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09. März 2015

Mami, was ist eigentlich Normcore?

Diesmal lautet die Frage an die Mutter, was denn Normcore bedeutet. Hier Gabriela Bonins Antwort:

Frage an Mutter Gabriela Bonin
Die Frage an Mutter Gabriela Bonin.

Das Wort tönt wie Hardcore, also wie etwas, das man hart und heftig betreibt, zum Beispiel krasse Punkmusik. Dieses «Hardcore»-Wort haben amerikanische Marketingleute mit dem Wort «normal» verbunden. Aus der Mischung haben sie das neue Kunstwort gebastelt: Normcore.

Es steht für einen Modetrend. Dieser zeigt, dass viele modisch interessierte Leute keine Lust mehr haben, sich ständig aussergewöhnlich zu stylen. Sie sind müde, mit der immer schneller wechselnden Mode zu gehen. Es strengt sie zu sehr an, allen Hypes hinterherzueifern. Darum kleiden sie sich so banal wie möglich – ganz heftig normal. Bloss nicht auffallen!

Mit alltäglichen T-Shirts, Kaputzenpullis und Jeans tragen sie einen Stil, der keiner ist. Die 26-jährige New Yorkerin Emily Segal hat geholfen, den Begriff zu formen. Sie vermittelt damit aber eine Botschaft, die über die Wahl der Kleider hinausgeht: Normcore soll uns vom ständigen Druck der Markenwelt eine Auszeit gönnen.

Welches Label ist angesagt? Egal! Welchem Trend muss ich hinterherrennen? Mir doch gleich!
Die Normcorer nehmen sich die Freiheit der Form. Sie haben für eine Weile gar keine Form. So ähnlich wie eine verpuppte Raupe. Diese Trendpause gibt ihnen die Chance, sich selbst besser wahrzunehmen und dabei ihren ganz eigenen, «echten» Stil zu finden.

Wenn dir das gelingt, hebst du irgendwann ab – als selbstsicherer Schmetterling.

Autor: Gabriela Bonin