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19. Dezember 2016

Es aschenbrödelt wieder

Was wären die Festtage ohne feiertägliche Filme? Prominente erzählen, wie sie feiern und welche Filmklassiker sie schauen – hier sehen Sie dazu ein paar der besten Szenen im Video. Und Volksmusikstar Melanie Oesch hat sich fürs Fotoshooting gleich als Aschenbrödel verkleidet, ihre Lieblingsfilmfigur.

Melanie Oesch als Aschenbrödel
Libuše Šafránková als Aschenbrödel
Libuše Šafránková als Aschenbrödel im tschechischen Klassiker.

Der Schuh passt. Und schon reiten Aschenbrödel und der Prinz über die verschneiten Felder zum Märchenschloss. Sie leben glücklich bis ans Ende ihrer Tage. Der Film «Drei Haselnüsse für Aschenbrödel» ist Kult und gehört in vielen Schweizer Haushalten zu den alljährlichen Weihnachtstraditionen. Und das im stolzen Alter von bereits 43 Jahren.

Denn die wahren Klassiker werden nie alt: «Der kleine Lord» hat seit 1980 und «It’s a Wonderful Life» seit 1946 einen festen Platz in Schweizer Wohnzimmern. Und was wäre Weihnachten ohne Sissi als wunderschöne Kaiserin oder Hugh Grant als heisser Premierminister in «Love Actually» (2003)?

Andere Festtagsfilme sind weniger romantisch: Im Actionfilm «Die Hard» (1988) prügelt und ballert sich Bruce Willis durch ein ganzes Firmenhochhaus, um die Geiseln einer Weihnachtsfeier zu retten. Ein paar Tage später stolpert Freddie Frinton über einen Tigerteppich direkt in unsere Herzen. Er und seine Filmpartnerin May Warden haben mit «Dinner for One» (1963) ein elfminütiges Stück Filmgeschichte geschrieben.

Grosse Gefühle im Fernsehen

«Weihnachten ist die Zeit der grossen Gefühle und der Traditionen. Wir wollen unsere Zuschauerinnen und Zuschauer in dieser besonderen Stimmung abholen», sagt Regula Wirz. Die 49-Jährige ist Programmleiterin SRF 1.

Auf SRF 1 laufen während der Festtage nicht nur die grossen Filmklassiker wie «Drei Haselnüsse für Aschenbrödel» oder «Sissi» (1955), sondern auch traditionelle Feiertagsprogramme wie der Mitternachtsgottesdienst am Heiligabend oder das Neujahrskonzert. «In dieser Zeit wird tagsüber öfters TV geschaut. Deshalb wollen wir unserem Publikum ganztags einen attraktiven Mix von Tradition und Überraschung bieten, mit vielen Emotionen und Abwechslung für die ganze Familie», so Regula Wirz. Generell falle auf, dass die Leute während der Festtage sensibler auf gewisse Themen reagieren: «Es ist auf jeden Fall ein Bedürfnis nach besinnlichen Inhalten zu beobachten.»

Die Magie der grossen Weihnachtsfilme habe für Wirz viel mit lieb gewordenen Traditionen zu tun: «Sie rufen Kindheitserinnerungen hervor. Man sehnt sich in der heutigen komplexen Welt nach Behaglichkeit und Ritualen.» So sei es auch verständlich, dass man sich die Filme auf das Jahresende aufspare. Sie selbst schaut «Doktor Schiwago» (1965).

Eins ist klar: Die Magie der Weihnachtsklassiker wird bestehen bleiben. Zwar könnte man sich heute alles immer und überall anschauen – dennoch spart man sich die grossen Filmmomente für die Festtage auf. Und nach einem Jahr geprägt von Krisen und Kriegen sind die herzerwärmenden Geschichten diesen Dezember erst recht gefragt. Drum: Same procedure as last year, Miss Sophie? Same procedure as every year, James!

«Aschenbrödel ist für uns zum Ritual geworden»

Melanie Oesch: «Wir sind meistens auf Tournee in der Weihnachtszeit. Dann sehne ich mich fest nach dem Tag, an dem es nach Hause geht. Spätestens am 23. Dezember sind wir wieder daheim und nehmen uns endlich etwas Zeit füreinander. Wir feiern meistens drei Tage lang mit Grosseltern und weiteren Verwandten, singen und musizieren. Gefeiert wird aber im einfachen Rahmen. Gutes Essen gehört auch dazu. Die Filme spielen vor allem für die Frauen eine Rolle. ‹Drei Haselnüsse für Aschenbrödel› ist für mich, meine Mutter und die Grossmütter ein Muss. Die Geschichte ist enorm schön, und das Schloss Moritzburg in Dresden haben wir einmal auf Tournee gesehen. Damit hat es für uns eine besondere Bedeutung. In Dresden wohnen Leute, die sich sogar noch an die Dreharbeiten erinnern können. Für uns ist dieser Film zum Ritual geworden. Wir sparen ihn uns das ganze Jahr auf, damit er seine Bedeutung bei­behält. Den Männern ist das zu kitschig. ‹Scho wider dä!›, rufen sie jeweils. Mein Vater trinkt dann einen guten Tropfen. Er mag es ­lieber, wenn noch etwas Action läuft – wie bei ‹Santa Clause›. Die Trilogie mit Tim Allen mag er.»

