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14. November 2016

Was taugen Googles Chromebooks?

Die Notebooks von Google sind viel günstiger zu haben als die der Konkurrenz. Doch diesen Vorteil zahlt man mit der Preisgabe seiner persönlichen Daten.

Gläserne User: Auf Chromebooks werden keine Daten gespeichert, diese liegen allesamt in der Cloud.
Gläserne User: Auf Chromebooks werden keine Daten gespeichert, diese liegen allesamt in der Cloud.

Es ist schwierig, für unter 300 Franken ein sehr gutes Notebook zu finden. In dieser Preisklasse müssen Nutzer bei Optik und Leistung Abstriche machen – ausser es steht «Chromebook» auf dem Deckel.

Datensammler allüberall
Google ist nicht der einzige Konzern, dessen Haupteinnahmequelle auf Userdaten basiert. Facebook verfolgt dasselbe Geschäftsmodell: Jeder Nutzerin und jedem Nutzer soll nur die Werbung angezeigt werden, die sie oder ihn tatsächlich interessiert. Und je besser das Modell funktioniert, desto teurer können Google und Facebook die Werbeplätze an interessierte Unternehmen verkaufen. Der dritte «Grosse» im Bunde heisst Apple. Aber der Konzern tickt anders. Die Firma hat stets betont, nicht an Nutzerdaten interessiert zu sein. Das ändert sich jetzt langsam aber sicher. Stichwort: «Differential Privacy»: Apple sammelt Nutzerdaten und versucht aus der schieren Menge, statistische Nutzungsmuster zu erkennen, um die eigenen Produkte zu verbessern. Allerdings ohne – laut eigenen Angaben – die Privatsphäre einzelner Nutzerinnen und Nutzer zu gefährden. Ob das stimmt, weiss nur Apple selbst. Die Methode ist unter Experten stark umstritten .


Wie ist das möglich? Hersteller wie Acer, Asus, HP, Lenovo und Samsung stellen die Geräte in Zusammenarbeit mit Google her. Erstere bauen die Hardware zusammen, Letzterer liefert das Betriebssystem «Chrome OS». Dieses kommt statt Windows oder Mac OS zum Einsatz und unterscheidet sich in einem wesentlichen Punkt von der Konkurrenz: Auf den Geräten selbst wird nichts gespeichert – alle Daten sind auf Google-­Servern gelagert.

Auch Programme können nicht wie gewohnt installiert werden, sondern müssen aus Google-eigenen Quellen wie «Chrome Web Store» oder «Play Store» bezogen werden. Da seit diesem Sommer sämtliche Android-Apps mit Chrome OS kompatibel sind, ist zumindest die Auswahl gross genug, um den Alltag damit bestreiten zu können.

Google weiss alles

Die meisten dieser Programme können ohne aktive Internet­verbindung genutzt werden – ­sogar die Office-Suite «Google Docs». Um die erledigte Arbeit zu speichern (und mit den Servern zu synchronisieren), ist jedoch ein ­Internetzugang unumgänglich. Das ist der erste Nachteil der Chromebooks. Der zweite: Nutzer haben keine Kontrolle über ihre Daten, eben weil diese in der Google-Cloud gespeichert sind.

Aus beiden Punkten lässt sich das Geschäftsmodell mit den Chromebooks ableiten: Je mehr von diesen Geräten weltweit im Einsatz sind, desto mehr massgeschneiderte Werbung kann Google verkaufen. Dank der ständigen Vernetzung und dem Zwang zu eigenen Programmen sammelt der Konzern Unmengen von Daten und weiss von jedem Nutzer und jeder Nutzerin, was er sucht, mit wem sie worüber mailt, was in seinen Briefen steht, welche Spiele sie mag, was er täglich fotografiert und vieles mehr.

Hoher persönlicher Preis

Käufer eines Chromebooks müssen sich bewusst sein, dass diese anders sind als andere Notebooks. Sie sind zwar genauso stabil und sauber verarbeitet wie ähnliche Geräte der Konkurrenz, und auch das Betriebssystem «Chrome OS» lässt sich wie Windows oder Mac OS X schnell und intuitiv bedienen. Aber der Preis für ein Chromebook ist hoch, obwohl weniger Geld fliesst. Denn abgerechnet wird in Form von Daten, Daten, Daten und nochmals Daten, die Google zur Verfügung gestellt werden müssen, um das Gerät überhaupt nutzen zu können.

Autor: Reto Vogt

Illustrationen: Supertotto 2Agenten