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10. Februar 2014

Wegwerf-Klamotten

Von der «Mamma Mia!»-Autorin genähtes Kinderkleid
Alles andere als gekaufte Billigware: Von der «Mamma Mia!»-Autorin ...

Wir sassen auf einer Spielplatzbank und plauderten über dies und das. Während unsere Kinder eiskalte Sandkuchen herstellten und diese mit Steinchen verzierten, kam die Sprache auf Kinderklamotten. Eine Mutter schwärmte vom Kleiderkauf ennet der Grenze. Das sei besonders rentabel, wenn man in spezielle Läden ginge. Kak hiess der eine, Tortilla (wie ein mexikanisches Gericht oder so ähnlich) der andere. Dort gebe es jedenfalls drei Shirts, Grösse 104, für 5 Euro 99. Sagenhaft, oder?

Wenn Sie meine Kolumne öfter lesen, dann wissen Sie, dass ich nicht so gern die Moralkeule schwinge (zumal ich mir das Ding häufig versehentlich an den Kopf haue …). Aber in diesem Fall geht es nicht anders: Das, liebe Leserin, lieber Leser, geht gar nicht. Wie kann man guten Gewissens ein Kleiderpaket erstehen, bei dem die Einzelteile umgerechnet 2 Franken 45 kosten? Ich bin mir fast sicher, dass in den Shirts hinten ein Polyester-Schildchen eingenäht ist, auf dem «Von Kindern für Kinder gemacht» steht.

Mir ist schon klar, dass in vielen Haushalten das Geld knapp ist. Nicht jede Mutter hat das Budget, um ihre Kleinen in superökologische Boutique-Klamotten zu kleiden. Aber muss es wirklich das Billigste vom Billigsten sein? Zumal man ja, wenn man ehrlich ist, eine recht bescheidene Qualität fürs Geld bekommt. Irgendwie logisch, dass die papierdünnen Fähnchen nicht nachgetragen werden können. Die Ware löst sich nämlich vorher auf. Das bestätigen die Kinder-Kleiderbörsen-Betreiber. Leggins vom Schweden oder Pullis aus der Discounter-Krabbelkiste können nur schlecht wiederverkauft werden. Wer sich für Secondhandware entscheidet, ist nämlich nicht blöd.

Dieses Kleidungsstück wurde von Mutter Bettina selbst genäht
Kein Zweifel: Dieses Kleidungsstück wurde von Mutter Bettina selbst genäht.

Es bleibt natürlich Ihnen überlassen, wo und was Sie für Ihre Kleinen einkaufen. Ich habe einen Weg gefunden, der zumindest für mich stimmt: Ich nähe einen Teil der Kinderkleider selbst. Besonders gut gelingt mir das bei Stücken, die stark beansprucht werden. Shirts und Leggins stelle ich mittlerweile blind her. Die Stoffe, die ich verarbeite, sind vergleichsweise teuer, da ich wissen möchte, wer wo und wie produziert hat. Dafür halten die Teile es auch aus, wenn man mit ihnen über den Boden rutscht oder wenn man sie mehr als drei Mal tumblert. Die Nähte bei meiner Mama-Couture sind nicht so fadengerade wie im Laden. Und manchmal nähe ich auch im Trubel die Ärmel verkehrt herum an. Abgesehen davon ist alles mit viel Liebe gemacht. Zumindest diese Kinderkleider sind keine Wegwerfartikel.

Autor: Bettina Leinenbach

Fotograf: Bettina Leinenbach