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18. Mai 2015

Wasserbauch

Baby-Puppen trinken
Perfide Baby-Puppen trinken zwar brav, verweigern dann aber das Wasserlassen. (Bild: iStockPhoto)

Kennen Sie diese Babypuppen, die bei Bedarf auch pinkeln können? Oben füttert man das Baby mit einem Leitungswasserschoppen – und einige Sekunden später pieselt das Püppchen Wasser mit Plastikgeruch in sündhaft teure Babypuppenzubehör-Pampers. Zumindest theoretisch. Evas Bäbi leidet seit einigen Tagen nämlich unter einer hartnäckigen Niereninsuffizienz. Der kleine Bauch ist voll Wasser.
Wenn man Xenia, so heisst die Puppe, schüttelt, klingt es so, als hätte sie zwei Liter Wasser intus. Fragen Sie nicht. Ich habe auch nur eine Theorie, wie das passieren konnte. Vermutlich so: Meine Kinder sitzen in der Badewanne und planschen mit ihren Bäbis. Dann bemerkt Eva, ganz das fürsorgliche Puppenmami, dass Xenia Durst hat. Um den Fütterungsprozess zu beschleunigen, taucht sie das Bäbi komplett unter. Gluckgluckgluck, Xenia schluckt und schluckt und schluckt. Braves Mädchen!

Laut Gebrauchsanweisung müsste man das Püppchen jetzt nur aufrecht hinsetzen – und schon würde das Riesenbisi aus ihm herausplätschern. Doch Xenia streikt. Meine Töchter haben es mit dem Waterboarding ein wenig übertrieben. Uppsi – und was nun? Das Wasser kann auf keinen Fall drinnen bleiben. Bei meinem Glück würde es sich dort in einen stinkenden Bakteriencocktail verwandeln – um sich dann in vier, fünf Monaten beim Spielen vollkommen unerwartet auf unsere Couch zu ergiessen. Nein, Xenia muss müssen. Und zwar sofort. Her mit der Puppe! Ich versuche es erst mit engagiertem Schütteln. (Gott sei Dank, guckt mir niemand vom Kinderschutz zu.) In Xenias Bauch schwappt es, aber sie verklemmt weiter. Na gut, dann eben etwas rabiater. Ich verrenke die Beine des Bäbis, bis es knackt. Tropf-Tropf-Tropf. Das kann doch nicht wahr sein.

«Vielleicht solltest du an der Schraube drehen?», schlägt Ida vor. – Schraube? Tatsächlich, zwischen Xenias Schulterblättern ist eine Art Knopf. Ich drehe und drehe und drehe. Nope.
«Sie hat auch einen Schalter am Nabel», wirft Eva ein. Klick-klack-klick-klack. Wieder nichts.
Ich gehe nun in Gedanken weitere Optionen durch: 1. Blasenkatheter (vielleicht mit einem Apfelsaftpäckchen-Röhrli?), 2. minimalinvasive OP im Unterbauch (Korkenzieher) oder 3. die Patientin einfach weiter beobachten. Ich hätte ja die Varianten 1 und 2 probiert, aber meine Töchter votieren für 3 …

Wir warten nun also auf die Sintflut. Bis dahin darf das Bäbi nicht mehr mit ins Bett. Und nicht mehr mit in die Badewanne. Und sicher nicht mit in die Ferien. Strafe muss sein.

Autor: Bettina Leinenbach