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01. Oktober 2012

Der falsche «Teddybär»

Welches war Ihr erster Musikbesitz, und weshalb erinnern Sie sich noch daran? Mehr als 50 Musikfans folgten unserem Aufruf und erzählten die persönliche Geschichte ihrer ersten Platte online. Für die drei originellsten Erinnerungen gab es drei Musik-Gutscheine. Alle Leserbekenntnisse, die uns per Kommentar erreicht haben, finden Sie unten auf dieser Site.

Rumpelstilz
Sangen im «Teddybär» vom Kamasutra: Rumpelstilz. (Bild: RDB)

Angelika Hepting, die Gewinnerin des ersten Preises, eines 100-Franken-Gutscheins von Ex Libris, kam als Siebenjährige durch eine amüsante Verwechslung zu ihrer ersten Single. Der zweitplatzierte Hansruedi Aeschbacher verdiente sich den Ex-Libris-Gutschein von 50 Franken mit einer Rarität — einer Single, auf der die Beatles auf Deutsch singen. Gero Pfluger auf Platz drei bekennt sich als «DJ der ersten Stunde».

1. Angelika Hepting:

«Sieben Jahre alt war ich, die Familie war eben in die Innerschweiz gezogen, und wir hatten einen nigelnagelneuen Plattenspieler. Von meinem Geburtstagsgeld durfte ich mir eine Märchenplatte kaufen. Damals war ich sehr angetan von ‹Die drei Bären›. Auf der Suche danach stiess ich auf das ‹Teddybär›-Cover: ‹Klar, das ist das besagte Märchen›, sagte ich mir und berappte die Rumpelstilz-Single voller Stolz. Das musikalische Intro empfand ich als sehr lang, hätte aber nie zugegeben, dass ich einem Irrtum erlegen war. Die Single habe ich dann tage- und monatelang gehört. Noch heute wird mir warm, wenn ich den ‹Teddybär› höre. Was im Text ‹Kamasutra› und ‹französischs Müntschi› bedeuten, war mir nicht klar, aber das mit dem Tollen auf dem Teppich fand ich schon sehr erstrebenswert.»

2. Hansruedi Aeschbacher:

«Meine erste Single war ‹Komm, gib mir deine Hand› der Beatles. In der Schule war ich nicht der Beste, dafür derjenige, der stets prallgefüllte Single-Sammelalben mit Beatles-, Stones-, Kinks-, Hendrix- und Dave-Dee-Scheiben hatte und bei den Mädchen damit gut ankam — vermutlich aber nur deswegen. Jahre später habe ich Löli Hunderte von Singles weggeworfen, weil sie altmodisch waren. Vor einem Jahr habe ich die deutschsprachige Beatles-Platte an einer Börse wieder entdeckt. Sie hat mich ganze 95 Franken gekostet.»

3. Gero Pfluger:

«Neue Nadel einsetzen und die erste Schellackplatte, das Klavierkonzert Nr. 1 in b-Moll von Peter Tschaikowsky, auflegen. Mindestens einmal in der Woche gestaltete ich so mein persönliches Musikprogramm. Für die zweite Platte eine neue Nadel in den Tonabnehmer, so ging das beim Auflegen mit 78 Umdrehungen. Ich war der DJ der ersten Stunde. Die Nadeln wurden stufenweise verbessert: eine für zehn Platten – bis zum Diamanten, der praktisch unbeschränkt einsatzfähig ist. Ich sehe mich noch heute im Musikladen stehen: Die erste käuflich erworbene Schallplatte mit 45 Umdrehungen war ‹New Orleans Function› von Louis Armstrong. Eine neue Welt eröffnete sich mir in der Folge, bis zum heutigen Tag häufte sich eine Schallplattensammlung mit rund 1500 Tonträgern und 500 CD an.»

Weitere lustige, spannende und originelle Leserbekenntnisse finden Sie als Kommentare auf dieser Site.

Autor: Reto Meisser