Archiv
23. Dezember 2013

«Diese Lieder muss man einfach kennen!»

Immer weniger Kinder und Jugendliche beherrschen die klassischen Weihnachtslieder. Kathrin Renggli vom Europäischen Jugendchor Festival Basel über «Jingle Bells» versus «Stille Nacht».

singendes Mädchen
Immer weniger Kinder und Jugendliche beherrschen die klassischen Weihnachtslieder. (Bild: Getty Images)

Musikalische Weihnachten: Alle Noten und Texte zum Ausdrucken sowie Hörproben der klassischen Weihnachtslieder: zum Artikel

Kathrin Renggli (49) leitet das Europäische Jugendchor-Festival Basel und ist Primarlehrerin sowie Chorleiterin.
Kathrin Renggli (49) leitet das Europäische Jugendchor-Festival Basel und ist Primarlehrerin sowie Chorleiterin.

Kathrin Renggli (49) leitet das Europäische Jugendchor-Festival Basel und ist Primarlehrerin sowie Chorleiterin.

Kathrin Renggli, die Kinder können heute oft nur noch «Jingle Bells» singen. Warum geht das traditionelle Liedgut verloren?

Das ist ein Phänomen der Unterhaltungsgesellschaft. Man will auch mit der Weihnachtsmusik gut unterhalten werden – mit eingängigen Liedern, die ein flottes Tempo haben und eine fröhliche Stimmung verbreiten.

Also lieber Kitsch anstatt Klassik?

Unterhaltung ist nicht unbedingt Kitsch. Vielleicht wäre Mainstream das passendere Wort.

Was verpassen Kinder, die nur noch Mainstream-Weihnachtslieder kennen?

Sie erhalten keine Gelegenheit, der Besinnlichkeit in der Musik zu begegnen.

Wollen das die Kinder überhaupt noch?

Wenn man den Kindern die Gelegenheit bietet, das klassische Liedgut kennenzulernen, interessieren sie sich auch dafür. Zudem hat die Schule auch einen Bildungsauftrag. Diese Lieder muss man einfach kennen! Sie gehören zu unserer kulturellen Identität. Wobei man die Lieder natürlich auch stufengerecht einführen muss. «Stille Nacht» oder «O du fröhliche» zum Beispiel funktionieren erst ab der 4. Klasse.

Welche Lieder empfehlen Sie für die Kleinen?

Sie brauchen Texte aus ihrer Erlebniswelt, wie zum Beispiel «Still, still, still, wil s Chindli schlafe will» oder «Heut ist ein Sternlein vom Himmel gefallen».

Was empfehlen Sie Eltern, die selber nicht gut singen können und sich am Heiligabend trotzdem nach etwas Besinnlichkeit sehnen?

Nur keine Hemmungen! Man kann auch zu einer CD mitsingen. Das ist immer noch besser als gar nichts.

Autor: Andrea Freiermuth