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20. Juli 2015

Was machen Wintersportler im Sommer?

Hätten Sie sie erkannt ohne Skianzug und Eislaufkostüm? Das Migros-Magazin wollte wissen, was Wintersportler im Sommer tragen. Und mit welchem Drink sie ihren Durst löschen. Womit erfrischen Sie sich?

«Ohne Zucker ist Eistee leicht säuerlich: super!»

Laurien van der Graaff (27), Langläuferin, Davos GR

Lieblingsdrink: Pfefferminz-Eistee mit Zitronensaft

1. Wieso schmeckt Ihnen der Drink so gut?

Da ich keinen Zucker beimische, ist er nicht süss, sondern leicht säuerlich: super! Ich mag es, mir das Getränk selbst zuzubereiten. Die Minze pflücke ich im Garten.

2. Bei welcher Gelegenheit trinken Sie den Eistee?

Immer wenn ich Besuch habe. Und manchmal setze ich mich mit einem Glas allein auf die Terrasse und geniesse den Blick auf die Bündner Berge.

3. Ist der Sommer für Sie als Wintersportlerin erholsam?

Sicher! Die Motivation, rauszugehen und mich zu bewegen, ist viel grösser, als wenn es kalt ist. Ich muss mich nicht dick einpacken oder fürchten, nass zu werden.

4. Wie viel Zeit investieren Sie in die Saisonvorbereitung?

Über 20 Stunden pro Woche. Ich trainiere jeden Tag zwei Mal an der frischen Luft und ein Mal im Kraftraum.

5. Haben Sie Sommerferien?

Nach der Saison nehme ich jeweils frei und mache zwei bis drei Wochen nichts. Dieses Jahr war ich mit meiner Mama in Italien, das habe ich sehr genossen.

Laurien van der Graaff (rechts) an der Ski Nordisch WM 2015 in Falun
Laurien van der Graaff (rechts) an der Ski Nordisch WM 2015 in Falun (Bild: Keystone).

Ihre Familie und Freunde kommen zu kurz. Das weiss Laurien van der Graaff. «Das ist jetzt halt so.» Hat sie keine Freizeit? «Da schlafe ich», sagt sie und lacht. Van der Graaff fokussiert auf die neue Saison: «Ich denke immer wieder an die kommenden Rennen und ziehe daraus meine Motivation fürs Training.» Im Sommer gehe das noch einfacher, weil sie bloss T-Shirt und kurze Hose anziehen müsse.

«Smoothies sind fruchtig und gesund, hoffe ich?!»

Stéphane Walker (24), Eiskunstläufer, Neuenburg NE

Lieblingsdrink: Himbeer-Smoothie

1. Wieso schmeckt Ihnen der Drink so gut?

Smoothies sind fruchtig und einigermassen gesund, oder? Das hoffe ich zumindest. (lacht)

2. Bei welcher Gelegenheit trinken Sie ihn?

Meistens am Sonntag, da gönne ich mir eine Ruhepause, und zur Erholung gehört einfach ein feiner Smoothie.

3. Ist der Sommer für Sie als Wintersportler erholsam?

Ja, aber nur aus einem Grund: Ich darf in die kühle Eishalle. Die warme Jahreszeit mag ich nicht, weil ich schnell schwitze.

4. Wie viel Zeit investieren Sie in die Saisonvorbereitung?

Ich trainiere jeden Tag drei bis vier Stunden auf dem Eis und bolze danach noch eine Stunde Fitness und Kondition.

5. Was ist mit Sommerferien?

Weil ich lange verletzt war, muss ich viel aufholen. Deshalb bleibe ich zu Hause und trainiere.

Stéphane Walker an der WM in Shanghai 2015
Stéphane Walker an der WM in Shanghai 2015 (Bild: Keystone)

«Chani Wallisertitsch redu?» Der Wirtschaftsstudent Stéphane Walker wechselt im Gespräch mühelos zwischen Dialekt, Hochdeutsch und Französisch. «Ich bin wegen des Eiskunstlaufens früh von zu Hause ausgezogen, habe in Brig und Sion das Gymnasium absolviert und ­anschliessend in ­Neuenburg Wirtschaft studiert.» Sein ursprünglicher Plan, diesen ­Sommer in St. Gallen den ­Masterstudiengang zu beginnen, ist derzeit zwar auf Eis gelegt. Nichts geändert hat sich jedoch am grossen Traum, 2018 an den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang teilzunehmen. «Das ist nur dank eines erfolgreichen Crowdfunding-Projekts und meiner Sponsoren möglich. Sie heissen Mama und Papa.»

