Archiv
08. Juni 2015

Weg mit der Windel – wann und wie?

Irgendwann wollen Kleinkinder selbst keine Windeln mehr, oder die Eltern finden, es sei an der Zeit, aufs Töpfchen zu gehen. Egal, wann: Worauf achtet man beim Entwöhnen?

erstmals ohne WIndel zu Bett
Wenn es erstmals ohne WIndel zu Bett geht ... (Bild: Getty Images)

Heute geht es in den wenigsten Familien darum, die Kleinen möglichst früh von den Windeln zu befreien (von Anfang an windelfrei: Artikel im Migros-Magazin vom 8. Juni 2015 ). Sind sie noch sehr klein, ist die fast lückenlose Beobachtung schlicht zu aufwändig, um «Unfälle» zu verhindern. Wird Tochter oder Sohn tatsächlich etwas ruhiger vor dem kleinen, jedoch deutlich unruhiger vor dem grossen Geschäft? Nicht bei allen ist dem so, und bei 2½-Jährigen oft weniger konstant als bei Über-4-Jährigen.

Der Wettlauf um frühe Talente spielt (zum Glück?) ohnehin häufiger auf der Ebene von Sprachentwicklung oder Geschicklichkeit. Früh trocken zu sein bringt weniger Befriedigung und Anerkennung. Vor allem jedoch entfällt im Vergleich zu vor zwei bis drei Generationen das eigenhändige Waschen der Stoffwindel. Deshalb warten Eltern in der Regel zu, bis sie davon ausgehen können, dass das Kind die Absicherung, in Form des Rundumschutzes, nicht mehr benötigt – oder es selbst die Windeln ins Pfefferland wünscht, um vor Kameraden nicht als Kleine(r) zurückzubleiben. Spätestens mit Eintritt in den Kindergarten halten Experten und Ärzte die Zeit für gekommen, natürlich kann und darf es mehrere Jahre früher sein.

Migrosmagazin.ch stellt hier ein paar wichtige Punkte zusammen, wie das Entwöhnen von Windeln in Etappen, ohne übermässigen Stress und Druckaufsetzen funktionieren kann.
1. tagsüber
Auf jeden Fall empfiehlt es sich, zuerst während der Tagstunden auf die tragbare Absicherung zu verzichten. Nur wenige Familien entfernen Windeln in einem Schritt für 24 Stunden – bei sich in dieser Phase sehr schnell entwickelnden Kindern ist aber auch dies durchaus möglich.

a) Versuchen Sie auf wiederkehrende Anzeichen beim Kind zu achten, wenn es einmal muss. Bald einmal melden sich die meisten Kleinen auch selbst bei Mami oder Papi, wenn es so weit ist. Fragen Sie nicht aus eigener (verständlicher!) Unsicherheit ständig nach, ob es so weit sei. Das setzt Druck auf, bringt Enttäuschungen mit sich und das Kind dazu, zur Sicherheit sinnlos oft auf die Toilette zu gehen. So lernt es nicht, wann es wirklich muss.

b) Begleiten Sie das Kind etliche Male aufs Klo, das beruhigt und verleiht Sicherheit, dass alles klappt. Nach einer Weile kann es mindestens die kleinen Geschäfte selbst erledigen.

c) Loben Sie das Kind nach der Meldung, es müsse mal, und dem erledigten Bedürfnis. Belohnungen sind sicher nicht Must, aber auch nicht tabu – je nachdem, wie Sie sonst damit verfahren.
2. beim Mittagsschlaf
Als Zwischenstufen lohnt es sich, als Nächstes mit den kürzeren Schlafphasen zu Tageszeiten weiterzufahren.

a) Idealerweise sind Sie in der Nähe oder schauen regelmässig vorbei, um das Kind wecken zu können, wenn es im (Halb-)Schlaf unruhig wird und vermutlich auf die Toilette muss.

b) Auch hier hilft auf die Dauer Loben nach erfolgreichen WC-Besuchen, Misserfolge sollten möglichst locker weggesteckt werden. Motto: Beruhigen.

c) Denken Sie vor dem Start der windelfreien Schlafenszeiten daran, zum Schutz eine (Matratzen-)Auflage im Kinderbett zu installieren. Viele setzen auch auf zusätzlich aufgelegte (Frottee-)Tücher.
3. in der Nacht
Spätestens danach wartet die Königsdisziplin: Das Weglassen der Windel nachts. Dabei sollte man auf Folgendes achten:

a) Sorgen Sie für einen geregelten Tagesablauf und vor allem möglichst eingehaltene Schlafenszeit. Ebenfalls für beruhigende Rituale mit zuletzt einem optionalen WC-Gang (Abendtoilette) vor dem Zu-Bett-Gehen.

b) Aus Gesundheitsgründen sollte das Kind täglich und schön über den Tag verteilt viel trinken, aus naheliegenden Gründen die grösste Ration aber nicht vor dem Einschlafen ...

c) Der Weg zur Toilette sollte für das nachts aufstehende Kind hindernisfrei sein. Ebenso wäre ein Nachtlicht oder Licht mit Bewegungsmelder in Zimmer, Gang und auf dem WC sinnvoll.

d) Einige Eltern wecken Kinder nicht nur bei festgestellter Unruhe, sondern konsequent nach einem Rhythmus, nach dem es häufig muss(te), wieder auf. Dies empfiehlt sich höchstens, wenn das Kind wirklich auf wenige Minuten genau mehrmals einnässt. Sonst belastet man es mit Eingriffen, die zu Misserfolgen führen, und mindert das Vertrauen in sein Lernen, wann es so weit ist und wie auf Körpersignale reagiert werden kann.

e) Ein paar Wochen lohnt sich oft auch der Einsatz eines ‚Windelhöschens’ (auch ,Schlupfwindel’ genannt), welches das Kind selbst einfach (im Vergleich zu einer Windel) hinunterziehen kann, um ... auf die Toilette zu gehen. Sonst wäre es ja kontraproduktiv.

f) In den ersten Phasen mit windelfreien Nächten Ersatzpyjama und Ersatzbettwäsche bereitlegen.
ALLGEMEINE TIPPS

- Vergleichen Sie Ihr Kind und den Zeitpunkt, trocken zu werden, höchstens für sich und nicht vor dem Kind mit anderen respektive Gleichaltrigen.

- Stetes Loben lohnt sich, zumindest wenn der Nachwuchs ein Schrittchen vorwärtsgemacht hat. Das erhöht die Motivation und nimmt ein Stück die Angst vor Fehlschlägen.

- Erst wenn das Kind nach längerer Phase in der Umstellung keinerlei Fortschritte macht oder es im Kindergartenalter respektive zu Beginn der Primarschule noch keine Anzeichen gibt, dass es auf Windeln verzichten kann oder will, bleibt der Gang zum Kinderarzt als letztes – unabdingbares – Mittel. Oft ist etwa der Grund für unwillkürliches Einnässen (Enuresis) eine Krankheit oder ein psychisches Problem.

Autor: Reto Meisser