zum Glück dunkel, ich denke nicht, das Aussenstehende etwas mittbekommen.
Heinz Schnyder, 59, BesenbürenIch weine in: Im Film „Verdingbub“ musste ich weinen, weil ich die Ohnmacht der Verdingkinder so gut nachempfinden konnte, mir aus meiner Jugend alles wieder hochkam. Es ist vernichtend, wenn man sich als Jugendlicher gegenüber der Erwachsenenwelt nicht wehren kann und ausgebeutet wird.
Der Auslöser: Erinnerungen an selbst durchlebte Situationen. Die Frage drängt sich auf, ob das noch nicht alles verarbeitet ist.
Peinlich? Früher hatte ich Mühe und versuchte es zu verheimlichen, aber heute stehe ich dazu, weil es auch befreiend ist, seinen Gefühlen Raum zu geben.
Michael Schweitzer, 35, HägglingenIch weine in: «One Flew Over the Cuckoo’s Nest» («Einer flog übers Kuckucksnest»), als am Schluss der Indianer Jack Nicholson mit dem Kissen erstickt, weil Jacks Hirn von der Elektroschocktherapie ‚verbraten‘ wurde. Oder «Leaving Las Vegas», wenn Nicolas Cage sich am Schluss zu Tode trinkt und sie ihn beim Sterben begleitet.
Der Auslöser: Wie der Indianer Jack von seinem Dilemma erlöst und ihm sagt, dass er ihn nicht so zurücklassen würde.
Peinlich? Ich habe dazugelernt, vor allem gemerkt, dass Schwäche und Verletzlichkeit zu zeigen auch eine Stärke ist. Was ich immer noch nicht leiden kann, sind Aussagen wie ‚Jöh, wie schön, ein Mann der weint‘.
Roger Sigg, 43, MeisterschwandenIch weine in: Beim letzten Film («Intouchables») weinte ich u.a. bei der Szene, wo es im Restaurant am Meer endlich zur Begegnung zwischen Baron Philippe und seiner Brieffreundin kommt. Es überkommt mich aber auch bei Kinderfilmen wie «Cars» oder «Chipmunks».
Der Auslöser: Wiedervereinigungsszenen lösen bei mir die stärksten Gefühle aus, oder wenn es am Ende unerwartet gut herausgekommen ist.
Peinlich? Neben meiner Frau ist es mir nicht mehr peinlich, noch eher bei meinen Kindern, aber ich gehe seltener mit ihnen ins Kino als mit meiner Frau. Dann passiert es halt zuhause beim Fernsehen...
Gregor Steiner, 38, MerenschwandIch weine in: Zum Beispiel in «Saving Private Ryan», als der Mutter die Nachricht überbracht wird, dass drei ihrer Söhne im Krieg gefallen sind. Oder als «Forrest Gump» von seiner Jenny erfährt, dass er einen Sohn hat, und er darauf seinen Sohn beim Spielen beobachtet, und feststellt, dass er nicht ‚dumm‘ ist.
Der Auslöser: Seit dem ich selber Vater bin, nimmt es mich bei emotionalen Szenen mit Kindern noch viel mehr mit.
Peinlich? Im Kino ist es ja dunkel, und bei mir rinnen jeweils die Tränen still herunter, so merkt es meistens niemand. Aber im Grunde genommen ist es mir egal.
Rolli Stirnimann, 43, MünchensteinIch weine in: Immer bei «E.T. » – die Abschiedsszene (Heeuul).
Der Auslöser: Was genau löste die starken Emotionen aus? Die freie, nicht erzwungene, ehrliche Freundschaft zwischen Elliot und E.T.
Peinlich? Nein, warum auch, wenn die Situation im Film traurig oder auch schön ist – vollkitschig kommt bei mir allerdings nicht gut an.
Marc Toscano, 32, BaselIch weine in: Der Film, der bei mir starke Emotionen ausgelöst hat, war «Marley and Me». Als sich Owen Wilson zum Tierarzt aufmacht und den Hund einschläfern lassen muss.
Der Auslöser: Dass ich wenige Wochen zuvor meinen Kater wegen der Krankheit FIP einschläfern musste. Ich habe allgemein Mühe beim Zusehen, wenn Tiere eingeschläfert werden, obwohl ich Koch bin und auch schon bei Schlachtungen dabei war.
Peinlich? Nein, es war ja dunkel und weshalb darf ich als Mann nicht auch mal etwas traurig finden?
Peter Vollenweider, 62, BassersdorfIch weine in: Es war ein Film, der in Nordfrankreich spielt, und den ich vor etwa 35 Jahren sah. Leider weiss ich den Titel nicht mehr. Eine junge hübsche Frau leidet unter Liebeskummer und wird davon schwer krank.
Der Auslöser: Die Tatsache, dass Liebeskummer zur Verlustangst wird, welche depressive Verstimmungen bewirkt.
Peinlich? Eher nein. Auf das Weinen folgt eine tiefe Entspannung, aber auch Gedanken: Welches sind die Parallelen zu meinem eigenen Leben?
Erwin Zollinger, 44, WettswilIch weine in: «Bodyguard», in der Szene mit der monumentalen Preisverleihung gegen Ende des Films, als Kevin Costner todesmutig auf die Bühne stürzt, ‚seine‘ Sängerin vor einem Anschlag rettet und dabei selbst getroffen wird. Und ganz am Schluss des Films, wenn sich die beiden Hauptdarsteller Adieu sagen, die Sängerin ihr Flugzeug besteigt und kurz darauf den Start abbrechen lässt, um zum Song ‚I will allways love you‘ in die Arme ihres Beschützers zu fallen.
Der Auslöser: Am Ende der Entscheid, seinen wahren Gefühlen nachzugeben und zu jenem Menschen zurückzukehren, welchem sie soviel zu verdanken hatte.
Peinlich? Es braucht wohl immer etwas Mut und kann peinlich sein, zumal es sich ja um einen Film, eine gespielte Szene handelt.