«Mit Minze ein super­ erfrischender Cocktail»

Wendy Holdener (22), Skifahrerin, Unteriberg SZ

Lieblingsdrink: Alkoholfreier Erdbeer-Mojito

1. Wieso schmeckt Ihnen der Drink so gut?

Erdbeeren sind meine Lieblingsfrüchte. Und die Pfefferminze macht ihn zu einem super erfrischenden Cocktail.

2. Wann trinken Sie ihn?

In den Ferien, mit Blick aufs Meer.

3. Ist der Sommer für Sie als Wintersportlerin erholsam?

Das wäre er auch ohne meinen Beruf. Ich mag die Jahreszeit total gern, ich liebe das warme Wetter und gehe gern baden.

4. Wie viel Zeit investieren Sie in die Saisonvorbereitung?

Sehr viel. Nach der Saison habe ich nur im Monat April frei, ab Mai bereite ich mich bereits wieder auf die neue Saison vor.

5. Was ist mit Sommerferien?

Ein bisschen Ferien hat doch jeder nötig, oder? Da ich das Meer brauche, muss ich ins Ausland. (lacht)

Wendy Holdener an den Schweizer Meisterschaften in St. Moritz
Wendy Holdener an den Schweizer Meisterschaften in St. Moritz (Bild: Keystone).

Ein Trainingsmuffel ist Wendy Holdener nicht. Zwar kann sie sich Schöneres vorstellen, als im Sommer drinnen Kondition zu trainieren. Aber weil die Vorbereitung von Mai bis September dauere, bringe es nichts, sich zu ärgern. Holdener investiert 20 Stunden pro Woche ins Krafttraining.

Auf die vergangene Saison blickt sie mit gemischten Gefühlen zurück. «Ich habe schlecht angefangen und schlecht aufgehört.» Dazwischen holte sie einen Weltcup-Podestplatz im Slalom, drei Silbermedaillen und eine Bronzemedaille an den Schweizer Meisterschaften.

Zeit für Ferien bleibt dieses Jahr nicht. Deshalb denkt sie mit Wehmut an den Erdbeer-Mojito zurück, den sie in den letzten Ferien auf der Karibikinsel Aruba genoss.

«Nur von einer unabhängigen Brauerei»

Beat Hefti (37), Bobfahrer, Goldau SZ

Lieblingsdrink: «Es chüehls Bier»

1. Wieso schmeckt Ihnen Bier im Sommer so gut?

Es gibt nichts Erfrischenderes. Aber das Bier muss von einer unabhängigen Brauerei sein. Das ist wichtig.

2. Bei welcher Gelegenheit trinken Sie eins?

Nach einem strengen Tag mit Freunden in einer Gartenbeiz. Zu Hause nur beim Grillieren.

3. Ist der Sommer für Sie als Wintersportler erholsam?

Oh ja, aber nur, weil ich drinnen im Kühlen trainiere. In der Freizeit geniesse ich es, mit der Familie in den Tierpark zu gehen.

4. Wie viel Zeit investieren Sie in die Saisonvorbereitung?

Von Mai bis August steigere ich mich von drei bis vier auf fünf bis sechs Trainings pro Woche. Intensiver wird das Trainingslager in Lillehammer.

5. Was ist mit Sommerferien?

Städte- und Strandferien sind nichts für uns. Dieses Jahr verbringe ich mit der Familie eine Woche in Österreich.

Beat Hefti (rechts) mit seinem Partner Alex Baumann an der Bob-WM 2015
Beat Hefti (rechts) mit seinem Partner Alex Baumann an der Bob-WM 2015 (Bild: Keystone).

Der Sommer ist die strengste Jahreszeit für Bobfahrer Beat Hefti. Er tourt mit seinem Bobsimulator durchs Land, donnert mit Kunden seiner Sponsoren die Bahn hinunter. Solche Anlässe sind zum zweiten Standbein geworden, um sich von Oktober bis März auf den Sport zu konzentrieren.» Der Weltmeister und vierfache Europameister holte 2014 in Sotschi eine Olympiamedaille. «Seither bin ich weniger verbissen, fahre lockerer.»

Autor: Reto Vogt

Fotograf: Christian Schnur, Veronique Stohrer