Fürs Shooting hat sich Melanie Oesch in Aschenbrödel verwandelt. Die Bilder sehen Sie in der Bildstrecke oben. (Styling: Sandra Wichoski) Der Schlagerstar ist derzeit auf dem neuen Oesch-Album zu hören: Jodlerzirkus

Quelle: youtube.com/CaptainCarlossi

«Früher stand ‹Santa Clause› hoch im Kurs»

Rainer Maria Salzgeber: «Weihnachten ist für mich ein traditionelles Fest – deshalb sollte auch der Rest traditionell sein. Filme zum Beispiel müssen um die Festtage richtig klassisch sein. Im Teenageralter standen bei mir US-Spielfilme mit dem Komiker ­Steve Martin oder ‹Santa Clause›mit Tim Allen hoch im Kurs. Das gehörte damals dazu. Heute laufen in der Weihnachtsnacht ja allerlei Filme – von ‹Moulin Rouge› bis zum ‹Terminator›. Es ist ein Programm für alle. Als Kind haben wir auch ‹Drei Haselnüsse für Aschenbrödel› geschaut – einen Film, der mich bis heute nostalgisch macht. Auch ‹Dinner for One› ­gehört dazu. Der Film hat eine Komik, die bis heute nicht erreicht wurde, und er ist zeitlos witzig. Es sind die älteren Filme, die einem nachhaltig in Erinnerung bleiben. Und von klein auf schaue ich während der Festtage auch immer den Spengler Cup aus Davos im Fernsehen. Den 24. Dezember feiern wir mit der Familie zusammen in Zürich oder im Wallis, und einen Tag später gehe ich bis zum Neujahr nach Davos. Den grossen Eishockey-Event heute moderieren zu dürfen, ist etwas ganz Spezielles.»

Quelle: youtube.com/YoureAJagAJagOff

«‹Dinner for One› ist genial und jedes Mal wieder lustig»

Gregory Knie: «Weihnachten ist bei uns nicht ganz so gewöhnlich wie wohl bei den meisten Familien: Wir feiern mit Zirkusartisten aus der ganzen Welt. Es gibt an Heiligabend eine grosse Zusammenkunft im Knie-­Dinnerzelt – da besuchen uns viele Gäste, die auch mal im Zirkus feiern möchten. Zudem haben wir eine eigene Weihnachtsmesse und tauschen Geschenke aus. Wir sind meistens um die 200 Menschen. Am 25. Dezember ist die Feierzeit vorbei, und wir geniessen den freien Tag. Am nächsten Tag kehrt der Zirkusalltag wieder ein. An der Weihnachtsmesse, die wir mit einem Pfarrer organisieren, kommen alle Nationen zusammen. Das ist immer sehr schön und emotional. Zudem kommt ein Gospelchor, der für uns singt. Wir schauen selten Fernsehen, aber ‹Dinner for One› muss sein. Das ist auf jeden Fall ein Lieblingsfilm der ganzen Familie. Er ist genial und jedes Mal wieder lustig. Der Humor wird hart und trocken durchgezogen; die Darsteller Freddie Frinton und May Warden sind extrem authentisch. Sie bieten seit Jahrzehnten dasselbe Programm – und es funktioniert immer noch. Das ist grosse Kunst.»

Quelle: youtube.com/Cheeseford

«Ich bleibe heute noch bei ‹Sissi› hängen»

Denise Biellmann: «Früher war ich am 24. Dezember noch zu Hause und ab dem 25. an Eiskunstlaufshows. Damals habe ich viele Nächte auch allein in Hotels verbracht. Manchmal kam eine Freundin mit, später dann mein Partner. Im ersten Moment war das schon schräg, ins leere Hotelzimmer zu kommen, während die Familie zu Hause blieb. Aber man ist in Gedanken dann sehr schnell bei den Läufen. Noch heute bin ich über die Festtage oft am Trainieren oder Unterrichten. An den Familienfesten habe ich die klassischen Weihnachtsfilme immer sehr gerne angesehen: Mit meiner Schwester zum Beispiel die ‹Sissi›-Filme. Die schönen Kleider, dieser prächtige ­Palast, der ganze Kitsch und die Liebesgeschichte – das hat uns fasziniert. Und ich mochte Romy Schneider sehr. Heute schaue ich tagsüber selten fern, aber an Weihnachten kann man ja kaum wegzappen. Ich bleibe heute noch bei ­‹Sissi› hängen. Das sind schöne ­Erinnerungen an damals.

Quelle: youtube.com/Heimatfilme

«Kevin zeigte mir, wie ich mich wehren kann»

Lou Spichtig: «Ich bin ein grosser Weihnachtsfan und erinnere mich gerne an die Feste meiner Kindheit. Ich durfte den Baum schmücken und meine Geschenke aufmachen. Die klassischen Weihnachtsfilme aus den USA habe ich nicht zu Hause, sondern in meiner englischsprachigen Schule gesehen. Die Lehrer wussten, dass wir uns vor den Ferien eh nicht mehr konzentrieren konnten. Besonders gefallen haben mir ‹Das Wunder von Manhattan› (1994), ‹Der Grinch› (2000) oder auch ‹Der Polar­express› (2004). Der absolute Favorit meiner Kindheit war jedoch ‹Home Alone›. Ich sah ihn zigmal. Als Kind hatte ich immer Angst, dass mir etwas passiert, wenn ich allein daheim bin. Der Film zeigte mir, wie ich mich im Notfall wehren könnte, das beruhigte mich! Meine Mutter schenkte mir zu Weihnachten oft Tanzfilme, die sie aus Frankreich mitbrachte. Dieses Jahr kommt sie zu mir nach Australien. Sie wird im Publikum sitzen, wenn ich erstmals beim ‹Nussknacker› mittanze. Ich freue mich sehr darauf.»

Quelle: youtube.com/MircoLange

Autor: Anne-Sophie Keller

Fotograf: Tobias Sutter